Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 78 (30.9.1837)
- Date
- 1837-09-30
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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312 lieber sogleich hierüber belehren will, obgleich obige Bemerkungen hinreichend fein werden, den Leser dieses zu veranlassen, in genannte Schriftstellen, selbst einzugehen, zu prüfen und mit eigenen Augen zu sehen, um sich von der einen oder andern Sache eigenmächtig zu überzeugen. vr. X W. Krahmer in Marburg. Literarischer Salon. (Fortsetzung.) Der jüdische Dichter inArabien zur Zeit Mohammed's. Wer kennt nicht die Mu al lakat, die sieben heidnischarabischen Gedichte, welche bei den Wettspielen arabischer Sänger auf der Messe zu O k a z entstanden, dann zum Preise ihrer Vortrefflichkeir, mir goldncn Buchstaben geschrieben, in dem Tempel zu Mekka an der Kaaba aufgehangen wurden'! Einer dieser hellstrahlenden Plejadcn am Bedewinen - Himmel des Gesanges war der gekrönte Sänger, der Fürst Amrulkeis, der bitterste und unversöhnlichste Feind Muhammed's, und sein Freund war der Jude Samuel, Sohn dcs Adia, Fürst eines jüdisch - arabischen Stammes Adia, dessen Lieder in der poetischen Literatur der Araber vor Mohammed den Liedern des Amrulkeis gleich-' gestellt werden. Nicht'ohne Interesse ist folgende Stelle über unfern Dichter in dem Buche: die poetische Literatur der Araber (von vr. G. Weil, 1837). »Schutz und Wohlrhätt'gkeit, die man dem Fremden oder Verbündeten angedeihen ließ, war nicht minder ehrenvoll als muthiger Angriff und Unerbittlichkeit dem Feinde gegenüber; und hatte der Sieg die Flammen des Kriegs ausgelöscht, so war es die schönste Pflicht des Siegers, das Feuer der Gastfteundschaft auflodern zu lassen, damit der nächtliche Wanderer erkenne, daß hier ein gästliches Dach für ihn bereit sei. Schön gepaart sind diese Zwillingssöhne der arabischen Wüste in folgendem Gedichte des Juden Samuel, Sohn des Adia: »»Wenn des Mannes Ruf makellos, so ist jedes Gewand schön, das ihn umhüllt. Wer keine Widerwärtigkeiten erttagen kann, findet nicht den Weg zum Ruhmesglanz. Man wirft uns vor, wir wären so wenig nur, und ich antworte: nun fteilich, der Edlen.giebt es nicht viele.Manche sagen: Was denkt wohl das Völkchen Adia'! es strebt nach Ruhm, und ist doch so winzig und lebt ganz im Dunkeln. Doch was schadet, daß wir nur wenig find, wenn, wer bei uns Schutz gefunden, angesehen bleibt, während Gäste volkreicher Stämme verachtet werden. Wir bringen unsere Schützlinge auf einen unbezwingbaren Berg; wer zu ihm hinaufsieht, senkt bald wieder den müden Blick herab. Er schickt seine Wurzeln bis in die Tiefen der Erde, und die Wipfel seiner Bäume ragen bis zu den Sternen.Wir sind rein wie das Wasser der Wolken, unsere Klingen haben keine Scharten; kein Geiziger findet sich unter uns. Und ist einer unserer Helden gefallen, so steht wieder ein Anderer auf, der in Wort und That den Edlen folgt. Nie erlischt unser Feuer, ehe ein nächtlicher Wanderer bei uns einkehrt, niemals haben Reisende uns Böses nachgeredet . — Wenn du uns nicht kennst, so ftage nur nach uns und nach Andern, es wird dir nicht gleichgültig sein, ob du uns kennst oder nichtDaß Samuel nicht zu viel von sich gesagt, beweist schon der Umstand hinlänglich, daß der flüchtige Amrulkeis bei Niemandem seine Waffen so sehr in Sicherheit wußte, als bei ihm. Auch hatte er sich nicht getäuscht; denn als Hareth, der Gegner des Amrulkeis, den Sohn Samuels gefangen hatte, und als Lösegeld für ihn die hundert Panzer des Amrulkeis forderte, ließ Samuel lieber seinen eigenen Sohn vor seinen Augen niederhauen, als daß er die ihm anverttautrn Waffen herauögeliefert hätte. Samuel erzählt hierüber: »Ich habe die Panzer des Kindi treu bewahrt, und die Schmach von mir gewiesen, die mich sonst betroffen hätte; denn mein Vater hat mir einst gesagt: O Samuel', zerstöre nicht, was ich aufgebaut.« Auch hat der berühmte-Dichter Au scha diese Geschichte erwähnt, und durch folgende Verse verewigt: »Sei wie Samuel, der, als ein mächti-- ger Fürst aus ihn eindrangmit einem Heere, so dicht an einander gereiht wie.das Dunkel der Nacht, ohne langes Bedenken sagte: Morde deinen Gefangenen', ich werde meinen Schützling verthei- Dic Chronikdes Rabbi Josef. In England erscheint bekanntlich von dem gelehrten Bialloblotzky die berühmte Chronik des Rabbi Josef ins Englische übersetzt; so eben ist durch den Buchhandel der zweite Theil unter folgendem Titel bekannt geworden: Abs Chronicles of Rabbi Joseph Ben Joshua Meir, The sphardi. Translated from the Hebrew by C. H. Bialloblotzky. Vol. II. London, printed for the Oriental Translation Fund of Great Britain and Ireland, sold by A. J. Valpi M. A. Red Zion Court Fleet-Street 1836, 8. (526 S.). Dieser Theil umfaßt die ^Geschichte der wichtt'gsten Periode des sechszehnten Jahrhunderts, nämlich die Zeitgeschichte des Verfassers von 1517—1554, vorzüglich wichtig ist aber dieser Theil sür die jüdische Geschichte. — Neues Lericon und Grammatik zur Erlernung des Hebräischen. Wie in Deutschland das Wörterbuch *,Lire von Benseeb, so ist gegenwärtig gäng und gäbe in Italien folgendes Lericon: Coen, dizionario ebraico-italiano. 3 vol. 1830. 8. (Preis 5 Thlr.), welches das früher in Schulen gebrauchte: 'ptüb Voccabolario ebraico-italiano ed italianoebraice, di Rabbino Anania Coben, da Reggio. (Reggio, 1812) nun ganz verdrängt hat. Die Grammatik, welche jetzt das. größte Aussehen erregt, heißt: Prolegomeni ad una grammatica ragionata della lingua ebraica, di Samuel David Luzzatto, da Trieste, Professore di lingua ebraica e caldaica, sacra esegesi, teologia dogmatica e morale, e storia israelitica nel collegio rabbinico di Padova. Padova, 1836. 8. (234 8.). Es scheint, daß dieses Lehrbuch der hebräischen Sprache das bis jetzt in jüdischen Schulen gebrauchte: V7j?i7 slwp Grammatica della lingna ebraica, di Anania Cohen (Venezia, 1808) verdrängen werde, wie einst jene Grammatik die früher«: Grammatica ebrea del Rabbino Simone Calimani di Venezia (Venezia, 1751, Pisa, 1815); Grammatica ragionala ebraica ed italiana di Samuele Romanelli, da Mantova (Trieste, 1799) verdrängt hat.— Ibrahim Ibn-Sahal. Wie einst Ibn-Ad*ia zur Zeit Muhammevs in arabischer Sprache seine schönen jüdischen Lieder sang, so 600 Jahr später der in seiner Zeit hochgefeierte Ibn- Sahal. Geboren in Sevilla ließ er.sich später in Cordova nieder, wo er als Phllosoph, Astronom und Arzr die Freundschaft der Gelehrten genoß. Aber das Herz des arabischen wie des jüdischen Volkes gewann er erst durch sein arabisch geschriebenes Liederbuch der Liebe, welches er zu Cordova schrieb. Als einst Averroes, der Richter Cordova's, durch die Straßen ging, und auf dem Bazar den Koran mit einem Dukaten bezahlen sah, hingegen das Liederbuch ibn-8ahal's ohne allen Verzug mit zehn Dukaten, da verkündigte er der Stadt den Untergang. Dies berichtet Leo Afrikanus. — Lehrbücher für das Hebräische in Oestreich: 1) lesode ha-Laschon (jiDPN vJ*)ö'»), oder die Kunst, die hebräische Grammatik leicht und ohne Hülfe eines Lehrers (eingetheilt in drei Stunden) zu erlernen, von Salomo Pergamenter. Wien, 1832. 8. Zweite Auflage (die erste 1813). 2) Llvdv *13» , ein in Fragen und Antworten eingerichtetes Handbuch der hebräischen Sprache, von Mendel Stern. 3) ias» *7S0 Handbuch der hebräischen Sprache, mit Bezug auf die logischen Denkgesetze, von Mose Samuel Reumann. — (Fortsetzung folgt.) Redakteur: vr. L. Philippsov. — Verlag von Barmrgärlners Buchhandlung. — Drück von W. Haack.