Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 77 (28.9.1837)
- Date
- 1837-09-28
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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306 nicht zu. Der Herr macht die Himmel zittern, die Erde an ihrem Orte beben. Sie gleichen dem verscheuchten Rehe, den Schaft», die Niemand sammelt. Wer ergriffen wird, wird durchbohtt, wer erhascht wird, fällt durch's Schwert. Vor ihren Augen werden ihre Kinder erdrosselt, ihre Häuser geplündert und ihre Weiber geschändet. Wie dem Gemeinen, so geht's dem Priester, wie dem Knecht, so dem Herrn, wie der Magd, so ihrer Gebieterin, dem Gläubiger wie dem Schuldner.« So sprach der Herr einst durch Jesaia's Mund. — So liegen Hispanims Gemeinden von Osten und von Westen in den Gebirgen Cuenca's, in. den Gebirgen Cabrilla's. Don Isaak Abarbanel an ihrer Spitze; er fuhrt die Marannen den steilen Weg, ein König unter Gefangenen, aus dem Stamme Jsai's, aus dem Hause von Bethlehem; er speiset die Wittwen und Waisen, er laßt die Kranken tragen, die Alten stützen, er richtet die Gebeugten auf, er ttöstet die Klagenden, er leidet, er betet mit feinem Volkes Jetzt hat er seine Größe wieder erlangt, der Sprößling von Israels Königen, jetzt sein Erbtheil wiedcrgeftmden, das Erbtheil Juda's und Israels; in den Palästen von Madrid, Sevilla und Granada war er Sklave, jetzt ist er Herr. Seinem Gott hat' er die Habe verschrieben, seinen Sohn läßt er in Ketten zurück. So wandern sie und wandern im Namen des Herrn. Man verschloß ihnen die Städte; Timenes hatte es geboten, der Christ sollte dem Juden keine Herberge gebm, kein Brod reichen; sie lagerten unter des Himmels Zelten, sie küßten den Boden des Vaterlandes, das sie verstieß. Nicht wie einst auf deinen Zügen, Israel, trug der Priester heilige Schaar die Lade mit dm Tafeln des Bundes vor dir, aber der Engel lebt noch, der dich durch Wüstm juhrt, und du selbst bewahrest das Kleinod göttlicher Lehre. Catthagma nova öffnet feinen Hafen, Italien, Parthmope, Rom ist das Ziel. Leben dort keine fanatische Mönche, herrscht dort der Geist der Liebe? »Zeuch' zu den Chitäem, auch dott ist keine Ruh' für dich.« Leb wohl, Hispanim, Land, wo meine Vater rühm, wo die Myrthe immer grünet zum Palmzweig des Festes, wo die Fürstm meines Volkes lehrtm, — doch wie der Granate Feuer brmnt deine Sünde, wie der Opuntia-Feige Blut färbt sich dein Bodm, und der domige Güttel deiner Aloe ritzt des müden Wanderers Fuß. Der Westwind weht, der Schiffsherr läßt die Anker lichtm, brmnend roth geht die Sonne unter. Abarbanel liegt mit dem Gesichte zu Boden des Verdeckes und seine Lippen stammeln mitdem Propheten: Erhebe deine Stimme, mein Volk, jauchze, juble ob der Majestät des Herm, vom Meere her. Verehre Gott in den Höhlm, auf den Inseln des Meeres dm Namen des Herrn, ich aber sage: ich schwinde, Ich schwinde, wehe mir! SO. Die Kraft der Jugend hatte in Dinah gesiegt über Krankheit und Tod. Sie ging wieder dem Lebm mtgegm; ja, die erftischmde Meeresluft brachte bald die Rosen auf die Wangm zurück. Nur die Nähe des Geliebten erfüllte sie mit einer tiefm Wehmuth, denn sie hatte Trmnung, wenn auch nicht Vergessen beschlossen. Und ist der Kampf des Herzens schon schwer in dm'Tagen des Glückes, wie viel schwerer, wo du handelst auf dm Domenpfadm des Mißgeschickes. Wie ein schützmder Gmius umgab sie Alonzo, und be-. wachte das Zelt, wo sie sich mit der blindm Wittwe und dem altm Maurm, der sie durchaus nicht verlassm wollte, befand. Ec verschmähete es nicht, der edle Jüngling, unter den Verlassmm Israels zu stehm, ihr thränmvollcs Brod zu essen, und so wie sie den Hohn der Dränger zu'ertragen. »Dinah,« sprach er eines Morgens, »Israel in der Berberei hat Schiffe für uns geschickt, fühlst du dich stark genug, daß wir die Reise dorthin antreten?« »Ich fühle mich kräftig genug, zu reisen, Don Alonzo, aber nur ohne Euch verlasse ich Spanim. Unsere Wege gehm auseinander.« Diese Wotte wurdm von ihr in einem Tone gesprochen, der den Kampf ihres Jnnem verrieth. Ein Sttom von Thränm folgte ihnm nach. Alonzo stand in sich gekehtt da. »Edler Jüngling, cs ist Zeit, daß wir einm Entschluß . fassm. Ja, ich liebe Euch, ich liebe Euch mit aller Gluth der erstm Liebe, deren die Jungftau fähig ist. Aber mein Loos ist Entsagung, ich gehe in meines Volkes Elmd, Ihr habet eine höhere Bestimmung. Dimet dem spanischm Vaterlande mit der Kraft Eurer Jugmd, oder gehet nach Frankreich, Deutschland, und suchet des Ruhmes Lorbeer für Eure Stim. O gebet Euer Glück nicht für so niedem Preis, als die arme Jüdin ist, hin. Ich kann, ich darf die Eure nicht werdm. — Bei den Manen meines Vaters,« setzte sie hinzu, und ihr Blick wandte sich nach obm,. wie der-verklärte Blick eines Engels, »ich kann die Eure nicht werden.« »Dinah, Dinah, du hast mein Herz gebrochen.« »Nicht doch, Don Alonzo, sehet das schwache Mädchm, 'sie hat überwundm, glaubet es, es ist besser so. Und, edler Mann, Euer Freund, —- wo ist Jehudah Abarbanel? Für unsere Rettung wagte er das Aeußerste und schmachtet vielleicht im Kerker! Wo sind die Kinder Arama's? Ihr müßt sie auffuchm, Ihr müßt sie rettm. O wartete meiner nicht die Schmach, ich stünde nicht hier.« Alonzo fühlte dm Vorwurf. Der alte Maure, der nebm j ihr gestanden und sie weinm sah, sprach mit rührmdem Aus-