Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 78 (30.9.1837)
- Date
- 1837-09-30
- Page
- Seite 311 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bll gegen die bisherige Ansicht über diesen Gegenstand noch ansühren könnte, will ich nur noch Genes. 14, 18. anführm, wo es heißt: »er (Malchisedek) ließ Brod und Wein herausführen,« woher und wann? — 1) aus seiner Stadt (Salem), in der er König war, und die ebm so einfachen als klaren Worte zeigen zu deutlich auf die unmittelbare Nahe der Stadt Salem hin, wie man aber von Jebus oder Jerusalem nicht reden konnte; und 2) gab Malchisedek, nach dein klaren Sinne und Zusammmhange dieser Worte und der ganzm Stelle, diesen Befehl erst, als er bereits bei Abraham im Königsthale angelangt war, und diesem bereits gedankt und gesegnet hatte. Wäre unter Salem aber dennoch Jerusalem zu verstehen, so würden zu dem Herbeischaffen jener Nahrungsmittel mehrere Tage erforderlich gewesen sein, was aber wiederum zu stack gegen die edle Absicht Abrahams, dm Bewohnern der Pmtapolis ihre Lmte und ihr Eigmchum wieder zuzustellen, streitet. Oder soll etwa Malchisedek durch den liebm 'bloßen Zufall damals,, als Abraham eben von jener Schlacht zurückkehtte, mit diesem im Königsthale zusammmgettoffm sein? — ist ebm so unwahrscheinlich als uudmkbar, als daß Abraham auf dem Rückzuge seinm Weg über Jerusalem gmommm habe. — Malchisedek war Priester des höchstm Gottes, d. h. ein monotheistischer Priester zugleich, und seine Frömmigkeit galt spater unter dm Judm und Christen als idealisches Müster, vgl. Ps. 110, 4. und Hebr. 7, 1 ff., in welcher letzterm Stelle er aber auch nur König von Salem, und nicht »von Jerusalem«, genannt wird, ja von den Zeitm des Hieronymus wissm wir es gmau, daß Kirjatajim, dieselbe Stadt, in derm Gegend wir nach Gmes. 14. den Abraham, Melchisedek und dm König von Sodom beisammen sahm, voller Christm war, und ich frage! warum gerade in dieser Stadt, in dieser Gegend? — stehe weiter unten! — Die altm Versionen, LXX, Vulg., Samarit., Arab. und Syr. übersetzen Gmes. 14. dm Namen Salem durchgehmds durch Salem, Solim und Suleim, nicht aber durch »Jerusalem,« und jene angenommene Contraction aus ist willkührlich und unbegründet, in der Bibel nirgends vorkommend. Wann hat alsdann aber auch Jerusalem Jebus geheißm? — und warum steht in dm Stellm des A. T., wo Salem gmannt wird, nicht auch derZusatz dabei: »dieses ist Jerusalem,« wie es z.B. Jud. 19, 10.11. und 1 Chron. 11, 4. 5. von Jebus heißt: »Jebus, dieses ist Jerusalem,« wenn Salem anders Jerusalem sein muß? — beim des Josephus Bericht hierüber kann allein noch nicht dm Ausschlag gebm, da er vielmehr nach der Ansicht und dem Glauben seiner Zeitgenossen schrieb. — Alle Schriften des A. T., in dmm die Stadt Jebus Jerusalem genannt wird, stammen daher sicherlich erst aus den Zeiten nach '1100 vor der gewöhnlichen Zcittechnung, dmn erst David gab ihr den Namen Jerusalem. Endlich ersehm wir aus dm Werken des Hieronymus, eck. Villarsii, 1, 446., daß Salem oder Salim am jenseitigm Ufer des Jordans lag; dmn Hieronymus sagt es hier ausdrücklich, daß er diese Stadt selbst besucht und die Ruinen der Burg des Malchisedek gesehen habe. In Genes. 33, 18. bedeutet ü\v5 nicht, wie es der Samarit., Syr., Vulg. und LXX übersetzen: Jacob venit ia Salem civitatem Sichimorum, was auch mehrere neuere Exegetm aufgefaßt und behauptet haben, sondem wie der Chald. und Arab. übersetzen: integer, unversehrt, wohlerhalten, und ebm so muß man es Ps. 76, 3. erklärm, vgl. meinm Commmtar zu den Psalmm (Leipzig bei Cnobloch 1837), in welcher letztm Stelle es schon Vulg., LXX, Aethiop. und Arab. durch in pace ausgedrückt haben, was auch am bestm zu dem historischm Facmm, auf welches sich dieser Psalm bezieht, zum Parallelismus und zu der Stellung der Sorte u. s. w. paßt. Was.nun mdlich die Stelle Joh. 3, 23. bettifft, so gicbt diese dem Ganzm einm entscheidenden Ausschlag; dmn hiernach, nach der Unterredung mit Nicodemus, geht Jesus von Jerusalem weg in das judaische Land, d. h. in das platte Land von Judäa nach dem Jordan hin: »nach diesem kam Jesus und seine Jünger in das judäische Land; und daselbst verweilte er mit ihnm, und taufte. Johannes aber taufte auch zu Ainon, nahe bei Salim — Salem, weil viel Wasser daselbst war u. s. w.,« während das Westufcr des Jordans und des lobten Meeres wasserarm war und ist. Auch hier übersetzm Vulg., Arab., Syr. und Pers.: Salim, und Aethiop.: Salem, nicht aber »Jerusalem,« und vergleicht man mit dieser Stelle noch Joh. 10, 40., wo es heißt: »Er kam jmseits des Jordans an dm Ott, wo Johannes früher getauft hatte« (dmn Johannes scheint hauptsächlich am jenseitigm Ufer des Jordans und todtm Meeres gttaust zu haben, zumal da es hier mehrere warme Quellen giebt), so wird es mehr als wahrscheinlich, daß Salem nicht Jerusalem, sondern eine Stadt an den Nordostufern des tobten Meeres war, in deren Nähe auch das Königsthal mit der Stadt Kirjatajim lag, und daß also Malchisedek nie.König von Jerusalem gewesen sei. Viele und vielleicht gewichtige Gründe habe ich hier der beliebtm Kürze wegm stillschweigend übergangm, die ich aber, sei es auf Privat- oder öffentlichem Wege, demjmigm mitzucheilm bereit bin, der meine ausführlichere Abhandlung über diesm Gegenstand in des Herm Domherm Jllgen »Zeitschrift für histor. Theologie« nicht abwattm, und sich