Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 66 (9.9.1837)
- Date
- 1837-09-09
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
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263 tücnben, kehrt der Tag zurück, so erwacht die Tücke der Verfolger. Fahr' hin, Granada, leb'wohl, Spanien, wir trennen unfern Theil von deinem.« Und so »änderte die Gemeinde Granada's aus, um sich mit ihren Brüdern am Meeresufer zu vereinen. Es schrecken sie nicht der Natur gewaltige Schrecknisse um sie her. Hast du dein Vaterland verloren, und die Stätte nicht mehr, wo du geboren bist und sterben wolltest, so wird die ganze Natur dein Eigenrhum, die Erde deine Braut. Wer wird die Hochzeitnacht an ihrem Busen furchten?! 28. Aber dort in den Gebirgen von Gabor, wo die Kräfte der Natur mit Allmacht walten, unter dem brüllenden Donner und den wankenden Felsen, wo Gießbäche aus den Klüften rauschend und sausend hervorströmen, wo hohe Fichten erst langsam und langsam ihre Häupter senken, dann wie in Verzweiflung über einander sinken, wo keines Menschen Laut hindringt und nur. Gottes gewaltige Stimme vernommen wird, — dort irret ein weibliches Wesen, auf dessen zatte Glieder die Elemente einstürmcn, und das sie aufzureiben streben; cs ist Dinah, Nissa's Tochter. Acht Tage und eben so viel Nächte wanderte sie hier im Gebirge von Fels zu Fels, von Wildniß zu Wildniß, Wurzeln waren ihre Nahrung 7 Felsenhöhlen ihre Lagerstätte in der Nacht. Jedes durch das Gebüsch schnell schießende Wild erschreckt die zarte Jungfrau, die die Feinde ihres Volkes immer hinter sich wähnt, und deren jugendliche Kraft dennoch so vielem Ungemach widersteht. Jetzt aber, als die Natur im wüthenden Aufruhr auf ihr Wesen einstürmet, als das Gefühl des Verlassenseins immer lauter spricht, jetzt droht sie zu unterliegen. Sie sinkt nieder unter Dornengestrüpp, und eine tiefe Ohnmacht raubt ihr das Bewußtsein ihres Unglücks. Und Wolkenströme 'stürzen hernieder, und Blitze spalten hohe Eichen bis zur Wurzel, und die Erde wankt schaukelnd wie die Wiege eines Kindes, — und Dinah erwacht nicht; Abgründe werfen sich um sie her auf, Feuersaulen erheben sich aus den Tiefen und verzehren den Wald, und Dinah erwacht nicht. Dennoch ist sie nicht allein. Neben ihr steht ein menschliches Weftn, ein alter Mann in Lumpen gehüllt. Von den Lumpen, den grauen Locken und dem langen Barte träufelt der Regen, Füße und Arme sind nackt, blutig vom Dörncnritz und verbrannt vom Feuer, aber das Auge voll Sehnsucht und mit Wohlgefallen nach der Jungstau gekehrt. Von Zeit zu Zeit zog er einen Dolch aus der Brustrasche und schleuderte ihn mit Kraft auf einen Baum, oder er brach in ein wildes Wuthgefchrei aus., oder er streckte seine Arme nach Dinah aus und rief weinend: Edla! Edla! Es war der alte wahnsinnige Morisko. Er war es, der das brennende Dach erstiegen hatte und die Jungstau gerettet, er, der jetzt mit ihr in der Wildniß umherirrte und der elende Gefährte ihttr Leiden war. Ec setzte sich neben sie, nahm seinen Mantel ab und bedeckte.sie damit, suchte Blumen, wand einen Kranz und umflocht ihre nassen Locken. Da ertönte Posaunenschall, stark wie von der Posaune des großen Gerichtstages ertönt das Echo weit durch das Waldgebirge, zehnfach wurde der Klang zurückgegeben. Bei diesem Schalle erwachet Dinah. »Das sind meines Volkes Trommctcn,« ruft' sie aus, »das sind die Klagetöne Israels, sie verkünden das gebrochene Leben, es ist die herzerschütternde Musik der.Weltgeschichte Israels.« Und mit Hast ergreift sie die Hand des Alten, der ihr willig nachfolgt. Noch eine Bdrgfpitze ist zu erklimmen, wer malt die Aussicht? Der weite.Meeresspiegel liegt vor ihnen, — der Sturm ist vorbei, die Sonne glanzt wie ein Held, der den schweren Kampf des Verhängnisses siegreich bestanden, Schiffe liegen da in der Bucht von Almeira. Und am Ufer das Lager Israels, das Lager der Auswanderer. Ach, nicht so schön sind deine Zelte, Jacob, deine Wohnungen, Israel, als zur Zeit, wo Beor's Sohn *) dich segnete, aber dennoch erquickend ihr Anblick dem Auge des Verbannten, — wie Bäche, langgestreckt, wie Gatten am Sttome, wie Aloe, vom Herrn gepflanzt, wie Eedcrn am Gewässer. Dott ist Rettung! Immer heller ertönen die Posaunen, sie rufen zum letzten großen Gottesdienst auf Jbrriens Boden. Es lagern sammtliche südliche Gemeinden. Der König hatte ihnen Schiffe zur Uebcrfahrt versprochen, aber die wenigen konnten nicht den dritten Theil Volkes aufnehmen, und dennoch waren die Zurückbleibenden mit Sklaverei bedroht, wenn sie den Einigen nicht abschworen. Dotthin eilten die Schritte des israelitischen Mädchens und - des geisteskranken Mauren. Und ihr Blick ttifft zuerst — Alonzo, den spanischen Hauptmann. Er war nach dem ttaurigen Ende Arama's und dem fruchtlosen Versuche der Mönche, sich Dinah's zu bemächtigen, seiner Haft und seines Dienstes mtlasscn worden. Das Haus Arama's fand er niedergebrannt, hötte von dem wunderbaren Ende der Jungftau, und konnte dennoch den Gedanken ihres Todes nicht fassen. Deswegen eilte er nach dem Lager der Gemeinden. Vergebens forschte er hier nach Dinah, — also war cs doch wahr, sie war nicht mehr! ,Und jetzt sah er sie wieder, die Blüthe ihrer Schönheit schien zerknickt, Frostschauer schüttelte die ermatteten Glieder zusammen, und nach einem Blicke, in welchem sich der'Kampf der Resignation mit der Liebe aussprach, bemächtigten sich *) Bileam. '