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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-05-29 · Heft 64 (29.5.1838) · p. Seite 259

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 64 (29.5.1838)
Date
1838-05-29
Page
Seite 259 (sequence 3)
Language
German
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259 die Volks- und Staatsinteressen drängten alles Andere zurück, geistige Bestrebungen fanden nur Ln dem Spiele dieser ihre Wirksamkeiten, und man möchte esffür ein Symbol annehmen, wenn dem bedeutendsten römischen Redner und erstem wissenschaftlichen Kopfe Arm und Zunge von einem politischen Partheigänger abgelöst werden. Wir können daher die Principien dieser drei alten Welten mit bestimmten Worten bezeichnen: in der israelitischen die Erkenntniß, in der hellenischen die Schönheit, in der römischen die Ehre. Bezeichnend und beweisend ist es, daß der Römer eben dem lobenswerthesten Manne die Ehrenhaftigkeit zuschreibt (honestas von honor), der Grieche hit xakoxayu&iu (Schönheit und Güte verbunden? d. h. die harmonische Darstellung des Innern wie Aeußern), der Hebräer sagt cn&n Gen. 6,1.17,1. besonders Sh üv d-ed Deut. 18, 13. Ps. 18, 24 dgl. Werfen wir nun einen Blick Ln die eigenthümliche Welt, die jedes dieser Völker sich aufgebaut. Israel'construirte sich zuerst eine der höhern Welt untergebaute irdische. — Gott als Vorsehung, als Richter, als gestaltlose unendliche Heiligkeit, der Mensch als sündhaft, aber nach Reinheit strebend, ringend darnach, heilig zu werden. Jener die Schuld wahrnehmend, aber versöhnend, dieser die Schuld sühnend, um ihrer bar zu werden. Darum die irdische Welt als vergänglich, als eitel in sich, aber als Mittel, als Durchgang zur höhern erkannt. Die Körperlichkeit theils als ursächliches Moment der Mangelhaftigkeit, theils als verschwindendes, also nicht integrirendes Element des Menschenseins (schon Gen. 3, 19.) Darum alles Menschenwerk nur dem Lnnern, moralischen Gehalte nach einen Werth habend, sonst als Schöpfung des Augenblicks verächtlich, oder doch gleichgültig (Koheleth.). Wie verschieden von dieser steht die hellenische Welt da. Wie das, göttliche Element , ihnen in idealischer menschlicher Gestalt entgegen trat und an der menschlichen Leidenschaft wie am menschlichen Genuß Theit nahm: so galt eben hier nur die sichtliche und sinnliche Welt, die den Menschen in höchster und sinnlicher Harmonie umfing. Man kann nicht sagen, daß bei den Hellenen der Mensch vergöttlicht, eben so wenig Gott vermenschlicht ward, sondern Alles war ihm Mensch, und der Mensch Alles. Anstatt daß dem Israeliten der Körper nur die Hülle des Geistes, die Brust das Obdach des Herzens war, erschien den Hellenen der Geist nur als das Körperliche umfließend und umspinnend, und zur Verfeinerung und Vergeistigung des körperlichen Daseins da. Daher war die Wett des Hellenen eine rein menschliche, aber geschlossen und abgerundet mit dem Menschen; was er ja noch von einem jenseitigen Leben träumte, geschah ihm Alles unter der Erde, in dem dunkeln Reiche des Pluto. Die römische Welt war die ganz materielle des Staats und der Verfassung. Sei es nach innen, das Spiel der Partheien, das nicht selten zur Jntrigue ward, die Entwikkelung-des Rechts und Gesetzes; sei es nach außen, Krieg und Provinz, hierin bewegte sich das'Streben und Wirken des Römers, alles Andere war dem bei- und untergeordnet. Bei ihm war. es, wo selbst die Mythologie ein staatliches System annahm, und man fast einen Göttercodex entwarf, und in dem berühmten Quos ego des Neptun (Virgil) liegen alle Reibungen der Consuln und Tribunen. Der Römer war es, der zuerst auch den Bildern der Ahnen, die auf der sella currulis gesessen, (imagines), einen Werth beilegte, und nach ihrem Besitze den vir nobilis und novus unterschied. Indem wir nun versprechen, zur weitern Charakteristik in den nächsten Skizzen immer mehr ins Detail eknzugehen, wollen wir hier nur als bezeichnend die Art hervorheben, wie die drei Völker den Begriff der Offenbarung, das heißt einer unmittelbaren Mittheilung der Gottheit an die Menschen, verschiedentlich gefaßt haben. Die Griechen gingen wahrhaft Liederlich damit um, denn ihre Orakel, die bis ins dritte Jahrhundert vor der gew. Zeitrechnung sich hörbar machen, sind ein kindisches Spiel, das jeder Vernünftige verlachen mußte, und von dem Charakter einer modernen Kartenschlägerin kaum unterschieden ist. Des Umgangs der Götter mit den Menschen, wie ihn die Dichtkunst darstellt, brauchen wir nur. zu gedenken, der moralische Werth und die Intelligenz ist dabei stets auf Seiten der Menschen. Bei den Römern nahm es eine ernstere Seite an; der König Numa erhielt von der Nymphe Egeria die Verfassungsgesetze, alle Schicksale des Staats waren Ln den sybil linischen Büchern angedeutet, die Bezeichnung aus den Opferthieren, Vögelzug rc. waren ehrwürdigen *) Priestern überantwortet und von vieler Bedeutung für die Masse. Aber welch wahrer Himmel eröffnet sich, welche wahre Göttlichkeit tritt uns entgegen, wenn wir die Offenbarung bei den Hebräern betrachten. So wie die Nation blos der Offenbarung wegen da ist, so schließt diese auch alle göttliche und menschliche Existenz in sich ein, und ist die Abendröthe des menschlichen, und die Morgenröthe des göttlichen Daseins. •) Ehrwürdig wenigstens im Aeußern, wenn sie auch, nach dem bekannten Spruche, sich nicht begegnen konnten, ohne zu lachen.

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