Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 67 (9.9.1837)
- Date
- 1837-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i. »tong. ' AkkZeMeine No. 67. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer aüergnädigsier Concesiroa.) Leipzig, den 9. September 1837. Bedeutsame Aussprüche der zweiten sächsischen Kammer, ausgezogcn aus den »Mittheilungen über die Verhandlungen des Landtags.« (Schluß.) Abgeordn. Eb ert: Ich stimme nach meiner Uebcrzeugrmg und Erfahrung. Meine 12 jährigen Geschäftsreisen gaben mir Gelegenheit genug, die Juden Deutschlands und andrer Lander kennen zu lernen, worunter ich sehr viele rechtliche Männer fand, die an Reellität keinem Christen nachstanden und allgemeines Vertrauen genossen. Daher kann ich denen nicht beipflichten, die den Juden solche Laster aufbürdm wollen, die nicht-auch unter den Christm herrschend find. Es ist gesagt worden, daß fie den Handel an sich reißm. Ich könnte Ihnen mehrere Städte, außer Breslau, nennen, wo besonders der Modenhandel in den Händen der Juden ist, allein die christlichen Handelsleute sind selbst Schuld daran, indem sie nicht mit der Zeit fortgegangen sind. Ein ähnlicher Fall ist in meiner Gegend, wo darüber geklagt wird, daß die westphälischm Sensenleute dm Schnitt- und Modehandel an sich gerissen habm, aber die, welche sich darüber bcschwerm, sind Schuld daran, weil sie hinter der Zeit zurückgeblieben, und nicht mit derselbm fortgegangen sind. Es giebt einige Städte, wo kein Zuckerbäcker aufkommen kann, weil dieser Handel in den Händen der Schweizer, desgleichm Städte, wo der Citronmhandel u. dgl. m. in dm Handm der Jtalimer ist. Ich habe aber noch nicht darüber klagm gehört, wmn diese ihre Schätze, die sie hier erworben, in ihr Vaterland zurückbringm, was sehr oft vorkommt, daß sie dem Staat gefährlich waren; was die Juden doch nicht thun. — Abgeordn. v. Thielau: Wird man dem Zeugniß keium Werth beilegen welches ein Abgeordneter der Stadt Dresdm hier in unserer Mitte ausgestellt hat, daß die jüdischen jungm Lmte in dm Schulen zu Dresdm sich besonders durch Fleiß und Sittlichkeit auszeichnm? Sollte man also nicht abnchmm köunm, daß die künftige Gmeration der Judm auf einer andem Stufe sichen würde, als ein großer Theil der jetzigm? Ist cs dmn so unmöglich, daß auch ein achtbarer. und rechtlicher Mann jüdischer Nation durch seine Talente das allgemeine Wohl des Vaterlandes bcföcdcm könne? Ist es dem Lande nicht einerlei, von welcher Religion der Beförderer seiner Wohlthat sei, ob Wissenschaft und Industrie durch Judm oder Christen befördert werde? Abgeordn. vr. von Mayer: Die Juden sind die ruhigsten und folgsamsten Gerichts-Untergebmm, und solche Leute kann man überall brauchen. -— Die hiesigen Juden ernähren ihre Armm selbst, kein Christ giebt einen Pfennig dazu, im Gegmtheil geben die Judm Beittäge zur Erhaltung der christlichm Armen. Abg. v. Lepßer: Das Beispiel, das ich anführen will, wird zeigen, welche Votthcile auch jüdische Fabrikctablissemcnts einer Provinz oder dem ganzm Lande gewähren können; nur ein tüchtiger Mann muß der Dirigmt sein, gleichviel von welchem Glauben. Ich spreche hier von einer der .größten und umfassmdsim Fabriken in dm ösireichischm Staaten, - welche in Mährm vor dem Ort Weißkirchm von einem Juden, Namms Lange, etablirt worden ist. Es werdm in selbiger Tuche, Calikos und Nanking in außerordentlicher Menge fabrizirt, und der Verschleiß derselbm erstreckt sich in die entftmtestm Lande. Tausende von Mmschen werden hier beschäftigt und Millionm werden dem Lande zugeführt, auch .sind die Associos dieses jüdischm Hauses Christm von großm Mitteln und Einfluß. Abg. vr. v. Mayer: Wmn man von dm Juden verlangt, daß sie jede bürgerliche Pflicht übemehmm sollm, wmn man ihnm sogar den Dimst in der Communalgarde gestattet,'oder, wie man will, auflegt; so sehe ich keinm Grund ein, warum man ihnm die bürgerlichen Ehrenrechte mtziehen will. Worauf soll sich das gründm? Man wirft dm Judm vor, sie erhöbm sich nicht über das Gewöhnliche, sie hatten keinm Sinn für höhere Bildung, für Bürgerthum, Staat und Vaterland; wie will man denn zum Zwecke kommm, wmn man ihnm alle und jede ehrenvolle Stellung i unter ihren Mitbürgern gewaltsam abschneidet? — Glaubt