Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 70 (16.9.1837)
- Date
- 1837-09-16
- Page
- Seite 280 (sequence 4)
- Language
- German
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men seiner Regierung die Weihe eines neuen Israeliten- . Tempels mit wahrhaft väterlicher Theilnahme vollzieht, und ein Rabbiner, der, tief ergriffen vom religiösen Verfall des Juden- - thums, ohne Menschmschcu die Mißstände aufdeckt und die Nothwendigkeit einer kräftigen Mitwirkung der Regierungen zu Israels religiöser Erhebung nachweist: Beide führen von ganz verschiedenen Standpunkten den faktischen Beweis, daß man das heilsamste Mittel zur vollständigen innern Verschmelzung der Juden mit. ihren christlichen Mitbürgern, unbeschadet ihrer religiösen Ueberzeugung, endlich erkannt habe und mit ernstem Eifer in Anwendung zu bringen strebe. Die Erfahrungen eines vollen Meuschenaltcrs haben es — an Individuen und an ganzen Ge- > meinden — aU unumstößlich dargethan, daß nur, wo die sociale Regeneration des Judenthums mit der religiosinHand inHand geht,der edleZweck derRegierungen vollständig erreicht werde, daß dagegen, wo der Jude bürgerlich im I9ten Jahrhundert und religiös im I6tea steht, oder, weil er dies verschmäht, dem religiösen Bedürfnisse überhaupt entftemdet ist, sich hinter der äußern socialen Politur eine Schlaffheit und eine Gesinnungslosigkeit heranbildet, welche bei ihrem Durchbruche jeden wahrhaft religiös Gesinnten mit tiefer Betrübniß erfüllen, und früh oder spät die Regierungen, die in der Religiosität der Staatsglieder die sicherste Bürgschaft für die Festigkeit aller staatlichen Institutionen erkennen, zu kräftigem Einschreiten anregen muß. Herr Staatsräth Fischer spricht zu einer aus ^Juden und Christen bestehenden Versammlung im Gerste der Versöhnung und vcr Liede, anerkennend, ermunternd, ermahnend. Er führt den Zuhörern die traurigen Schicksale der Juden in der langen Nacht des Mittelalters vor, jener Zeit, »wo selbst ein deutscher Kaiser mit schamloser Bcrläugnung des ersten Grundsatzes des Staatsverbandes — Schutz der Personen und des Eigenrhumes, — mit einem Federzuge die Christen von der Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten gegen die Juden entband, und an diesem Raube Theil nahm.« »Kann es uns wundern,« fährt dann der ehrwürdige Redner fort, »daß nach solchen Erfahrungen blutdürstiger Wildheit, unmenschlichen Hasses, räuberischer Gewaltsamkeit und fast allgemeiner Rechtlosigkeit, auch in dem Herzen des bedxängtcn Volkes kein freundliches Gefühl gegen seine Bedränger aufkommen konnte; daß sie wenig Zurrauen zu einer Religion gewinnen konnten, deren Dienern Menschenliebe, Gerechrigkeit und Edelmuth so fern war; daß sie, die Schwachen, durch List und Trug wieder zu erringen suchten, was der offene Raub der Stärkern ihnen entrissen hatte?« — Und zur Religionslehre der Juden sich wendend, sagt er: »Die Religionslehre der Juden ist keine Gehcimlchre. Sie beruht auf den Schriften des alten Testaments und späteren Ueberlieferungen der Rabbiner, d. h. der jüdischen Religions - Lehrer. In ihrer richtigen Auslegung enthält sie Sitten - und Tugendlchren, die nirgends den Gesetzen des Staares und der Sittlichkeit widerstreiten. Daß aber der Verstand der israelitischen Glaubensgenossen erhellt, ihr Gcmüth gebildet werde, um die Satzungen ihrer Lehre mit verständigem Geist: und einem für das Rechte und Gute empfänglichen Herzen aufzufassen, liegt in der Pflicht eines jeden Regenten, dem die Förderung der höhern Zwecke der Menschheit am Herzen liegt. Nur der religiöse Mensch kann ein guter Mensch sein. Nur der gute Mensch ein treuer Unterthan, pflichtmäßiger Bürger, liebevolles Familienglied. Darum wundert Euch wohl nicht, daß unser tteuwaltender Landesfürst auch diesen Männern mit edler Freigebigkeit das Mittel gegeben hat, dem höchsten Bedürfnisse innerer Erleuchtung des religiösen Sinnes zu entsprechen. Eine würdige Stätte zur Anbetung Gottes befahl er zu gründen. Verständige, gewissenhafte und in den Lehren des israelitischen Lehrbegrisss wohl erfahrene Männer gebot er als Lehrer anzustellen.« Und diese Lehrer werden, gestärkt und gehoben durch solche Beweise väterlicher Milde und Sorgfalt, gewiß die Ermahnung des würdigen Redners ihren Gemeinden cinzuschärsen nicht unterlassen-: »An dieser Stätte mögt Ihr lernen die Worte Eurer Weisen, »»daß cs besser ist, wenig besitzen bei fester Gottesfurcht, als großen Schatz mit unruhigem Gewihen.«« Im Leben aber mögt Ihr durch Euren Wandel bewerfen, daß -Ihr die Achtung und das Zutrauen verdient, zu welcher sich Eure christlichen Mitbürger aufgefordert finden.«— Mai hat auch in der ambrosianischen Bibliothek zu Mailand und in der vattkanischen zu Rom Stücke der gothischen Uebersetzung des Ulfilas, von der man bis jetzt keinen Theil des A.T. hatte, aus diesem gesunden, nämlich auf 3 Blättern Stücke aus Esra und Nehemia und einige Citate aus Psalmen. Die sämmtlich nun vorhandenen Fragmente haben die Herren Gabelentz und Dr. Loebe herausgegeben. Zeitschrift für historische Theologie von vr. Jllgen, VI. 2. -Die älteste hebräische Zeitrechnung bis auf Moses, uach den Quellen neu bearbeitet und mit einer Karte vom Paradiese versehen von R. Rask, Prof, und Oberbibliothekar in Kopenhagen. Aus dem Dänischen von Dr. ®. Monike, Consistorial - und Schulrath zu Sttalsund. S. 1—122. — Für das hebr. Alterthum, meint der Verfasser, sei die egyptische Zeitrechnung besonders wichtig und sicherer, als die hebräische selbst, weil diese stch nur auf Fragmente stützt, die egypt. aber 1) keine Abrechnung großer Zahlen voraussetzt, 2) sich auf drei unabhängige Zeugen gründet. Der Fehler aller bisherigen Untersuchung sei, daß die egypt. Chronologie nicht verglichen worden. Als fester Punkt wird 1619, der Auszug aus Egypten, angenommen, wo auch durch andere gleichzeitige Auszüge der Schauplatz der alten Geschichte eröffnet werde. Im ersten Zeittaum von Adam bis Noah sind -die Jahre als Monate zu nehmen, so baß ein Zeittaum von 260 Jahren herauskommt. Adam ist der Aloros der Babylonier, der sie, von den Elohim oder Elimäern aus Elimais vertrieben, civilifitte, ein Zweig der'in Babylon herrschenden Adamiten, die Kainiten, gründeten, wegen religiöser Streitigkeiten vertrieben, ein anderes Reich; die noahische Fluth verbreitete sich blos über Mesopotamien. Im 2ten Zeittaum bis Abraham gehören die 7 ersten Patriarchen vermöge ihrer Lebensdauer zusammen. Es waren da2monatliche Lebensjahre im Gebrauch, wie auch bei den Indiern, Arabern und Egyptern. — Nahor und Thara hatten ^monatliche Jahre. Uebrigens müssen Lücken in diesem Patriarchenreiche angenommen werden, damit der Zeittaum von 2500— 1834 ausgefüllt werde. In diese Zeit fallen auch religiöse Spaltungen zwischen Jehovadienern und Sabäern, worauf der Name Pcleg und die Geschichte vom babyl. Thurmbau deuten. Japhet ist Jap«tus. Im 3tcn Zeittaum ist nach Halbjahren gerechnet, nur das Atter Josephs bei seiner Ankunft in Egypten und seintt Traumdeutung nach egypt. ganzen'Jahren. Auch Mofls Alter ist theils nach Halbjahren (30—40 Jahre beim Auszug) theils nach ganzen (80 bei seinem >Tode) gerechnet. — Das Resultat ist demnach: »Es hat weder im Osten noch im Westen, so weit wir die Sagen der ältesten-Nationen verfolgen können, einen ältern Staat, als den adamischcn in Babylon gegeben; aber dieser ging von den' Elymäern aus, oder wurde von einer Person gestiftet, die von dem Jehova der Eloher vettrieben war, undihm, wie es scheint, untcrthänig verblieb. Diese Eloher oder Elymäer sind auch, so weit wir vermu- ' then können, am allerfrühesten auf Erden am Jordan in Besitz von Bildung und derjenigen Dottheile gewesen, welche ein gcordneter bürgerlicher Verein äußert.« Die Stiftung des Staats der Eloher fällt nach Egypt. Zeitrechnung ins Jahr 3019 v. Chr. G.« . Dieses ganze Raisonncment des Prof. Rask wird durch den einzigen Umstand um ge stoßen, daß bei der noahischen Fluth von der Schrift das Jahr aus 12 Mo aten vorausgesetzt wird, indem unterAnderm der 10. Monat erwähnt wird,,1B. Mos. Kap.8 D. 5, und von den dis zum Neujährstage des 601. Jahres Noahs noch 60 Tage ausgezählt werden, s. D. 5—13. Nimmt er also die Autorität der Zahlen überhaupt an, wie will er diesen Beweis entfernen? d. Red. Redacteur: Dr: «. Philippso«. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.