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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-16 · Heft 71 (16.9.1837) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 71 (16.9.1837)
Date
1837-09-16
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
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283 Armenarzt erwählt zu werden. In dem edlen, geistvollen ' und einflußreichen Kreise von Reimarus, Sieveking, Schönborn, Poel, Perthes u. s.w. wurde er höchlich geschätzt-und gesucht. Hierin allein schon ist das ganze Vcrhältniß Veits in Hamburg für den ausgedrückr, der das Haus Sieveking in seiner Blüthe gekannt hat, wo die großartigste Weltverbindung und Gastfreundschaft vorzüglich dem geistigen Leben mit schönem Sinn gewidmet war. Hier lernte Veit auch Friedr. Heinr. Iacoby näher kennm, der ihn sehr lieb gewann und ungemein achtete. Von mehrem Seiten aufgefordert, hielt Veit vor gewählten Zuhörern Vorlesungen über Anthropologie die er mehrere Jahre wiederholen mußte. Einzelne Aufsätze, meist augenblicklichen Eindrücken oder Zwecken angehörig, tiefe Gedankenreihen bisweilen, aber auch wohl einmal scharfgeistige Theaterkritik, gab er, wie einst Justus Möser, anfpruchlos den Tagesblättern hin, wo sich die meisten namenlos verlieren mußten. Es waren oft Meisterstücke darunter. Bei dem Doctorjubiläum des trefflichen Johann Albert Heinr. Reimarus lieferte er eine -eigne Schrift zu Ehren des herrlichen Greises, dessen Verdienste er schön und würdig dargestellt hat. In - spätem Jahrm mußte die literarische Thätigkeit der zunehmenden ärztlichen weichm, sie wurde von dieser mdlich ganz erstickt. Während der- Herrschaft der Französin in Hamburg wurde Veit, als der ftanzösischm Sprache vollkommen Meister, mit neuen Obliegenheiten beschwert. In den harten Bedrängnissen feiner Mitbürger hielt er muthig aus; sein eifriger Besuch der französischen Krankenhäuser wahrend der..russischen Belagerung brachte ihm dm ftühzeitigm Tod. Durch ein bösartiges Fieber angesteckt, wurde er in seinem Besuche dahingerafft. In dm gegebmm Verhälwissm hat Veit nie vollkommm zeigm könnm, was er innerlich war, und was ihm zu leistm möglich gewesin wäre. Um dies zu ermessm, muß man sich ihn an eine Universität versitzt vorstellm, als mündlichen Lehrer, als wissmschastlichm Forscher und Darsteller, inmittm aller Anreizung und Freiheit zu schriftlichen Arbeitm. Er würde, davon sind Alle überzmgt, die ihn gekannt habm, in solcher Laufbahn bald dm Ecstm und Berühmtestm beizuzählen gewesin sein. Literarisch würde er in jedem Fache geglänzt haben. Es'kann nicht gesagt werden, daß er seinm Bemf versäumt habe, sein Werth bestand für ihn und .Andere in vollem Dasein, aber die Ausbreitung seines Verdimstes vor der Welt, die Rückwirkung solchm Erfolgs auf ihn selbst, diese bleiben versagt. Veit war ein Mmsch, der seine Anlagen vollständig entwickelt, sie bis zur höchsten Reife ausgebildet hatte, nach allm Seitm, wohin eine innere Möglichkeit es zuließ. Daß er ein höchst ausgezeichneter Arzt war, gehörte in den Kreis dieser Bildung, erschöpfte ihn aber keinesweges. Sein philosophisches Dmkm war kein metaphysisches, schlug aber wie lodemde Flamme sich um jeden dargebvtenen Gegmstand und verzehrte das Unhaltbare daran. Er hatte weiten Ueberblick für große Gesammthxitm, und bemerkte dabei scharf auch das Kleinste. Sein klarer, fester Verstand war von lebhafter Einbildungskraft begleitet; für Poesie war sein Sinn höchst empfänglich. Gmeigt und willig, sich einnehmen zu laffm, staunend aufzumerken, zu bewundem, ließ er sich doch niemals hinreißm, sondem hielt sich prüfmde Besonnenheit und unbestechliches Urtheil ftei. Seine umfassenden wisscnschaft- - lichm Kenntnisse warm in ihm kein todter Vorrath, sondem zu dem regstm Verkehr belebt. Ec schrieb vortrefflich, in der Weise der wmigm aber besim unserer Schriftsteller, bei welchm, nach Lessings und Mmdelsohns Vorbild, ein Heller Verstand andere Gabm nicht ausschließt, aber führt. Ausgezeichneter noch war sein mündlicher Vortrag, lehrmd, erzählend, gesprächsweise, immer lichtvoll, sachgemäß, leicht hinstreifmd und gründlich ekndringmd, wie es der Augenblick forderte. Was aber diese schönm Gabm als. gemeinsames Band durchschlang und sie zur eigmthümlichstm Erscheinung erhob, das habm wir als angebornen Humor zu bezeichnm, als eine tief in seinem Wesen wurzelnde Laune des Witzes, des Scherzes, die in seinem Darstellungs- und Nachahmungstalent als possmhafter Muthwille ausbrechm konnte, in seinen strmgm Gedankmfolgm und Geistesübungm als heitere Ironie -mitging. Was er schrieb und sprach, sein Auftreten, sein geselliger Verkehr, sein ärztliches Handeln, der Ausdruck seiner Empfindung, alles gchörte dieser gemeinsamm Quelle an. Literatur. vr. Steinheim wird seine Gesänge Obadjah's, ohne Zweifel das vorzüglichste Produkt 'der deutsch - jüdischen Muse, neu und vermehrt auflegen. Wir werden hierbei Gelegenheit nehmen, diese trefflichen Dichtungen einem größer» Kreise, wie bisher, bekannt zu machen. Herr Mich. B err veranstaltet eine zweite, bedeutend vermehrte Ausgabe des »Abregi de la Eible« und des »Choix de Morceaux de Pidtd et de Morale,« zum Gebrauche der ftanzöfischen Israeliten. Diesem Werke, welches in den Schulen derselben ausgenommen, wird der Plan eines neuen religiösin Ritus für die Israeliten beigegebm werden. '(Phönix.) Recension von Herpheimmer's und Auerbach's (in Darmstadt) Predigten (Letzterer mit Dr. Auerbach in Berlin verwechselt) in Gersdorf's Repertorium XIII, i. '

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