Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 64 (29.5.1838)
- Date
- 1838-05-29
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
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leistet, ist der einzige Vorwurf, den wir Hrn. B. machen und wünschen, er möchte sich dadurch angeregt fühlen, auch diesen baldmöglichst aufs glänzendst« ju widerlegen. Uebrigens fordert der Korrespondent alle predigende Rabbiner heraus, warum sie nicht das Frühstück vor dem Sabbatgottesdienste erlaubt hatten; wir erklären ihm hiemit, sollte er ja einmal in seiner Andacht durch das Bedürfniß des Magens gestört werden, so kann er mit gutem Gewissen vor dem Gebete etwas genießen', unter Verantwortlichkeit des Schulchan Aruch Orach Chajim 89.4 und des Magen Abraham, so wie vieler anderer Casuisten. Uebrigens hat sich dis Gesellschaft für Vorlesungen über den Kusri bereits wieder aufgelöst. So sehr mich auch der totale Aufsatz des Correspondenten interesstrt hat, so konnte ich dennoch nicht unterlassen, meine Meinung ihm kund zu thun. F. Israel, Hellas und Rom. Vergleichende Skizzen. II. Stellen wir uns zuvor den Ursprung dieser drei Völker neben einander. Man weiß wohl, von welchem entscheidenden Einfluß dieses Moment in der Geschichte der Nationen ist. Israels Ursprung beruht in der Familie. Wir kennen den Stammvater, mit dem die große Kette begann, die Stammhäupter, die Stamme; die Stammgenossenschaft blieb das wesentliche Element der äußeren Existenz Israels» Hellas ist aus einerSammlung von Kolonien, egyptischer, phönicischer, kleinasiatischer und thraoischer Abkunft, ja aus mehren Volksschichten, wenn ich so sagen darf, hervorgegangen; denn wenn man auchPelasger und Hellenen nur als verschiedene Brldungsepochen annimmt, muffen sich diese letzteren doch an gewisse Stamme, denen das Uebergewicht blieb, gelehnt haben. Kümmerlich führte eine spater fingirte Genealogie auf einen gemeinschaftlichen Ursprung: die charakteristisch unterschiedlichen Stamme bikdeteten nie ein Ganzes. Rom verdankt sein Entstehen einer zusammengerafften Horde, der es um ein gemeinschaftliches Asyl und eine immer wachsende und ausgedehntere materielle Kraftäußerung zu thun war. — Sehen wir nicht hierin schon den gesammten Lebensgang dieser Völker ^vorgezeichnet? — Betrachten wir hierzu den Schauplatzort, wo sie auftraten. Israelin einem so bestimmt umgrenzten Gau, daß sich die Bezirksmarken schon von selbst ergaben. Ringsum bedeutendes Gebirge, selbst die Meerseite so felsig, daß höchstens ein Hafen die Verbindung mit der Welt gestattete. Die Landschaft selbst halb Höhe, halb Thaler; ein das Land der ganzen Lange nach durchstrvmender Fluß, der im Lande entspringt und mündet, mit jährlichem Austritt; der Boden, theils zum Ackerbau, theils zur Viehzucht geeignet; alle Bedürfnisse des Lebens darbketend, sich selbst genügend; ein wechselloses Klima, eine bestimmte Temperatur, sichere atmosphärische Verhältnisse. Hellas dagegen theils auf eine Halbinsel, theils aus Inseln, theils auf einen Küstenstrich versetzt; diese Halbinsel aller Orten 'mit Einschnitten des Meeres und Landzungen versehen; also aller Welt zugänglich; Mittelpunkt zwischen Asien, Europa und Afrika, eigentliche Uebergangsstation der Kultur von Ost nach West, fruchtbar, aber eher anregend und Bedürfniß erweckend, als befriedigend; überall Bäche und Flüßchen, Höhe und Niederung, der heiterste Himmel, eine von Seewinden gekühlte Temperatur. Rom, die Hügetstadt,,um sich die Campagna, so von selbst eingeladen hinunter zu steigen und in Besitz zu nehmen und immer weiter zu schreiten,, ohne den Focus seiner Macht, das festhaltende und festzuhaltende Centrum, das Herz mit dem Putsschlage, Rom selbst zu vergessen, die ganze Welt wurde zur Ebene, die Siebenhügel zur alleinigen Höhe; Rom hatte nichts eher, als bis es dasselbe brauchte; als es zum Meere kam, bekam es Schiffe; Rom brauchte aber, und darum mußte es haben; es konnte weder von sich noch von der Landschaft zehren, Rom mußte Sicilien und Egypten haben, um diese zu bekommen, mußte es erst vieles Andere haben, und da es dies hatte brauchte es immer mehr, ja Alles; Roms Stellung mußte zu aller Zeit sein: Entweder Alles oder Nichts! Dieser Ursprung und dieser Schauplatz der drei Völker steht denn auch mit dem Charakter derselben in vollständiger Uebereinstimmung. Israel hat die Innerlichkeit des Lebens, Hellas die Aeußerlichkeit des Lebens, Rom^das materielle Leben erfaßt und producirt. Alle Saiten des menschlichen Herzens, alle subjective Bezüge und Verhältnisse des Menschen werden im israelitischen Leben ans Licht gezogen, und sibrirm in dieser Literatur nach ihrer Unbegrenztheit. Vor allem wird da der innere Mensch vor dem äußeren hervorgehoben, und jener in ein weit getrenntes, hoch übergeordnetes Verhältniß gegen diesen gestellt, ja das höchste Streben, das Zdeal des Menschen in eine reine Geistigkeit gesetzt. Anders im Hellenischen. Da wird der Mensch gefaßt, wie er in der Erscheinung uns entgegen tritt. Als ein Ganzes, dessen einzelne Theile in harwonisä)em Verhältniß stehen und ausgebildet werden sollen; das zu fassen, wir zuerst seine sichtliche Gestaltung aufnehmen müssen, dessen Zdeal daher in der vollendeten Körperlichkeit darzustellm ist. Zn Rorn war und wollte Alles nur Macht, das öffentliche Leben,