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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-16 · Heft 71 (16.9.1837) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 71 (16.9.1837)
Date
1837-09-16
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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282 Mid) nicht zu sagen! —« Endlich läßt sich der Vers, scharf über die Behauptung, daß die Mchrzahl der Juden in sittlicher Bildung vernachlässigt fei, aus. . > Schon des Inhalts wegen schließt sich hieran: Die erste Kammer und die Juden in Sachsen. Bon Dr. I. Weil. Hanau, 1837. Je öfter in Sachen des Judmthums der Ernst und die Bitterkeit sich auszusprechen Gelegenheit haben, je' öfter die . Leidenschaft zwingt, mit Leidenschaft zu antworten: desto angenehmer ist es, in der eben angezogenen Broschüre den Ton der feinsten Ironie zu vernehmen. Der Verf. ist Meister hierin; weder aufbrausend, noch mit donnernder Gewalt, sondern im leichten, ungehinderten Flusse der ironischen Rede durchläuft er die Verhandlungen der 1. sächs. Kammer. ' Er zeigt sie im Spiegel der großen Welt, und läßt alle Lichter der Vernunft ihre Sttahlen auf das Bild werfen. Anders läßt sich dem nicht begegnen, wenn die Philisterei auf dem Theater der'Welt austritt, wie der Verf. sagt. Herausheben läßt sich aus dem Schriftchm Nichts, es ist zu sehr aus einem Gusse. Mit schönem Ernste spricht der Verf. zuletzt zu den sächs. Juden, und ermahnet sie, sich nicht Niederdrücken zu lassen, sondern ihren bettttenen Weg dem- - ungeachtet, in Liebe und Treue vorwätts zu wandeln. — Einen mannhaften, wackern Vertheidiger der Emancipation hatten wir schon früher in dem Herrn E.L. A. Baron von Görtz zu begrüßen. Auch er laßt die neuesten Ereignisse nicht vorüber, ohne seine Klage über das alte ^europäische. Unrecht« laut werden zu lassen. Die Emancipstion der Juden und ihre Gegner. Oder: Welches ist der Hauptgrund, daß in einigen christlichen Landen die Emancipation der Juden noch nicht erfolgt ist? Quedlinburg und Leipzig, 1837. . Diese Frage ist gelöst in dem Religionsstolze. »Der Religionsstolz, sagt er, ist das Vorurtheil, daß man sich zu der alleinseligmachenden Religion bekenne, und daß demnach der Anhänger jeder andern Religion ein ganz zugerüsteter Braten für die Hölle sei.« Er verfolgt die Spuren dieses Religionsstolzes in alle Verhälmisse des Lebms hinein, und in allen Formen, in denen er sich darstellt. So sagt er höchst richtig: »Man sieht nur zu oft, daß die Feinde einer Religion diese Religion niemals kmnen, weil sie dieselbe hassen, und daß sie dieselbe hassen, weil sie solche nicht kennen. Sie messen ihren Gegnern Lehrsätze bei, die sie verabscheuen, und Folgesätze, an die sie niemals dachten. Sie streuen wider die Diener der gegenseitigen Religion die lächerlichsten Verläumdungen aus.« Jndeß, da man oft Menschen ohne alle Religion, Menschen, die ihrer eigenen Religion (innerlich) abttünnig, gegen die Juden wüthen sieht. so muß man wohl glauben, daß neben dem Religionsstolze es auch der Eigennutz ist, der den Judenhaß gebären läßt und groß säugt; daß es auch überhaupt jene unheilvolle Neigung des"-Menschen, Etwas zu hassen, sei, die einen Gegenstand sucht, und ihn zu leicht im Juden findet, weil dieser von Jugend an ihm als solcher empfohlen worden. Der edelherzige Verfasser ficht für die Duldung. Aus vollem männlichem Herzen quillt die Rede. Wie schön schließt er: »So unterstehen sich Würmer in dem Leben eines Augenblicks zu hassen und zu verfolgen, weil oft der Eine über nutzlose Spitzfindigkeiten und unbegreifliche Dinge nicht so denkt, wie der Andere. So unterstehen sich Creaturen von Staub dem Allerhöchsten in seinen Rathschlägen vorzugreifen, und die Uttheile Les Herrn der Welt mit dem Gepräge ihrer Leidenschaften, ihrer Priester und ihres Stolzes zu verfalschmünzen.« — Hieran knüpft der Verf. Bettachtungen über einige Reden in der Hannöverschen Kammer und über einen Aussatz von einem gewissen Robett Binder, der gegen des Verfassers frühere Schriften gerichtet war, und den unser würdiger Verfasser füglich hätte ignoriren können. Mag derselbe seine humanen Gesinnungen femer bethätigen, — wir erkennen sie dankbar an. Lebensumrisse. 1. David Veit,*) geb. zu Breslau, 8. Nov. 1771. gest. zu Hamburg, 15. Febr. 1814. Obwohl von jüdischen Eltem, empfing er früh eine voruttheilslose, allgemein geistige Richtung. Theils in seiner Vaterstadt, theils in Berlin durch guten Schulunterricht vorbereitet, bezog er im Jahre 1793 die Universität Göttingen, besuchte' dann Jena, wurde in Halle Döctor der Arzneiwissenschaft, und machte darauf mit Abraham Mendelssohn eine Reise nach Paris, wo er ansehnliche und fruchtbare Verbindungen auknüpfte, und insonderheit mit Rodrigues, dem Vater des Saint-Simonisten Olnide Rodrigues, verttauten Umgang pflog. Hier widmete er der Ausarbeitung wissenschaftlicher Schriften großen Fleiß, und lieferte in Uebersetzungen, Anzügen und Anmerkungen vieles werthvolle Eigne. Zufällige Umstande bestimmten ihn, sich in Hamburg niederzulassen, wo er als Arzt Anfangs mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Doch wurde ihm bald' die Auszeichnung, trotz des Voruttheils gegen ftine Religion, zum *) Aus: Galerie vou Bildnisse» aus Rahel'S Umgang und Briefwechsel. Herausgegebeu von K. A. Barnhagen von Ense. Leipzig, 1836.

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