Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 77 (28.9.1837)
- Date
- 1837-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i. Z-hrg-mg. gern eine Ro. VV. Zeitung des Zudenthums. Ein unparthensches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concefstoa.) Leipzig, den 28. September 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. München, 12. Sept. (Privatmitth.) Freitag, den 8. d. M., verlor unsere Gemeinde eines der würdigsten ihrer Mitglieder, ihren ehemaligen Vorstand, Herrn Israel Hirsch Pappenheimer, bekannt durch Herausgabe des vr. Beer 'scheu israelitischen Gebetbuches. — Pappenheimer war einer jener Männer, die mit klarer, durchdringender Ein- ■ sicht und vielseitigen Kenntnissen festen Willen und eiserne Beharrlichkeit verbinden. Er kannte das Ziel, nach dem Israel streben, und zu dem es geführt werden sollte, und sein für die hiesige Gemeinde wirkungsreiches Leben brachte sie um' Vieles diesem Ziele naher. Ihn leitete bei seinen Handlungen keine Ehrbegierde und keine Ruhmsucht; in allen Stiftungen, die er gründete, hat keine auf einer Prunktafel seinen Namen aufzuweisen. Ihn leitete aber auch keine Nachahmungs - und Annaherungssucht an Einrichtungen, die unserer Religion ftemd sind; sein Herz war das eines Juden im strengsten Sinne des Wortes, er wol-lte dem Judenthume durch Judenthum aufhelfen. — Eine besondere Abtheilung für jüdische Kranke im städtischen Krankenhause entstand unter seiner Leitung und Mitwirkung. Den Leichenacker, auf dem er ruht, verdanken wir ihm.. Die Synagoge verdankt die Gemeinde seinem unermüderen Eifer allein. Er starb kinderlos; aber er hinterließ in jener eine -würdige Tochter in Israel. Er verschied in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag. Bei der Leichenfeier sprach der würdige Rabbiner, Herr Hirsch Aub, ergreifende Worte der Trauer, denen er den 3. Vers des 12. Cap. Daniels zu Grunde legte: »Die Vernünftigen werden strahlenwie der Glanz des Firmaments, diejenigen, welche Viele in der wahren Religion bestärkt haben, immer und ewiglich.« Er schilderte das Leben des Verewigten in seinem fünfundzwanzigjährigen Wirkungskreise als Cultusvorstand; zeigte, wie innig ihn die Gemeinde verehrte, daß sie ihn nach seinem freiwilligen Austritte von der Cultusverwaltung fast einstimmig zum Ausschußmirgliede erwählte, und er in diesem wieder zum Vorstand ernannt wurde; mahnte in kräftigen Worten die um den Sarg vereinigten Ausschußmitglieder, seinem rühmlichen Beispiele nachzuwandeln dankte endlich in einer herzlichen Anrede an den Verblichenen demselben für die persönliche Freundschaft, die er ihm gewidmet hatte, und für die Gerechtigkeitslicbe, mir welcher er ihn in seinem Amte als Seelcnhirt unterstützte. ^Dic leuchtet ein Drrigestirn vor,« sprach der gerührte Redner unter Anderm, »das ewiger dauert, als alle Monumente, die wir dir setzen werden!« Und wahrlich! er lebt unvergeßlich in Aller Herzen, die sein Thun und Streben zu würdigen wissen, die einfthcn, was cs geheißen hat, vor ungefähr drei Dezennien thätig und durchgreifend als Israelit auftutreten. Er lebte und starb geliebt; Liebe geleitete ihn in die Ruhestätte, die er sich bereitet hatte, Liebe führte ihn auch vor Gottes Thron, wo er die Palmenkrone der Vergelmng erhalten wird. Rom, 7. Sept. Die Gazetta di Venezia vom 21. Aug. und aus ihr die Pr. Staatszeitung, theilte mit: »Die Cholera setzt ihre Verheerungen fort. Der Pöbel wollte erst das Judenviertel (Ghetto) plündern, wendete sich aber nach dem Schatzamte, der Zahlmeister ließ Geld unter dieselben vertheilen.« Unter dem 26. Aug. meldet die Hannov. Ztg.: »Vor zwei Tagen geschah gegen das für die Juden eingerichtete Hospital ein lebhafter Angriff. Das Volk wollte es in Brand stecken, und wurde nicht eher ruhig, als bis das Militair anrückte und Feuer gab.« Altein alle nähere, direkte Nachrichten von Rom schweigen gänzlich hüervon. Im Gcgcnthcil versichern diese, daß außer der Entrinnung von 19 Galeerensklaven durchaus nichts Störendes vorgefallen sei. Es wird der Allg. Zeit, unter dem 2. Sept. berichtet: »Die öffentliche Ordnung ist nicht wesentlich verletzt worden, und selbst die 19 Galeerensklaven, die in voriger Woche die Wache entwaffnten und sich befteircn, scheinen noch keine bedeutenden Unternehmungen begonnen zu gaben u. s. f.« »Das Leben gehr seinen Gang so ungestört als möglich fort, und wer gegen Abend nach der Porta pia zugeht, würde unter dem Gerassel der Wagen, unter dem Glanz der geputzten Herren und Damen vergessen, daß die- Hauptstadt der Welt in Trauer liege.« Bei 1 e t r ifHI» Die Marannen. Novelle aus dery letzten Jahrzchend des fünfzehnten Jahrhunderts.* (Fortsetzung.) 29. »Horch! eine lärmende Stimme ' auf den Bergen,- wie die einer Menge Volks, ein Getümmel versammelter Völker aus Königreichen. Des Himmels Steme und ihre Bilder lassen ihnen ihr Licht nicht strahlen, dunkel ist die Sonne bei ihrem Aufgang, der Mond wirft ihnen seinen Glanz