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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-03 · Heft 79 (3.10.1837) · p. Seite 314

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 79 (3.10.1837)
Date
1837-10-03
Page
Seite 314 (sequence 2)
Language
German
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314 München, 15. Sept. (Privatmitth.) Unsere Zeitungen und auch der Berichterstatter der Attg^ Zeit, des Jud. No. 74. haben kurzweg angezrigt, daß die Kammer den TkitrSg des verehrten Vr. Willich, dem jetzt rin glanzender Empfang in seiner Heimath wattet, auf Emancipation der Juden, nicht angenommen, haben aber nicht bemerkt, daß 44 Stimmen für den Antrag und 64 gegen denselben, also bei 108 Stimmen nur eine Majorität von 20 Stimmen für Verwerfung, waren. Lyon, 13. Sept. Neuere Nachrichten aus Rom bestätigen den Volksaufstand wider die Juden, geben aber zugleich die Ursache davon an.- Der Courrier de Lyon gibt das Schreiben eines jungen Künstlers vom 31. August, worin cs unter Anderm heißt: »Die Cholera trifft in Rom sehr die arme Klasse, im Ghetto und in dem Trastcvere, schont indessen auch die höhere Klasse nicht. Es fand auch eine kleine Jnfurrektt'on im Ghetto statt, wegen des Palastes Lenci, der den Juden bewilligt worden war, um ihr Hospital daraus zu machen; und da eine ziemliche Anzahl römischer Familien, die ihn bewohnten, ihn räumen mußten, so hetzten diese den Pöbel gegen die Juden auf, indem sie schrieen, die Juden würden ihnen vorgezogen u. dgl. Die Cavalerre wurde hingeschickt, und es gelang ihr nur schwer, das Volk zu beruhigen, welches die Juden niedermachen wollte.« Die Maraancn. Novelle aus dem letzten Jahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts.* (Fortsetzung.) 31. Am Ufer des Guadalimar, am Fuße des Berges Alcarez, liegt ein Schloß mit vier spitzen Thürmen, schon von den Gothen erbaut. In einem dieser Thürme war eine Halle, aus dcrm Fenster seit Monaten Jehudah Abarbanel den Blick nach dem Strome richtete. Aber die Gegend war wie ausgestorben, nur noch einige Gefangme der Inquisition und wenige bewachende Soldaten und Laienbrüder schienm die Bewohner des Schlosses, ja der ganzen Umgegend zu sein. Am andern Ufer des Flusses erhoben sich steile Felftn, auf deren Gipfel Adler horsteten. Täglich brachte ein Laienbruder dem Jüngling das stmrlichc Mahl, alle Versuche Jehudah's, ihn zum Sprechen zu bewegen, waren vergebens, obgleich sein Blick keine Gleichgiktt'gkeit für das Schicksal des Geftnrgenen verriethja seine Augen öfters mit Thrancn auf dem Jüngling ruhten und er sogar sein Verlangen nach einer Mandoline erfüllte. Düstere Melancholie ergriff den Jüngling und er wünschte zu sterben. So schauete - Jehudah eines Abmds durch das Gitterfenster, sanft plätscherten die Wellen des Sttomcs und schlugen an das hohe Gemäuer, der Mond schwebte hell über dem Flusse und beleuchtete mit seinem magischen Lichte das enge Gemach. Jehudah ergriff die Mandoline und fang: *) Trennung, schwerer Schmerz des Herzens, Weinen kann mein Lag' nicht mehr. Dulde ich des Schicksals Tücke, Singe ich der Seele Weh. Sinken will die Kraft der Jugend, Sterben will des Jünglings Math, Freiheit athmend, Freiheit suchend, Tief im Innern Liebesgluth. Ach zerstöret, ach vernichtet Meiner Kindheit Unfchuldswelt! Und die Blüthen meines Lebens All' zerknicket, all' verwelkt. Da glaubte er von fern einen in den Wellen schaukelnden Kahn zu »erblicken, auf welchem er auch alsbald zwei Männer erkannte, die langsam ruderten und unverwandt ihren Blick nach seiner Zelle richttten. In dem Augenblicke ttat der Laienbruder ein. »Eure Rettung ist nahe, Abarbanel,« lispelte er ihm zu, »machet Euch eilends auf und folget mir, im Namen des Gottes Israels.« Jehudah folgte dem Manne, sse stiegen, von Keinem bemerkt, die schmale Wendeltteppe herunter, die zu einer Pforte fühtte, vor welcher der Nachen hielt. Der Laienbruder sprang, zuerst hinein, rasch folgte ihm Abarbanel, alle drei legten den Finger auf den Mund und bedeuteten ihm Schweigen, und mit der größten Behendigkeit ruderten sie stromabwärts. Als der Morgen grauete, hielten sie vor einem Felftn. »Jetzt können wir sprechen, Don Jchudah,« sagte der Laicnbruder, »Ihr seid unter den Eurigen, folget uns in die Höhle der Marannen.« Der Kahn wurde in's Schilf gezogen und die vier Männer waten in eine Höhle, deren Eingang mit Dornr^gestrüpp verdeckt war, die glatten Wände warm mit Moos v^öeckt, sie erweitctte sich immer mehr und fühtte endlich in einen großen- Raum. Wie erstaunte "Jehudah, hier eine Versammlung von mehrcm Hundetten zu finden. Ein buntes Gemisch von Leuten aus aller: Ständen, Mönche, Soldaten, Bürger, alle aber mit einem weißen Talar verhüllt, der über den Rücken hing und den Kopf vermummte, trauernde Physiognomien, in denen das Weh und der Emst des Lebens sich ausbrückten, blickten aus dieser Verhüllung hervor. Der Raum war vom Lichte weißer Kerzen erhellt. Auf einem großen Steine, den ein weißes Linnm bedeckte, lagen die Rollen des Gesetzes Mosis, in den Winkeln der Höhle waren Vorhänge von heiligen Lüden, goldene und silbeme Tempelgeräthe, unzählige Bücher aufgehäust. Beim Eintritte in die Versammlung riefen die Begleiter Jehudah's: *) El grave" dolor de ausencia, Ni alli le basta paciencia, Ni alcanga para Uorar De sus lagiymas Ucencia.

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