Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 80 (5.10.1837)
- Date
- 1837-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224819--00539-3298845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I. Jahrgang. N§§A§MerKL Ny. 80. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mir Königl. EäctisrsLer attrrgnäriqster Cvncrssion.) Leipzig, den 5. Octobcr 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Earlsruhe, 15. Sept. (Privatmitth.) Ich muß Ihnen heute einige Bemerkungen, zur Berichtigung meiner Nachrichten in No. 56 zukommen lassen. Ein unvorsichtiger Gebrauch des Wortes »entzogener« für »vorenthaltener« hat zu der Phrase Veranlassung gegeben: »Dabei handelt es sich in rmfcrm Vater!apde nur um die Wicdcrerwerbung entzogener Rechte,« wahrend es heißen sollte, daß cs sich hier nur um die Erwerbung vorenthaltencr politischer Rechte handelt, während wir in Rücksicht der staatsbürgerlichen Rechte vollkommen gleichgestellt sind. Iedennoch können die uns noch -fehlenden gemeindebürgerlichen Rechte, und >n epecie das Recht der Wählbarkeit zum Bürgermeister und zum Gemeinderath, allerdings in gewisser Beziehung entzogene Rechte genannt werden, indem, namentlich was das letztere betrifft, erst in der im Jahre 1831 erschienenen neuen Gemcindeordnung nur den Gemeindebürgern christlicher Religion das Recht der genannten Wählbarkeit verliehen wird, wahrend vorher durch kein Gesetz darin eine Ausnahme sanktionirt war. Und wenn ferner durch dieselbe Gemeindeordnung der UMerschicd zwischen Orts- und Schutz-Bürgern aufgehoben, und das Recht der Uebersiedelung verliehen wurde, wahrend den Israeliten der Anspruch auf die Wohlthat dieser beiden Rechte nickt eingeraumt wurde, so ist allerdings das Ausschließen der Israeliten von dem Genuß dieser neuverliehenen Rechte ein Entziehen derselben, die sie vermöge des Prinzips, sowie durch den frühem wirklichen Zustand der Gleichheit, als wohlerworbene Recht? für sich in Anspruch.zu nehmen berechtigt sind. Ueberhaupt ist das Zurückhalten Einzelner, während Andere in der rechtlichm Entwickelung sortschreiten, überall ein Rückschritt. Meiningen, 9. Sept. Obgleich bereits in No. 74. ein eingesandter-Artikel über den folgenden Gegenstand.gegeben worden, so finde dennoch wegen der Wichtigkeit desselben, hier noch folgende Mittheilung der Dorfzeitung No. 152. einen Platz. — Hier halt sich gegenwärtig ein Einwohner Jerusalems auf, gebürtig aus Dreisigacker, der bisher in der Absicht Deutschland und Europa durchreiste, um mittelst einer Subscriptionsversicherung einige erprobte Jugendbildner, sowie einige geschickte Handwerker und praktische Oekonomen nach dem heiligen Lande überzusiedeln, welche die dortigen verwahrlosten Europäer cultiviren sollen. Die zu diesem Zwecke zu errichtende Anstalt würde alle die bedeutenden Unterstützungen, die bisher jährlich aus Europa dorthin flossm und oft zwecklos verschwendet wurden, für die Zukunft entbehrlich machen. Es ist derselbe Rabbiner und Talmudist, den der berühmte Welrganger, Fürst Pückler-Muskau, zu Susa in Afrika anttaf, und über den er sich im 4. Bande seines »Scmilasso in Afrika« vortheilhast äußert, sowie auch bereits die Allgem. Zeit, des Judcnthums No. 6. und 37. desselben Erwähnung thut. Es wäre zu wünschen, daß Hcrr M. Sachs, trotz seiner vielfachen in Holland und Deutschland bestandenen Abenteuer, ftmen menschenfreundlichen Zweck erreichte. Landau, 11. Aug. Wer da weiß, wie der Festrag von Jerusalem sonst und noch im vorigen Jahre begangen wurde, wie der Gottesdienst an ihm allerdings nicht geeignet war, zu jener leisen Trauer zu stimmen, welche die Aufgabe jedes Israeliten für diesen Tag ist, und wie er noch weniger die Trauer selbst und ihre Veranlassung für Sittlichkeit und Religiosität fruchtbar machen konnte, der wird unserm Herrn Rabbiner Grünebaum um so mehr Dank wissen für die treffliche Anordnung, die er für diesen Tag-traf, und mit welcher er denselben in diesem Jahre zum ersten Male beging, aber auch der Gemeinde, die, bis auf Wenige, in der Synagoge war, wogegen sich sonst an diesem Tage sehr Viele entfernt hielten, die .Gerechtigkeit widerfahren lassen, eine treffliche, der ernsten Trauer des Tages angemessene Halmng keinen Augenblick aus den Augen gelassen zu haben. Aber wer hätte auch nicht auf das Tiefste ergriffen werden müssen bei der wahrhaft herzergreifenden Schilderung von Jerusalems Fall in der Predigt des Herrn Rabbiners, und bei dm Warnungen und' Ermahnungen, die daran geknüpft wurden? Wahrlich, uns mußte so der Tag, wie es in der Predigt hieß, nicht blos ein Trauerdenkmal der Vergangenheit, sondern auch ein Mahnungsmittel für die Zükunft werden. Wir sind überzeugt,, daß Niemand gegenwärtig war, der ohne Rührung die Synagoge verließ. Niemand, der nicht völlig überzeugt wurde, daß in der neuen Ordnung nicht das Geringste, selbst gegm di« Anocdnuvgm der nachtalmudifchen Rabbinm, lag, und daß wahre Religiosität den schönsten Triumph in ihr gefeiert habe. (N. Speyer. Seit.) Neu-Süd-Wales.*) Unter der Gesammtbevolkerung von 77,096 Menschen befinden sich 51,621 Protestanten, 21.898 Katholiken, 477 Juden und 100 Heiden. — Die nenn Kirchspiele von Sydney enthalten allein 19,729 Seelm, worunter sich 14,391 Protestanten, 4942 Katholiken, 340 Juden und 56 Heidm befinden. — Also auch nach Australim begleitete Israel den Wanderzug der Menschheit.! *) Die Ostküste von Neu - Holland. - D. Rebact.