Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 74 (23.9.1837)
- Date
- 1837-09-23
- Page
- Seite 295 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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295 allen andern Glaubensbekennern concurriren? Lassen nicht die ärmsten Eltern, die gar keinen Begriff von Studium tmd geistiger Bilinmg habm, ihre Kinder studiren? Lassen nicht überall die Eltern, die von früher Geburt an nichts als den Bündel getragen habm, und nichts anders kanntm als den Schacher, lassm sie nicht überall ihre Kinder in aller Ehrbarkeit zunftgemäße Handwerke lernm, wagm sie nicht alles daran, sie als Bürger und Handwerker dann anfäßig machm zu können?« »Oder versteht man die feine Lebmssitte, dm feinem gesellfchaftlichm Umgang? So wird Niemand in Abrede stellm könnm, daß darin noch Manches geändert werdm muß, aber auch wird es Niemand läugnm könnm, daß die Judm es andern wollm, und auch schon in vieler Hinsicht geändert habm? Und wmn nun diese Lebmssitte nicht schon ganz geregelt ist, soll dies ein Gmnd zur Verweigerung der bürgerlichm Rechte sein? Herrscht dmn in allen Klassen der christlichm Bürger ein so feiner, gesitteter und eleganter Ton? Oder will man von uns Judm, daß der Schmutz, dm die von dm Christm uns angewiesmm Gheta's uns angeeignet habm, durch einen Zauberschlag von uns hinweggewaschm fein soll? Wahrlich, Manheimer hat Recht, wmn er sagt: »Nun haben allerdings die Zeiten und die Mmschm sich geändert, und es ist vieles anders worden. Aber das Hmte ist von dem Gestcm nicht soweit ab, als es die Leute glauben, und an Mmschm, namentlich an ganzen Stämmm und Völkerschaften, wischt man die Spurm einer trübseligm Vergangenheit und ihrer Verwüstungm nicht so leicht und so geschwind wieder ab. Wer lange und anhaltmd «ine schwere Fessel ttägt, dem drückt und schneidet sie bis in die Knochm ein. Nehmet sie ihm ab, und er fühlet sie noch immer, und es währet noch eine Weile, bis daß er seiner Glieder wieder, mächtig ist, und sie mit freier, ungebundener Kraft zu rührm und zu bewegm sich getrauet.« — »Wie aber sollen wir unserer Glieder wieder mächtig zu werdm «ünschm, wenn uns die Hoffnung gmommm wird, sie je ftei gebrauchm zu dürfm? Die Anerkennung des fteudigm Thun's und des gutm Willens ist es allein, die dm Mmschm ermuthigt, auf der einmal betretmm Bahn muthig fortzugehm; sie verleihet ihm neue Kraft, wo die Ohnmacht und Schwäche ihn besallm will; sie belebt seinen Muth auf's Reue, wo. große Hindemisse ihm allen Much zu nehmm drohm. O, wir Baiem sind auch nicht hintangeblieben auf der Bahn der Cultur und sittlichm Bildung; wie soll es uns aber werdm, wenn man uns immer und überall, wo es sich um unser Wohl und Wehe handelt, vorwirft, wir warm tief damieder an Geistesbildung, -tief darnieder im Gefühl der sittlichm Würde?« »Hoffnung und Ehrliebe sind es, die den Menschen in jedem Thun und Treibm vorwärts bringm, die seine Schritte zum großm Ziele, das dem Individuum, wie der Mmschheit vorschwebt, beflügeln. Gebt ihr uns aber Hoffnung, wmn wir nur sehen, daß die Rechte, die'wir genossm habm, nur geschmälert, keine nmen uns dafür zugestandm werdm? Und könnm und dürfen wir mit dem, was wir habm, zufrieden sein, wenn man uns nicht mit Recht einmal den Vorwurf machen soll, daß uns der Wille fehle, Menschenwürde zu besitzen und Menschmrechte zu genießen? Und muß uns die dem Menschen eingepflanzte Ehrliebe nicht hinweiftn auf Europa's Westen, wo der Jude Mensch im wahrm Sinne des Wortes, Bürger des Staates in jeder Beziehung ist, und uns zuruftn: das ist mcr Ziel, an dem ihr erst ruhen dürfet?« »Und wmn wir an Antwerpens Veste das Blut der holländischm Judm fließm sehm, wenn wir sehm, wie ihr König sie schmückt mit scinm Orden, um das Zeichen der königl. Auftiedmheit ihnm zu gewahren, drängt sich uns nicht der Gedanke auf: Waren sie dies, als man sie emancipitte, oder hat die Emancipation sie erst dazu gemacht?« Literatur. Don der Erklärung der poetischen Bücher des A. T. von Ewald in Göttin gen ist der 4te Theil erschienen. In Rheinwald's Theol. Repert. XVIl, 3. wird Herrn Norks Leichtfertigkeit im Conjekturiren, seine geringe Kritik im Ciriren und Iugrundelcgen von Stellen Anderer und seine Hyperkritik in der Behandlung von Schriftstellern, seine Unwissenheit im Sanskrit, mit dem er um sich wirst u. s. w. gebührend belobt. Ein eben so schönes als wichtiges Werk über Jerusalem u. s. w. ist: F. Arundall — Illustrations of Jerusalem and mount Sinai. Consisting of 22 tinted "views, including the most interesting sites between grand Cairo and Beirout. With a descriptive account of his tour and residence in those countries. 4to London. .. Correfpondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Königsberg in Preußen. Berichtigung.) Der Artikel eines ungenannten Correspondcnten in Nr. 48 dieses Blattes hat hier den gerechtesten Unwillen erregt, und ich beeile mich daher, ihn nicht nur im Interesse der verletzten Wahrheit, sondern auch in dem des Briefstellers selbst zu berichten, der, nach seinem eigenen Geständnisse, dem Gegenstände nicht ganz gewachsen, nur Belebung des jüdischen Bolkssinns beabsichtigt. Und eben dieser unverkennbar gute Wille, der Dank, zu dem man sich für die Besprechung des Einheimischen in einer vielgelesenen Zeitschrift verpflichtet fühlt, und besonders die Bescheidenheit^ womit der Verfasser von sich "selbst redet, vermögen auch jenen Unwillen einigermaßen zu beschwichtigen, und gestatten um so mehr eine ru-