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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-21 · Heft 73 (21.9.1837) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 73 (21.9.1837)
Date
1837-09-21
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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291 Auf dieser Bahn wollen wir es begleiten, theuere Leser. Nicht allein als bloße Beobachter, als Herolde dessen, was wir gesehen und erfahren an ihm, — sondern indem wir in die lebendigste Wechselwirkung mit ihm treten, indem wir ihm, und es uns angehört, werden wir versuchen, ihm in seinem großen, erhabenen Gange Erleichterung zu schaffen, Hindernisse aus dem Wege zu räumen, .und, wie ein wahrhafter Freund, in der Stunde der Gefahr und des Kampfes bei ihm zu sein, ihm beizustehen, besonders aber die Tropfen des Schweißes von der Stirn zu wischen, und sie als köstliche Reliquien großer Stunden auftubewahren. Unermüdet aber werden wir rufen: Kommet herbei, und seid Zeugen, denn das Licht ist langst angebrochen, und im Lichte des Tages stehen wir da, und das Licht ist unser Freund!! (Schluß folgt.) Politische Lantrole. Ueber das Circulair des Herrn Grafen von Chotek. Unterwerfen wir das Rundschreiben des Herrn v. Chotek einer genauern Kritik: so sehen wir, daß hier von der Emancipation als dem kräftigsten Mittel, die jüdischen Glaubensgenossen dem allgemeinen Leben zuzuwmdm und einzuverleiben, durchaus nicht die Rede sei, sondern nur als von einem Akte der Gnade, die bürgerlichen Rechte den ausgezeichneten Israeliten als Belohnung zu ertheilm, die sich durch besondere Verdienste derselben würdig gemacht, so daß die Emancipation zn einem oräre 6e merite für die Juden wird. Abgesehen von der schönen Humanität des Abfassers, von der Anerkennung, die er den Besseren gern ettheilt, und die. wir mit der innigsten Dankbarkeit und Verehrung für seine Person annehmen .— so möchten wir doch folgende Fragen aufstellm: 1) Welches soll der Maßstab für diese Verdienste sein, die das Anrecht auf die Emancipation den Individuen geben soll? 2) Werden nicht Wenige blos dieser Wohlthat sich theilhaftig machen können, da nur Wenige sich dergleichen ausgezeichnete Verdienste werden erwerben können, weil ») die Wege dazu bei noch nicht ertheilter Emancipation sehr beschränkt sind, und b) zu diesen ein bedeutendes Maß von äußeren Glücksgütern gehört? 3) Wird nicht ein jeder Israelit, der als rechtlicher Bürger lebt, ein ehrliches Gewerbe ehrlich betreibt, sich keiner Polizeicontravention schuldig macht, überhaupt sich nichts zu Schulden kommen läßt, Anrecht darauf haben? 4) Würde sonst nicht die Emancipation ein Monopol des Reichrhums, der schon genug in der jetzigen Socialität begünstigt ist, werden, und das Gefühl der Entbehrung und der Unzulänglichkeit seiner Mittel in dem Aermem dadurch desto bitterer und drückender werden? 5) Wer soll Richter oder Berichter über die erworbenen Verdienste der Individuen und ihre Würdigkeit sein, und kann da Partheilichkeit, und Alles, was deren Folge ist, umgangen werden? Ueber alle diese Punkte läßt sich das Rundschreiben nicht aus, aber wir konntm sie, da der H. v. Chotek Gutachten einfordert, auch wohl als unsere Meinung und Ansicht zu erkennen geben. Wir glauben darin Schwierigkeiten zu erblicken, die sich der praktischen Ausführung entgegenstellen würden, daß die Erfolge sehr ftaglich sein könnten. — Bei der Emancipation können zwei Wege allerdings eingeführt werden: der eine ist der Frankreichs, Hollands, Hessens, eine vollständige Emancipation mit einem Male ausgesprochen, der andere ist der seit einiger Zeit so sehr beliebte, die vollständige Emancipation vorzubereiten durch allmälige Aufhebung der einzelnen Beschränkungen. Wir wollen, da an den Ersteren doch nicht zu denken, davon schweigen, obgleich wir die Bemerkung nicht' unterdrücken wollen, daß die, welche jeden sogenannten »Sprung« vermeiden wollen, nicht daran dmken, daß die Zeit oft längst ssr sich vorbereitet hat, was die Herren erst vorbereitm wollen, so daß an »Sprünge« gar nicht zu dmken ist. Will man aber einmal vorbereiten — ist cs da angemessmer, Einzelnm etwas Ausgezeichnttes und Vollständiges gleichsam zur Probe angedeihm, dagegm die ganze Masse in den altm Fesseln zu lassm? Oder vielmehr einzelne Beschränkungm allmälig von der Masse zu nehmen? Herr v. Chotek bezeichnet die Antwort selbst, indem er anfühtt, daß jede bisherige Aufhebung einer einzelnm Beschränkung dm bestm Erfolg hatte, und besonders in Rußland die Zulassung zu dm verschiedmm Bürgerklassm die glücklichste Wirkung gehabt. — Welches ist das Verdienst Einzelner gegen die Bedrückung der großm Masse gmommm, um Befteiung zu verdimen? Werdm nicht Tausende auftauchen, die sich gleich würdig zeigen, wenn cs ihnm gestattet ist, sich so zu präsmtirm? — »Die größten Heldenthaten, sagt Jean Paul, geschehen zwischen dm vier Pfählm.« Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Hannover.) Schon seit längerer Irrt erwartete ich, unter den mannigfachen Berichten über Kirch- und Schulwesen in Ihrem auch vier sehr geschätzten Blatte, einige Notizen in dieser Beziehung auch aus unierm Königreiche zu sehen; da

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