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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-14 · Heft 69 (14.9.1837) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 69 (14.9.1837)
Date
1837-09-14
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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275 den numerären auf, indem er.Robert Peel's Worte: ^Soll ich um 27,000 Individuen ein Princkp aufgebcn, das in die frühesten Zeiten unsrer Geschichte hinaufreicht?« anführt, bald aber diesen schwächsten aller Gründe widerlegt, da zuletzt alle Bewohner eines Landes Individuen sind, und mit dem Fürsten zu Fürstenberg gerade der kleinen Anzahl, einer immensen Majorität gegenüber, Rechtsbcistand zu leisten ist. Als gleich schwach charaktcrisirt unser Verfasser nun den dritten Gegengrrmd, den militarrischen, indem er auf Michaelis und Harrmann zurückgeht, und gegen diese erweist, wie den Juden allerdings gestattet ist, auch am Sabbath als Soldaten zu kämpfen, und wie in so vielen neueren Kriegen sich Juden durch militairiseye Tapferkeit auszeichneten. Als sehr treffend wollen wir hier noch die Worte des Verf. anführcn: »Die zersireueten Juden lebten in stetem Kriegszustände, waren michin geborene Krieger. Freilich cs war ein anderer Kampf gegen äußere Noth, gegen Vorurthejl und Fanatismus, gegen Unterdrückung und Hohn, gegen Raub und Mordsucht, mit einem Worte gegen alle Leiden dieser Zeit. Undin der That, es gehört mehr als Starrsinn hinzu, hier nicht zu unterliegen, sondern sich durch die wüsten Greuel von Jahrtausenden hindurchzu kämpfen; auch mehr Muth dazu, als ein mechanisches Exercitium 'einzuüben und sich auf's Commando todt schießen zu lassen.« Hieran reiht der Verfasser viertens den mercantilisch e u Gegengrund, indem er die Befürchtung der christlichen Kaufleute und Jndustriellm berührt, Mit dem Staatsbürgerthum zögen die Juden zum Nachtheil der Christen den meisten Handel an sich. Man weiß, welch großen Einfluß diese grundlose Befürchtung auf die Beschlüsse mehrerer Kammern gehabt. Der Verf. weist diese mit einfachen und triftigen Worten ab; indem das Staatsbürgerthum den Judm ja alle Erwerbszweige eröffnet, sie demnach mit der Zeit vom Handel immer mehr abzieht, gegen irgend eine nachthrilige Richtung der Staat seine Gesetze hat, und endlich freie Concurrenz das Lebensprinzip der neuem Industrie ist, aus welcher allein die bessere Gestaltung des industriellen Treibens hervorging und hervorgeht. Er führt hier die schlagendsten Beweise von Graser Zell und Mittermaier an. Referent will hier ein« Bemerkung nicht unterdrücken, die sich ihm immer von Neuem bei derartigen Verhandlungen aufdrängt. Man kann sich nie daran gewöhnen, die Juden ebenfalls als dem Staate Angehörige, mögen sie emancipitt sein oder nicht, zu betrachtm, als Mmschen, die im Schooße der Gesellschaft ihre Kräfte anwenden, und ihre Lebensbedürfnisse sich erringen wollm und müssen. Man fragt stets: Werden die Judm die Chriftm nicht benachtheiligen? niemals aber: Wollen die Juden nicht auch leben? Mau fragt: Werden die Juden nicht Stellen und Chancen im bürgerlichm Kreise besetzen, die man Christen überweisen, auf der ein Christ stehen könnte? nie aber bedenkt man, daß die Judm doch auch Erwerbssiellen und Erwerbsquellen haben müssen. Von 300 Meistem ein jüdischer Meister, und man sagt sich, dieser eine Meister könnte ein Christ sein, der Jude verdrängt ihn; als ob der Jude als Mensch und Staatsangehöriger nicht auch das Recht hat, einm Nahrungszweig zu haben. Der Staat, oder vielmehr die Ver. Walter des Staates betrachtm die Juden nicht einmal als Stiefkinder, sondem überhaupt als eingeschmuggelte Findlinge, und die Kmste Brod, die einer dieser verehrt, könne allerdings Aglichcr von einem eignen Kinde verzehrt werden. .(Schluß folgt.) Miszelle. (Eingesandt.) Louise Jap ha, die laut den Zeitung m in Stockholm mit so vielem Beifalls gespielt hat, ist die Tochter, vermögender israelitischer Eltem in Hamburg; ihr Vater begleitet sie. Es ist eine Frage, die sich ein Kundiger einmal stellen und in dieser Zeitung beantwortm sollte: Woher die große Anlage zur Musik, die sich in den Judm von Tage zu Tage mehr herausstellt? Jedes Jahr erzeugt Dutzmde neuer Virtuosen! Entspringt sie etwa aus der Selbstbestimmung, die bei allem Mißgeschmack doch im Synagogal-Gesänge liegt? Ist es allgemeine Bildsamkeit oder musikalische besonders?*) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Hildesheim.) Ich übersende Zhnen hierbei den Bericht über den Trauergottcs-Dienst in hiesigem Tempel, wie er in einer Extrabeilage zum Hildeshcimischen Mittwochenblatt gegebm worden. »Am 14. d. M>, um die 6.. Nachmittagsstunde, fand in dem hiesigen israelitischen Tempel ein feierlicher Trauergottes - Dienst für unseres hochseligen Königs Majestät Wilhelm IV. Statt. Die sämmtlichen Gemeinde -Mitglieder hatten sich zu diesem Zwecke in anständiger schwarzer Kleidung in dem, mit Trauer- Decorationen gezierten und festlich erleuchteten Tempel eingefunden. Die Feierlichkeiten wurden mit Absiagung der Psalmen 16 und 23 eröffnet, worauf, nachdem die Schuljugend den eigens für Feierlichkeiten dieser 2Crt bestimmten schönen Choralgesang: »Was ist der Mensch, Allmächtiger- (s. isr. Gebetbuch. Hamb. 1819. S. 282) anstimmte. Rach Beendigung dieses Gesanges bestieg der Hr. Landrabbiner Bo d e nhe im er die Kanzel, und nachdÄy er in der Ein- *) Wir haben hier (Magdeburg) zwei jüdische Knaben, der eine von 7,. der andere von 9 Jahren, die Bedeutendes auf dem Biolencell leisten. Der Letztere hat sich bereits in öffentlichen Concerten hören lassen. D. Redact.

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