Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 67 (9.9.1837)
- Date
- 1837-09-09
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
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266 man, wenn ein Jude als Bürger den Versammlungen der Innungen beiwohnt und dabei seine Stimme abgiebt, oder wmn ec bei den Bürgerversammlungen erscheint, daß er dort nicht für das allgemeine Beste seine Stimme erheben und dazu weniger tüchtig sein werde als die Christen? Solche Voraussetzungen sind nur auf die grundlose Präsumtion einer gewissen Jmmoralität basirt, womit ich mich niemals einverstehen werde. Ich will zugeben, wenn es sein muß, daß die Juden bei den vorhergehenden Wahlen zu der Ständeversammlung noch zur Zeit ausgenommen werden, und daß man sie dazu noch nicht für wählbar erkläre, wiewohl ich auch hierzu keinen Grund einsehe. In andern Ländern läßt man sie auch zu diesen Aemtern zu; erst vor wmigen Jahren ist in Paris ein jüdischer Abgeordneter gewählt worden, der seine Funktion eben so gut ausübt, wie jeder Andre. Ganz neulich ist ein Jude in der Akademie der Wissenschaften gewählt worddn; es ist das eine Ehre, die zu den ausgezeichnetsten gehört. Ich glaube auch nicht, daß die Ausschließung mit der Gleichheit vor dem Gesetze zu vereinbaren ist. Es folgt aus §. 26. der Verfassungsurkunde unmittelbar, daß der Staat keinem, dem er Lasten und Verflichtungen auferlegt, die damit verbundenen Rechte entziehen kann, außer wenn er sich durch ein Criminalverbrechen deren unwerth gemacht hat. Abg. v. Dieskau: Wird ein Jude zu einem städtischen Amte gewählt, so muß er in der That ein Mann sein, zu dem die städtische Bevölkerung volles Vertrauen hat, und der vollkommen würdig ist, dem Amte vorzustehen; er muß sich in jeder Hinsicht so bezeigt haben, daß man die beste Hoffnung von seiner Amtirung hegen kann. Es ist in der That schmerzlich, zu bemerken, daß den Juden auf der einen Seite die Pflichten der Bürger aufgebürdet werden, auf der andern Seite ihnen aber die Rechte nicht zugestanden werden sollen, welche mit dem Bürgerrechte verbunden sind.. Abg. v. Thielau: Ich weiß sehr wohl, meine Herren, es werde» meine Worte keinen Einfluß haben, um ihre Abstimmung abzuändern, wmn sich aber in der Folge meine Meinung rechtfertigen sollte, so möge man nicht die Juden anklagm. *) Abg. To dt: Die Christm selbst werdm von den Beschränkungm des Geschentwurfes größer» Nachthei! bei der fogmanntm Emanzipation habm, als wmn diese letztere in unbeschränktem Sinne erfolgte. Es ist schon mehrfach be- *) Es ist sehr wichtig, solche mehrerseits ausgesprochene Voraussagungen und Protestalionen, daß, wenn später die Folgen dieses Gesetzes nicht günstig sind, dies nicht den Juden, sondern lediglich den Gesetzen selbst zur Last zu legen, hervorzuheben, weil man in der Zukunft am fuglichsten darauf wird Hinweisen können. d. Redact. merkt worden, daß die traurigm Erfahrungen, die man in Bezug auf die Emanzipation der Judm gemacht hat, sich daher schrieben, daß die Emanzipation zu beschränkt gewesm sei. Ich kann dem. nur beistimmm und behaupte gleichfalls, daß die Emanzipation nur, wenn sie zu viel Beschcänkungm ' in ihrem Gefolge hat, nachtheilig für die Christm ausschlagm kann; dmn je enger der Kreis der Gewerbe gezogen wird, welche man dm Jsraelitm offm läßt, je mehrmüssm sie diese überfluthen. — der Jude kömmt mir bei dieser beschränktm Emanzipation nicht anders vor als wie ein Gefangner, welchm man in einm Thurm emgesperrt hat, ringsum von einer schönm Gegend umgeben. Man sagt zu ihm: Sieh heraus in diese schöne Gegmd; Du sollst in diese versetzt und frei werden, sobald Du erst die Freiheit richtig zu gebrauchen verstehst; eher aber nicht! Wie aber soll dem Gefangmm der Austritt möglich werdm, wenn man ihm nicht Ge legen heit gibt, die Freiheit zu gebrauchm? Im Gefängniß wird er den Gebrauch yicht lemm. Abg. vr. v. Mayer: Wenn wir dm Judm alle höhere Gewerbssphären abschneiden, so. zwingen wir sie, .ausschließlich die andem Gewerbe zu ergreifen; man pfropft diese gleichsam so voll, daß daraus nothwmdig hervorgehm muß, was man befürchtet, nähmlich Ueberfüllung, zu fühlbare Concurrmz, mithin Klagm und 'Beschwerden. — Man hält sie ja geflissmtlich von jedem hohem Auffchwunge der Bildung sowohl in sittlicher, als wissenschaftlicher Hinsicht zurück. Wie kann man dann verlangm, daß die Juden künftig in allen Beziehungm auf gleicher Bildungsstufe mit dm Christen stchen sollm, wmn sie vemttheilt bleibm, nur die niedem Gewerbsbeschäftigungm zu tteibm? Abg. -Sachße: Der Buchhandel gedeiht besonders in liberalm Ideen, sie sind sein Element; es wäre daher sehr ungerecht, die Judm, die nur der Freisinnigkeit ihre mehrere oder mindere Emanzipation verdanken, vom Buchhandel auszuschließen. Refer. Eisen stuck: Ich muß bemerkm, daß Jeder, der-aufmerksam darauf gewesen ist, die Bemerkung gemacht haben muß,^ daß seit einer Reihe von Jahren, die Judm es hier zu "vermeiden gesucht habm, ihre Kinder dem Schacher - und Trödelhandel zuzuführen. Ich erinnere mich aus früherer Zeit, daß ich auf mehreren Plätzen jüdische Kinder Handel und Wandel der Art tteibm sah; aber wmn mich nicht Alles täuscht, so hat sich dies von Jahr zu Jahr vermindert, und ich bin um so inniger überzmgt, daß der Schacher- und Trödelhandel mit der jetzigen Generation zu Grabe gehm werde; er wird sich nur in wmigen Individuen noch erhalten. Abg. vr. v..Mayer: Dm unlängst verstorbene niederländische Staatsrath und Ministerialsecretair im Departtmme