Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 70 (16.9.1837)
- Date
- 1837-09-16
- Page
- Seite 279 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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279 Dein Vater nicht, doch deines Vaters Hort, Der mit den Vätern seines Bundes sprach. Drum sei nicht furchtsam, Moses, und nicht zag. Geh' und verkünde deines Gottes Wort. Und froherschrocken und von Kraft durchglüht Trat.Moses vor den Rand des Heiligthumes, Und. trug fortanin fröhlichem Gemürh Die heil'ge Bürde des Prophetenthumes. Adler und Rabe. Ms David nun bei seinen Vätern war. Rief Salomon der edela Vogelschaar, Den. Adlern, Condors und den Lämmergeiern, Ein nie geseh'nes Todtenfest zu feiern. Der Tag war heiß^ Sie trugen ihn zur Gruft. Da rauscht ein Adlerfittig durch die Lust, Der Condor kam aus kühlem Felsenhaus Und spannte schirmend seinen Fittig aus. So unter'm Schatten der gewalt'gen Schwingen Könnt' ihn das Volk zur ew'gen Ruhstatt bringen. Das> schaute droben aus dem Nachtgewölk Mit gift'gem Neid gemeines Raubgevplk. Die niedern Geier und die Raben sahn Den Leicheozug des heilten Harfners nahn. Sie hörten, wie der Menschen lauter Dank Sich aufwärts, zu den eheln Vögeln schwang. Da krächzten sie: — O köstlicher Triumph, . Auch wir begraben einen tobten Rumpf! So fliegt von dannen der ganze -Hanf Und rafft vom Anger einen Leichnam auf. Za den sie die Krallen und Schnäbel schlagen. Ihn, wie die Adler, davonzutragen» Kaum sind sie oben in den Lüften, So muß der Teufel Unheil stiften. Weil sie mit eins die Schnäbel wetzen. Den edeln Leichnam zu zerfetzen. Und wie er zur. Erde gefallen war. Da schießt hernieder die tolle Schaar, Und fällt den armen, todten Mann Mit solchem blinden Wütheu an. Daß sie bei einem Haar indessen Sich untereinander aufgefteffen. Miszellen. Zu Kirchheim-Bolland in Rheinbaiern wurde am 1. September 1836 eine neue, treffliche Synagoge eingeweiht. Am Abend predigte der dortige Rabbiner M. Kohn, am andern Dkorgm der Candidat Samuel Süßkind. Letzterer hielt eine gediegene Predigt in klarer, eindringlicher Sprache über »die Bestimmung des Gotteshauses nach dem Sinn und Geiste unserer Religion;« und zwar 1) daß wir darin erbaut werden sollen durch Gebet und Gesang (es ist dort auch Choralgesang eingeführt), 2) daß wir darin belehrt werden sollen durch Predigt und Vorlesung aus der Thora (bei letzterer sprach er über den alten jaa-nna, der den vorgelesenen Abschnitt sogleich in die Landessprache der Gemeinde vorttagen mußte!). Die türkische Artillerie hat sich in neuester Zeit mit einem jungen Karlsruher, und zwar einem Israeliten, bereichert. Er ist der Sohn eines dortigen Handelsmannes, Abraham Ettling er, und hatte sich vor einiger Zeit, von kriegerischer. Thatenlust getrieben, in griechische Dienste anwerben lassen. Aus Griechenland desertirte er, kam nach mancherlei Abenteuern auf türkischem Gebiete nach Larissa, und wurde dort bei der reitend« Artillerie eingereiht. Als seine Verwandten davon Kunde erhielt«, wandte sich der Vater an die Regierung mit der Bitte, auf diplomatischem Wege dessen Losgebung zu erwirken. Die badische Regierung wandte sich zu diesem Zwecke an, die östreichische, welche sofort die geeignet« Schritte in Constantinopel thun ließ. Die Antwott des türkisch« Cabinets ist nunmehr eingettoffm. Der requiritte Artillerist scheint vom mosaisch« Glaub« zum Islam übergegangm zu sein, und sich so gut im türkisch« Kriegsdimste zu gefall«, daß er gar nicht mehr wegverlangt. Er soll versprach« Hab«, wmn er einmal Pascha von drei Roßschweif« sei, auf Urlaub ein« Besuch dott abzustatten. Lr4 erat irr. Rede bei der Einweihung der israelitischen Synagoge zu Hoppstätten. Gesprochen von dem Staatsrath Fischer, als Vorstand der Großh. Oldenburg. Regierung des Fürstenthums Birkenfrld. Breslau, Friedländer, 15 S. in 8. (2 Ggr.) Der Geist der Nächstenliebe, dieses edelste Kind der biblischen Offenbarung, — mag man es nun vom Sinai oder von Bethlehem herleiten — arbeitet in unseren Tagen unaufhaltsam daran, die schroffe Scheidewand, welche religiöser Fanatismus der Vorzeit zwischen Christen und Jnd« aufgeführt hat, aiederzureißen, und so die Sünden der, Väter an den nachkommenden ^Geschlechtern — abzusühnen. Das Werk ist schwer, dies kann nicht geläugnet werd«, und stößt jeden Augenblick hier auf natürliche, dort auf böswillige Hemmnisse; allein wo die manigfachsten Interessen, sociale nicht minder als rein humane, gleich dringend die Vollendung fordern, und wo die verschiedenartigsten Staatskräste gleich eifrig dieselbe herbeizuführen bemüht find, da kann das endliche Geling« nicht bezweifelt werden. Am meisten aber verbürgen das Letztere Erscheinungen, wie sie in der angegebenen Schrift hervortreten*). Ein hochgestellter und hochgeachteter Staatsbeamter, der im Ra- *) Es wurde rngleich eiueRSe vom Ravb. Holdtzelm ia Frankstrrt recenslrt, da aber diese Receusron nicht- Bedeuteudes euchielr, und wir eine eigene geben werden, so habeuwir a«r die der Fischer'sche» Rede herbeigedracht. ' D. Redact.