Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 74 (23.9.1837)
- Date
- 1837-09-23
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
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294 tcrnich bekannt geworden ist, und zu dem menschenfreundlichen Mvccke, dSK Ä JerüsirlekK wvhnmdm Europäern 'jüdischen und christliches GlaUbSts nüMich zu wechei^ seit Jahr und Tag Europa durchreist, und auch nach seiner HeiMüth gekommen ist/ erzählt unter Anderm: daß man die Hundertrausende, welche jährlich zur Unterstützung der Armen nach Jerusalem fließen, dort sehr ungleich und darum oft zwecklos vergeude. Er ist daher der Ansicht, man solle von Zeit zu Zeit durch einen zuverlässigen Mann aus Europa den Zustand der dortigen europäischen Bevölkerung untersuchen, und für eine zweckmäßigere VecrvÄidung jener milden Gaben Sorge, tragen lassen. Denn gerade die Bedürftigsten erhielten die geringsten Spenden, während Andere sich durch große Gaben bereicherten. Er bedauert daher mit Recht die großen Summen, die, ohne der Noth der wirklich Armen in Jerusalem, so weit es möglich sein würde, abzuhelfen, in andern Händen hängen bleiben, als in solchen, die im Schweiße des Angesichts ihr Brod verdienen müssen. Möchte doch die Stimme dieses redlichen Mannes Gehör finden unter seinen Glaubensgenossen nicht blos Europa's, sondern allenthalben, wo sich -Barmherzige finden, die an die traurige Lage ihrer Brüder im Oriente denken und ihnen ftomme Gaben der Liebe senden. Möchten selbst die Regierungen diescrBwichtigen Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit zuwenden, und dies um so mehr, als die aus ihren Ländern dorthin strömenden Gelder wie ein Tropfen' im Weltmeer spurlos verschwinden und unnütz vergeudet werden. Ein Freund des Rechts und der Wahrheit. Wotttische Lontrole. Ueber die baiersche Ständekammer. Die öffentlichen deutschen Blätter, selbst die Münchener Zeitungen (vom 31 August)- sprechen sich über die gegenwärtige Ständekammer Baiern's folgender Maßen aus: »Aus allen Theilm des Königreichs laufen wiederholte Aeußerungcn der Unzufriedenheit über die Abstimmungen unserer Landtags-Abgeordntten ein. Das Princip gediegener Schriftsteller: Sach-Reichthum und Wortkargheit, ist ihnen ganz unbekannt.« Wir entnehmen diese Wotte, um jedem Vorwurf der Verläumdung zu.entgehen, weil sie gerade vor uns liegt, der Magdeburger Zeitung No. 209, die sie aus Münchener Blättern giebt. Daß einer solchen Kammer die Lebensftage von 50,000 Menschen gleichgültig ist, und es erst ganz besonderer Anstrengungen eines talentvollen Redners bedarf, um die Aufmerksamkeit zu erregen, darf' nicht wundern. Freilich sind cs 50,000 Menschen, die keinen Abgeordneten in die Kammer senden, und keine Stimmen zu vergeben haben. — Aber auch der K. Staats-Minister spricht sich nicht blos gegm die Emancipation, sondern gegen die Juden überhaupt aus. Er sagt, die Juden müßten sich durch BerfthmÄzvng ihrer Sitten mit den Mfrigm -er EmancipatioN würdig machen. So bemerkt «r schließlich» baß alle Jsraelitm in Baiern zur Begründung einer kirchlichen Oberbehörde nicht einmal 3000 fl. zusammen gesteuert haben. Diese Worte müssen näher beleuchtet werden, und wir thun es füglich mit dm Wotten unseres Correspondenten, der sich folgendermaßen darüber ausspricht: »In dm öffmtlichm Blättern sind die letzten Worte des Staats-Ministers unterstrichen. Hierauf möchte ich nur erwiedern: Wie sie wissm, warm die letzten Kreissynodalverfammlungm fast einstimmig dahin übereingekommm, daß die Errichtung einer Oberkirchmbehörde zweckmäßig und an der Zeit fei. Da wir Judm in Baiem nun wohl wissm, daß wir die Kosten aller Institute, die wir errichtm, wagen müssm, so war natürlich mit der Annahme einer von der K. Regierung beanttagtm Kirchmbehörde auch zugleich die aus eignm Mitteln zu bestreitenden Unkosten derselbm übernommm wordm. Diese Resultate wurdm dem königl. Ministerium von dm Kreiscegierungm Übermacht; weitere Forderungen wurden seit diesen Uebersendungen an die Juden nicht gestellt; wie konntm also diefelbm 3000 fl. zur Errichtung einer Oberkirchmbchörde zusammensteuern oder nicht zusammensteuern? Was femerdie Verschmelzungder jüdischm Sittm mit dm christlichm betrifft, so habm wir Judm keinen klaren Begriff davon, was das k. Ministerium darunter versteht. Sollen wir vielleicht aufhörm, Judm zu sein, um durch Treulosigkeit an unserer Religion unsere Treue gegm dm Staat zu bcthätigen? Nein! da können wir Nur dm Staat bemitleiden, der uns nur dann seine zeitlichen, irdifchm Rechte zukommen lassen wollte, wmn wir das göttliche Recht der ewigm Wahrheit und des Glaubms aus dm Händm legm würdm; es giebt einm hekligern Staat, als die Staatm, die auf Erdm sind; es ist der große Staat Gottes; es giebt. einm heiligem Thron, als die heiligen Throne auf Erden sind; es ist der Thron der Majestät Gottes. Vor ihm sind wir Alle Kinder; vor ihm habm wir Alle gleiche Rechte; von ihm werden wir Alle, Christ wie Jude, gleich gerichtet, gleich geliebt und gleich geschützt; und lieber wollm wir vor der Mmschen Thron und vor der Mmschen Gericht verachtet und vecworfm werden, als von Gottes gnädigem Angesicht einst verstoßm und verbannt zu sein! Unser Glaube steht uns höher als irdisches Gut.« »Oder bezieht cs sich auf unsere Lebmsweise? Wer will läugnen, daß sich diese in dm letztm zwei Decmnim auf eine erstaunliche Weise gebessert habe? Wer will es in Abrede stellm, daß wit auch hier verhältnißmäßig mit