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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-16 · Heft 71 (16.9.1837) · p. Seite 284

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 71 (16.9.1837)
Date
1837-09-16
Page
Seite 284 (sequence 4)
Language
German
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284 Monsignore Mai setzt ein'e Sammlung alter Schriftsteller | nach den Handschriften der Vatikanischen Bibliothek zu Rom (Lolj lectio Vaticana Scriptorum Teterum) fort, und hat den Druck der Sepruaginta nach dem berühmten vatikanischen Manuskripte beinahe vollendet. Correspondenzen, Auszüge, Replike-n. (Aus Unslcbcn, im Untermaiykreise.) Schluß. Man könnte vielleicht — nun das muß ich noch bemerken — auch.mich hierin eigennütziger Absichten beschuldigen, weil ich zu den vielen Kandidaten gehöre, welche im Untermaiirkreise auf Stellen warten. Und ich gestehe, daß die Besorgnisi vor einem solchen Verdacht mich lange schwankend machte, ob ich diesen Punkt öffentlich berühren sollte, und vielleicht auch. zurückqehalten hätte, wenn nicht eine innere, und ich glaube sagen zu dürfen, bessere Stimme mir zuriefe, daß, wer auf das Urtheil Aller Rücksicht nehmen wolle, niemals Etwas für'» allgemeine Beste thun könne. Es giebt kaum ein gutes Werk, dem nicht eine Seite abzugewinnen wäre, von welcher ihre Motive hcrabgewürdigt .und das Verdienst des Urhebers geschmälert werden könnten. Die Verständigen werden auch wohl einsehen, daß ich mir damit mehr schaden als nützen kann. Gott ist auch mein Zeuge, und die guten Menschen werden meiner Versicherung glauben, daß ich nur im Interesse unserer heiligen Sache mich hierüber ausspreche und diese Mittheilung mache. Vielleicht findet fie Nachahmung, vielleicht regt sie manchen Kandidaten an, auf ähnliche Weise sich einen Wirkungskreis zu schaffen, wie ich es jetzt hier gethan habe^ Nach diesen vörausgeschickten Bemerkungen nämlich sieht jeder, wie verwahrlost der Gottesdienst ist und wie sehr es an Belehrung fehlt. Wie sehr.es mich drängte, dieses Uebel wenigstens so weit als möglich zu mindern, brauche ich Keinem zu sagen, der ein Herz hat, das nicht gleichgültig für Israel und sein Hciligthum schlägt. Aber ich wollte, so sehr ich es bei meinen braven Ortsleuten, deren Liebe und Zutrauen mich wahrhaft glücklich machen, hätte wagen können, ich wollte die Schranken des Privatmannes nicht überschreften, und hielt mich fest in diesen Grenzen, nur daß ich von Zeit zu Zeit in nicht kurzen Zwischenräumen predigte. Man wird mir vielleicht sagen, daß ich es jeden Feiertag hätte thun können, allein wer reiflicher darüber nachdenkt, wird es nicht rathsam finden,.daß der Kandidat häufig und so wie ein wirklicher Geistlicher in der Gemeinde predige, in der er nicht angestellt ist. Alle Bedenklichkeiten hingegen find beseitigt durch die religiöse Tendenz, die wir mit unserem Vereine verbunden haben. Es wird nämlich jeden Feier¬ und Festtag eine Erbauungsstunde in der Synagoge gehalten, welche die Stelle des Gottesdienstes nicht vertreten, aber eine Lücke in demselben ausfüllen soll — Belehrung und Erbauung. Freilich an sich wieder ein Bruchstück und mangelhaft, aber ein altes Sprüchwort sagt: Besser Etwas, wenn nur wenig, als gar nichts! In dieser Erbauungsstunde — wie wir sie genannt haben — wird nun jeden, Sabbath ein Vortrag gehalten, und ein Gebet in deutsche^ Spräche verrichter. Zum Eingang wird ein Psalm recitirt und eben so zum Schluffe; an deren Stelle können jedoch, wenn-die Verhältnisse es erlauben, nach den Statuten, deutsche Lieder treten. In dieser Versammlung kann ich und Jeder, der damit beauftragt sein wird, Vorträge zu halten, obgleich nicht angestellt, dennoch lehren als Freund, als — Geistlicher mahnen und warnen, zurechtweisea und belehren. Ich kann und darf vergessen, daß ich ein Kandidat und Privatmann bin, — ich bin in meinem Amte, bin es auf eine würdige Weise, von der Versammlung selbst dazu erkohren. Und je größer diese ist, desto mehr mein Zutrauen wächst und der Beweis mir gegeben wftd, daß Belehrung gewünscht werde. Dieses Zeugniß kann ich nun auch mit gutem Gewissen den Israeliten hiesigen Ortes geben. Obgleich einige Stunden nach dem Gottesdienste diese Erbauungsstunde abgehalten wird, so findet sich doch nicht blos die ganze Jugend, sondern auch der größte Theil der übrigen jüdischen Bevölkerung beiderlei Geschlechts bei derselben ein. Und es entsteht auch noch der Vottheil, daß auch die Unverheiratheten des weiblichen Geschlechtes die Synagoge besuchen, und nicht, wie es fast im ganzen Kreise der Fall ist, das ganze Jahr kein Gotteshaus betreten. Freilich giebt es auch mitunter Manche, die es unter ihrer Würde oder gegen ihre Bequemlichkeit finden, einer solchen Privatandacht, obgleich öffentlich abgehalten, beizuwohnen; allein ihr Zurückbleiben darf uns so wenig verdrießen und. unwillig machen, als wir von ihrer Gleichgültigkeit oder gar Gegenwirkung uns in unserem Stteben zurückschrecken und entmuthigen lassen dürfen. So habe ich mir denn selbst einen heiligen Wirkungskreis geschaffen, in welchem ich dem Berufe obliegen kann, dem ich Kraft und Leben gewidmet habe. Möchten viele meiner Herren Collegen mir nachahmen, wahrlich es wird sie niemals reuen. Der Genuß ist groß, den dieser Wirkungskreis bietet, größer als Gehalt und Belobungsschreiben ihn uns gewähren. Wir können wirken und haben das Bewußtsein, was wir thun, zur Ehre Gottes und zum Heile Israels aus eigenem Antriebe und reiner Absicht gethan zu haben. Ganz ohne Erfolg kann ein solches Wirken, minder denn jedes andere bleiben. Meine Gemeinde fordert nichts von mir, sondern wünscht nur Belehrung, und ich fordere nichts von ihr, verlange nur Aufmerksamkeit. Ich erfülle ihren Wunsch mit Vergnügen, und ihr fällt es nicht schwer, meinem Verlangen nachzukommen. Sollte aus einem solchen Verhältnisse nicht manches Ersprießliche hervorgehea? Ich gebe mich wenigstens der süßen Hoffnung hin, und mft Gottes Hülfe werde ich. in meiner Hoffnung auch nicht getäuscht werdenI Dr. L. Adler. Anzeiger. Za demselben «erden Annoncen aller Art gegen £ Er. GÄnbrea für die gespaltene Zeile aus Petit - Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Erziehungsanstalt. Mit Michaelis dieses Jahres habe ich meine bisher stets von 12—15 Zöglingen besuchte Erziehungsanstalt, weil meine Amts- und anderweitigen Arbeiten mir nicht mehr gestatten, sie in diesem Umfange pflichtgetreu zu leiten, aufgehoben, und insofern reorganisitt, als ich die Zahl der Zöglinge aus V i e r ein für allemal beschränkt habe, die nun eine erhöhetc, ganz persönliche Beaufsichtigung meinerseits genießen. Der feste Preis der Pension, außer Schulgelder, ist auf 200 Tblr. Pr. Ctt bestimmt. . Magdeburgs im September 183?. Dr. Ludwig Philippsou. Anstellungsgesuch. Ein geprüfter, bereits 14 Jahre im Amte stehender, mit den besten Zeugnissen versehener, jüdischer Lehrer, der zugleich das Amt eines Cantors und Schächters versehen-kaan, wünscht seine jetzige Stelle mit einer einträglicheren zu vertauschen, und ersucht hieraus Refleqßrende in portofreien Briefen, mit Hinzufügung der No. der Zeitung, sich über das Nähere an dsc Redactton zu wenden. Zn der D. R Marx'schcn Buchhandlung sin Karlsruhe SS Baden ist erschienen: »Verhandlungen der Ständeversammlung des Großherzogthums Baden im Jahre 1833 über die bürgerliche Gleichstellung der Staatsbürger israelitischer Religion mit den Staatsbürgern christlicher Religion. Preis 1 fl. 48 kr. oder 1 Lhlr.« Redatteur: Dr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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