Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 76 (26.9.1837)
- Date
- 1837-09-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. pflügeHHitU N0. 76. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köoizl. Sächfiscber allergnädigsrer Covcession.) Leipzig, den 26. September 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Paris, 7. Sept. Hmte fand die Vertheilung der Preise an die Zöglinge der israelitischen Schulen im Stadthause, in dem Saale St. Jean, unter Vorsitz des Maire vom 6. Bezirk, welcher dazu vom Prafect des Seine - Departements bestimmt worden, Statt. Die Kinder, mehr als 300 an der Zahl, waren, wie in den vorhergehenden Jahren, durch die Großmuth des-Herrn v. Rothschild neu gekleidet. Nach den Preisen des Königs, der Königin und des Herzogs von Orleans vertheilte Herr Alleg re, Mitglied des Consistoriums, 11 Spackassenbüchelchen, jedes von 20 Fr., unter elf der verdientesten Schulkinder. Mit Vergnügen haben wir wahrgenommen, daß sich die Zahl der Zöglinge um mehr als ein Viertel seit dem letzten Jahre vermehrt hat. Diese Vermehrung spricht mehr zu Gunsten der Lehrer als alle Lobeserhebungen, die wir Herrn T re v es, Professor an der Knabenschule, machen könnten, sowie auch der Demoiselle Mayermaux, Vorsteherin der Mädchenschule, und Herrn Trefousse, Gesangslehrer an beiden Schulen.' (Courr. franc.) — 3. Sept. Der französische Consul zu Hayti, Herr Fr. Cerfbeer (israelitischer Religion) reist nach Hayti zurück, und hatte vor seinem Abgänge auf seinm Posten eine Audienz beim Könige, von dem er sehr chrenvoll ausgenommen wurde, da er in den jetzt verwickelten Verhältnissen zwischen Frankreich und Hayti sich als sehr tüchtig und gewandt erweist. ' - London, 6. Sept^ Die Königin Adelaide hat der Direction des jüdischen Waisenhauses in Leman- Street ihr Wohlgefallen zu erkmnen gegeben, und theilnehmend an dem schönen Gedeihen dieser Anstalt eine jährliche Unterstützung von 10 Pfund (70 Thlr.) ausgesetzt. München, 7. Sept. (Nachträgliches über die Kammervcrhandlung.) Dr. Willich äußerte sich unter Anderm folgendermaßen : »Die Kammer möge bei dieser Berathung auch einen Blick, - und zwar einen Blick der Theilnahme, des Mitleids, der christlichen Liebe werfen auf den Zustand derjenigen im Lande, welche zwar nicht unsere Glaubensgenossen, wohl aber doch unsere Mitmenschen, unsere Mitbürger seien. Als solche hättm sie gewiß einen Anspruch auf unsere Aufmerksamkeit. Sein Antrag sei nur die wörtliche Wiederholung desjenigen, welchen die Stände des Reichs 1831 selbst stellten. Die im Landtagsabschiede versprochene Rückfichtsnahme sei bis jetzt noch nicht erfolgt. Alle deutsche Regierungen beschäftigten sich, jetzt mit.der Verbesserung ihrer Gesetzgebung über die Israeliten, überall fei oder werde ihre Lage willig verbessert. In Kurhessen, in England, in Frankreich seien sie cmancipirt, in Letzterem vollstandiL, und zwar schon seit 1791. Ein Machtspruch Napoleons habe ihnen einen Theil der bür- ' gerlichen Rechte entzogen, die sie aber 1814 wieder erhielten. Ob dieses in Frankreich etwa üble Folgen gehabt? Der ftan;. Minister des Cultus, H. Merilhou, habe das Gegentheil in glänzender Weise bezeugt. Der Machrspruch Napoleons sei auch in allen ehemals französischen Provinzen außer Kraft gesetzt, nur im Rheinkreise besiehe er noch durch eine spatere Verordnung, obwohl er, dem rechtlichen Juden gegenüber, eine Ungerechtigkeit bilde, und von dem unrechtlichcn längst umgangen sei. Unsere Verfassung wolle Glaubensfteiheit, Gleichheit der Gesetze und vor dem Gesetze, — solle sie für die Juden, nie zur Wahrheit werden? solle sie immer für dieselben eine bittere Satyre bleiben? solle ewig nur Gleichheit in den Pflichten für die Juden bestehen, und nie Gleichheit in den Rechten? Sollen stets herabwürdigende Ausnahmegesetze jeden Juden als Betrüger bezeichnen? solle ewig der Zufall der Geburt dem Judm ein Brandmahl auf die Stirn drücken, insofern er treu der Religion seiner Väter bleibe?.... Fürchtet man, die 50,000 Juden Baierns würden die Herrschaft über die 4 Millionen Christen erlangen? Nein, eine andere Herrschaft werde eintreten: die des Gesetzes, der Humanität, der Gleichheit der Rechte, und diese Herrschaft, sie führe nie zur Feindseligkeit, sondern zur Annäherung, zur Verbrüderung aller der Kinder, die nur einen Vater hatten und anbeteten.« — Der Minister, Fürst von-O etr ingcu- Wallerstein, schloß seine Erwiederung folgendermaßen: »Wöllm die Bekenner der mosaischen Religion sich mit unfern Rechten amalgamiren, so müssm sie sich auch unfern Gefühlen und Sitten nähern. Eine Thatsache aber muß jeden Freund des Fortschrittes betrübm. Die erste Bedingung des Besserwerdens war offenbar die Errichtung einer eigenen kirchlichen Oberbehörde und eines Lehrstuhls der mosaischen Gottesgelahrtheit. Die Fonds der dritten Finanzperiode boten zu Spmden aus öffentlichen Mitteln das Erforderliche selbst dann nicht dar, wenn irgend ein Anlaß zu solchen Spenden hätte aufgeftmden werden wollen. Der Gesammtaufwand belief sich auf jährlich 3000 fl., und auf gestellte Umftage waren diese 3000 fl. bei allen Israeliten in Baicrn nicht zu finden. Ein Beweis, daß von beiden Seiten noch Schritte und Bereisung erforderlich sind.« —