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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-05-29 · Heft 64 (29.5.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 64 (29.5.1838)
Date
1838-05-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ii. z-hM.g. Allgemeine N». «4. Zeitung -es Zudenthums. Ei« unpartheiischeS Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königs. Sächsischer allergna'digster Conccssion.) Leipzig, den 29. Mai 1838. Zeitungsnachrichten. Sonders hausen, 20. Mai. Den Bewerbern um; die hier na kante Stelle (S. No. 30. im Anzeiger) diene zur Nachricht, daß der Herr Hei den heim durch ausdrücklichen Wunsch der hohen Staatsbehörde aus der Gemeinde sich bewogen gefunden, vorläufig wieder hier zu bleiben, und seine bisherigen Funktionen wieder zu versehen. Paris, 14. Mai. In den Synagogen Atgier's wurde am Namenstage des Königs Ludwig Philipp ein sehr feierlicher Gottesdienst gehalten. — Von der französischen Bibelübersetzung nebst 'Text und Commentar des Herrn Eahen ist der 9. Theit, Jesaias, erschienen. Hamburg, 22. April. (Eingesandt). In No. 47. d. I. erlaubt sich der Schreiber der Hamburger religiösen Zustande über Hern. Bernays in einem Tone zu sprechen, den man unmöglich billigen kann. Schon an sich verdient der Mann, der vermöge seiner ihm inwohnenden Bescheidenheit nicht gern von sich viel sprechen hören mag, die zarteste Schonung. ' Die in kleinen abgebrochenen Sätzen vorausgeschickten Beschuldigungen fallen zu sehr in die Augen, als daß man nicht sogleich auch die bittere Ironie wahrnehmen sollte, welche die darauffolgenden großsatzigen, mit rednerischem Schmucke überfirnißten Vertheidigungen in sich enthalten und nick>t gut verbergen können.- Nicht will ich die Anklagen beschönigen oder gar nicht erwähnt sehen; im Gegentheil alles soll und muß öffentlich besprochen werden, da wir glücklicherweise ein zu diesem Zwecke sehr geeignetes Organ Ln der Zeitung des Judenthums besitzen. Sind wir einmal zu einem höheren Bewußtsein unserer selbst erwacht, so wollen wir auch unsere Vormunde kennen, ihre Vollmacht in Augenschein nehmen und Rechnung haben über ihre mehrjährige Verwaltung unseres Eigenthums. Ueber- Haupt war im Judenthume das Rabbineramt nie etwas i schlechthin Jnfallibles, die größten Männer unseres Alterj thums unterlagen oft dem Richterspruche kontrolirender Ge-! meinden. Pflicht ist es, die Fähigkeiten eines geistlichen j Vorstehers der Gemeinde zu prüfen, streng nachzusehen, wie! er die Macht seines Amtes handhabt und den gerechten Bei-; fall oder Tadel offen, ohne Scheu mit geziemendem Anstand zu sagen; ihn Lronisiren, unter der Hülle sogenannter Ver-! theidigung bitter verlachen, ist ungerecht. Ich gehöre freilich! zu der großen Menge derer, die Hrn. Bernays schätzen und 1 achten, nichts destoweniger gestehe ich ein, daß ihn mancher gegründete Vorwurf trifft, nicht aber die, welche hier aufgezahlt werden, noch weniger hat er die Ironie verdient, mir welcher er hier besprochen wird. Kann man es für etwas anderes als Ironie nehmen, wenn gesagt wird, daß gerade seine Unthatigkeit ein Zeugniß gibt von seinem ungeheuer großen Muche, der erfordert wird, um in dieser Zeit einen eigenen Weg zu gehen und fortzusetzen? Gibt es denn etwas Leichteres in der Welt, als nichts thun und alles beim Alten bewenden zu lassen, wie es der größte Theil des Volkes verlangt? Hört man nicht täglich zeterschreien, wenn irgend ein Rabbiner sich erlaubt, die kleinste Abänderung vorzunehmen, und kostet es ihm nicht Mühe und Selbstverlaugnung, die geringste Reform durchzusetzen? Der Corresponde,nt sagt, Herr Bernays habe es gewagt, die Kette der Pseudosemicha zu unterbrechen, wie meint er das? Man weiß es sehr gut, daß wenn B. von keinem Rabbinen Zcugniße über seine Befähigung zum Amte bekommen, darum die in allen Gemeinden seit Alters her in großen Ehren stehende Semicha noch nicht Pseudosemicha, vielweniger unterbrochen worden. Ueberdies hat Hr. B. nicht durch etwaige talmudische Werke der Welt gezeigt, daß er der Semicha mit Recht enthoben sei. Oder liegt nicht Ironie in den Worten: er habe es gewagt auf die rabbinischen und Fcrcultats-Grade zu verzichten? Unsers Wissens hat keine Universität ihm ein Diplom zugefchickt und er es aus Bescheidenheit ausgeschlagen; er unterzog sich nur nicht einem Examen und dazu bedarf es wahrlich keines riesenhaften Muthes. Endlich möge der Correspondent sich erklären, was er damit meint: „Entsteht einmal aus der B'schen Schule eine Reform, so wird es vielleicht eine wahrhafte, nicht eine, die blos Leichen frisirt." Welcher wahrhaften Reform thut es denn im Judenthume Noch? Handelt es sich denn hier mehr als um blose Synagogenordnung und Cultusverschönerung? Wird etwa die Reform des Hrn. Bernays das Judenthum von Grund aus umkehren und ein ganz neues nach seinem Geschmacke gründen? — Wahrhaftig solcher Vorwurf trifft Hr. B. nicht. Das Wort Reform ist so zum Tagesgeschwatz geworden, daß selbst ein gewisser Nachman Krochmal aus Brody in No. 22 d. I. einen More Nebuchim unserer Zeit ankündigt, als wäre auch der dustigfrische More Nebuchim des Maimuni schon veraltet und einer Reform bedürftig! Es wäre doch schon einmal an der Zeit, dieses sehr unpassende, nur aus Nachahmungssucht hereingebrachte Wort aus dem Judenthume zu verbannen. Anstatt dessen wollen wir Wissenschaft suppliren, denn nur die Wissenschaft führt zum Heile und alles socielle und geistig Gute, dessen wir genießen, verdanken wir nur der Wissenschaft. Daß er hierin nichts

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