Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 74 (23.9.1837)
- Date
- 1837-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. f C jg £ ttt £ ttt £ R0. V4. Zeitung -es Zu-euthums. Ein unparcheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigsier Covcesiion.) Leipzig, den 23. September 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. München, 3. Sept. (Privatmitth.) So ist denn aberj mals eine Kammerdis cussion nutzlos vorübcrgegangen für die Sache der Juden, und sie hat mit abermaliger Demüthigung geendet. »Ich erhebe meine Augen zu den Höhen, von wannen mir Hülfe kommt.« Aber von den Höhen, von denen die andern Menschenkinder die Hülfe erwarten, und auf dmen sie das Heil des Menschengeschlechts beruhend glauben, für Israels Kinder kommt sie nicht von da. — Ich beeile mich. Ihnen einen Bericht über die am jüngsten Freitag, den 1. Sept. 1837, in unserer Ständekammer beantragte Judmemancipation zu übersenden. Nämlich bei Gelegenheit der in der Kammer der Abgeordneten vorgekommenen Beralhung über die Position jür den Cultus im Budget übergab der zweite Secretair, Abgeordn. Willich, einen Antrag folgenden wesentlichen Inhalts: »Es möge Se. Majestät allerunterthanigst gebeten werden, die Verhältnisse der Israeliten in Baiern genau untersuchen und daraufhin einen Emancipationsgesetzentwurf zu Gunsten derselben vorbereiten zu lassen.« Als der eben so menschensteundliche als feurige Redner seinm Antrag mit einem mündlichen Vortrag zu unterstützen begann, herrschte die größte Gleichgültigkeit gegen den zu Rede gebrachten Gegenstand in der Kammer, und nur dem unausgesetzten Eifer des humanen Antragstellers, der sich in seiner Rede durch diese Unaufmerksamkeit nicht stören ließ, gelang es endlich, Ruhe und Aufmerksamkeit in der Kammer hervorzurufen. Willich begründete seinen Antrag auf folgende Weise: Die Israeliten seien vermöge ihrer manchmal höchst traurigen Lage des christlichen Mitleids würdig, um so mehr in unserer aufgeklärten Zeit. Uebrigens sei sein Antrag durchaus nicht neu, sondern vielmehr, die wörtliche Wiederholung des Gesammtbeschlusses der Stands des Reichs vom Jahre 1831. Der damalige Ständeabschied habe auch dem Petitum durchaus günstige Versprechungen gemacht. Aber in der Thal sei für eine Emancipation der Judm noch nichts geleistet worden. Noch seufzen die Israeliten in Baiern unter dem Drucke ungerechter Ausnahmsgesetze. Ueberall in Deutschland sei ihre Lage erleichtert. In Hessen-Kassel seien sie emancipirt. Selbst in England sei ihre Emancipation nahe, in vieler Beziehung kräftig vorbereitet. - In Frankreich sei ihre Emancipation schon 1791 ausgesprochen worden. Ein Machtspruch Napoleons habe ihnen dieselbe wieder entzogen. Mit seinem Sturze fei sie den ftanzösischen Juden wieder gewährt worden, und nirgends, aber auch gar nirgends seien aus solcher Emancipation Nachthcile hervorgegangen. Ein berühmter Staatsmann habe diese Behauptung öffentlich begründet. Im Rheinkreise besiehe übrigens Napoleons Machtspruch noch fort; derselbe drücke die rechtlichen Juden, die unrechtlichen Juden aber kehren 'sich nicht daran, und wissen denselben zu umgehen. Unsere Verfassung fordere aber Gleichheit der Gesetze und vor dem Gesetze; oder bestehe diese Gleichheit vielleicht blos darin, daß die Juden mit uns Christen gleiche Pflichten haben sollen, nie und nimmermehr aber gleiche Reckte? Sollen für den rechtlichm Thril der Israeliten jene Äusnahmsgesetze fortbestehen und jeden edeln Keim schon in der Geburt ersticken? Besorgnisse, die Emancipation bringe Nachtheile, seien entwürdigend, feig; denn die in Baiern wohnenden 50,000 Juden werden, zur bürgerlichen Freiheit gelangt, doch wohl nichts gegen mehrere Millionen Christen zu unternehmen vermögen. Im Rheinkreisc seien aber allein schon 15,000 Israeliten. Uebrigens bezwecke der Antrag nur die Vorbereitung zur Emancipation, sei also jedenfalls humaner, versöhnender Natur; er sei nur eine Bitte, die die Stände des Reichs schon 1831 an den Thron gebracht hätten, und er erwarte darum auch zuversichtlich deren Annahme. — vr. Schwindel unterstützte den Antrag aus Gründen der Humanität. — v. Anns war aus Gründen der Inhumanität und Intoleranz, wie in jedem Jahre, so auch heuer gegen den Antrag. — Am Schlüsse der Discussion bemerkte jedoch der k. Staatsministcr des Innern, Fürst v. Oettingen-Wallcrstein, im Wesentlichen, daß die k. Regierung die Wünsche der Kammer von 1831 bereits berücksichtigt habe, daß demgemäß zwei Elaborate vorliegen, deren das Eine die bestehenden Gesetze und deren Anwendung speziell auf die Israeliten bezüglich, das andere Entwürfe zu künftigen Gesetzen enthalte. Es sei übrigens an den Israeliten selbst, durch Verschmelzung ihrer Sitten mit den unsrigen sich der Emancipation würdig zu machen. Schlüßlich bemcrkre er, daß alle Israeliten in Baiern zur Begründung einer kirchlichen Oberbehörde nicht einmal 3000 fl. zusammengcsteuert haben. — Der Antrag des Advokaten Willich wurde sodann nicht angenommen. (S. polit. Controle.) Meiningen, 5. Sept. (Eingesandt.) Unser bekannter Reisender und Landsmann, Herr Moses Sachs aus Jerusalem*), der Sr. Majestät dem Kaiser Ferdinand von Oestreich und Sr. Durchlaucht dem Fürsten von Met- *) Vgl. Ro. 6. und 37. dieser Zeitung.