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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-26 · Heft 76 (26.9.1837) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 76 (26.9.1837)
Date
1837-09-26
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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302 Politische «Lontroie. l Bei der vom K. Baierschen Staatsminister Fürsten von Oettingen-Wallerstein vorgebrachten Bemerkung, daß, als man an die baierschen Juden zur Bildung einer jüd. Obcrkirchenbehörde die Forderung von jährlichen 3000fl. gestellt, diese nicht zu finden waren —* muß man vor Allem, ehe man einen Schluß daraus ziehen will, fragen, wie und an wm die Umfrage gestellt worden ist? Warum ruft der Staat, wenn er eine solche Behörde für nothwendkg und entscheidend halt, sie nicht eigenmächtig in's Leben, wie in Baden mit so segensreichem Erfolge geschehen? — um so mehr, da er doch öfters viel Drückenderes als eine Auflage von jährl. Florin im Durchschnitte auf eine Familie (3000 fl. auf eiros 12,000 Familien) aufzulegen durch die Nothwendigkeit gezwungen ist? Will man daraus einm Vorwurf, eine Anklage für die baierschen Juden machen, will man darin eine von dem christlichen Volke abweichende Gesinnung finden, so erlaube man doch die Frage, ob man, wenn zur bonstituirung einer höhern Behörde, eines christlichen Consistoriums, die Frage an die christliche Masse gestellt würde, einer bejahenden, Geld bewilligenden Stimmung so gewiß ist? Mittheilungen Hamburg.*) Dem Fremdm erscheint die ärmere Klasse der hiesigen Juden sehr abgezeichnet durch ihren Jargon, in dessen Gebrauch sie sich hier, wie in allen großen Gemeinden, wenig genirm. Auch die mittleren und ein Theil der höheren Klassen haben indessen mehrere absondernde Gewohnheiten, die sie, als durchaus nicht zur Religion gehörig, füglich schon längst hätten fallen lassen dürfen, z. B. daß sie ihre jüdischen Dienstboten zu andern Zeiten (nämlich am 1. Jjar und Chesran) wechseln als die christlichm, daß sie am Sonnabend-Morgen in Häusern, wo Verlobungen, Hochzeiten, Kindbetten, Barmizwa u. dgl. vorgefallen, auffallend zahlreiche Visiten abstatten - daß sie die Rücktrittscautionen der Verlöbnisse in feierlicher Versammlung deponiren u. s. w. Wenn sie übrigens bei Vermahlungen mchr, bei Beerdigungm weniger Aufwand machen als dir Christen, so ist das fteilich sehr zu *) Diese Mittheilungen müssen als Fortsetzung des »Epilogs des Einsenders« zu dem Hamburger Aktenstück angesehen werden. Da sie von dem sehr geehrten Einsender nur immer abschnittweise eingesendet werden können, so werden wir sie einzeln unter obiger Rubrik geben. - D. Redact. entschuldigen, denn schwerlich dürfte Jemand in reifen Jahren zu überreden sein, das Geld sei besser unter der Erde, und der Wein besser bei Leichenfchmäufen angelegt, als bei Hoch-. Zeiten. Inzwischen werden alle diese Auszeichnungen im Vergleich gegen andere Gemeinden durch den einzigen Umstand reichlich neutralisitt, daß die Juden hier durchaus kein ihnen eigenthümlichcs Geschäft haben, und der christliche Einwohner niemals in den Fall kommt, sagen zu müssen: Ich muß mit irgend einer Angelegenheit zum Juden (geoerallter) gehen. Vielmehr finden selbst die Pfandleiher, sowie die Hausirer, Kleinhändler und Trödler durchgängig ihre' Collegen unter beiderlei Glaubensgenossen. Daß übrigens die zuletzt genannte Gewerbsklasse äußerst nützlich und achtungswetth sei, weil sie für einen sehr mäßigen Nutzen mit der einen Hand allen alten preisgegebenen Abfall zu Gelde macht, und mit der andern dem großm Publikum nie gewäumte Bequemlichkeiten und verändette Genüsse — d. h. ein höheres.Wohlleben — ins Haus bringt: dies ttotz dem eigennützigen Geschrei monopolistischer Krämer nicht zu erkennen, dazu hat Hamburg zu viel praktischen Sinn und — liegt auch zu nahe an England, wo man langst weiß, daß nicht die Consumenten dm Kramern, fondem diese jetten dienstbar sein sollen. In Hamburg ist bekanntlich die Arbeitsamkeit zu Haufe, und weder Reich noch Arm, weder Christ noch Jude ißt hier das Brod des Müßigganges. So zählt man denn auch unter einer jüdischm Bevölkerung von beiläufig 7500 Seelm in ungefähren Angabm 20 Aerzte, 40 Geistliche und Lehrer, 40 Künstler (als Schauspieler, Musiker und Maler), 300 Kaufleute und Detaillistm erstm und zweitm Ranges, 300 Handelsleute, Trödler und Hausirer, 70 beeidigte und unbeeidigte Makler, 10 größere und 20 kleinere Fabrikantm (in Hüten, Kattun, Seife, Tabak, Silberraffinerie, Eiftnguß, Knöpfen, Schirmm, Watten, Chokolade u. s. w.), 10 Buch-, Kunst- und größere antiquarische Handlungen. Femer an 100 Arbeiter und Sortirer in diverftn Fabrikm, 100 Cigarrenarbeiter, 60 eigmtliche Arbeitsleute und Lastträger, 10 Fleifchhändler, 30 Gemeinde- und Stiftungsbeamte, 40 öffentliche und SO heimliche Handwerker (letztere in zünftigm Gewerbm), 15 Gasiwitthe, Caffetiers und Restaurateurs, 2 Fuhrleute, 25 Lorteriecollecteurs und Colporteurs, 10 Pfandleiher u. s. w. und etwa 700 dienende Personen beiderlei Geschlechts. *) Mit dem allgemeinen Seehandel beschästigm sich nur sehr wmkge jüdische Handlungm; zu dem eigentlichm Bankiergeschäft bekmnm sich nur einige Hauser, weil es hier mehr unter allm Kaufleutm vertheilt ist, und mit dem hier wmig *) Man zählt auch ungefähr 300 getaufte Juden, von denen aber merkwürdigerweise außer einigen Juristen kein Einziger ein Geschäft betreibt, t>a$ ihm nicht auch als Jude offen stand. —

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