Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 66 (9.9.1837)
- Date
- 1837-09-09
- Page
- Seite 262 (sequence 2)
- Language
- German
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263 aller jetzt beitretendcn Mitglieder des Vereins werden den Statuten einverleibt, und ihr Verzeichniß mit abgedruckt, worin auch ihr Mehrbeitrag nahmhast gemacht wird. §. 9. Sollten Unbemittelte wünschen, dem Vereine nützlich zu sein, ohne daß sie den ganzen Beittag leisten können, so können allerdings Mehrere zusammentteten, um als ein Mitglied des Vereins zu gelten. Minderbeittäge aber als die genannten halben Thaler vierteljährlich können nicht angenommen werden, cs müßten denn freiwillige Gäben fein. §. 10. Jedes Mitglied bezahlt bei seinem Einttitt ein beliebiges Eintrittsgeld, um hieraus einen vorläufigen Fonds zu bilden. §. 11. Jedes Mitglied des Vereins, welches fünf Jahre dem Vereine angehört hat, hat, wenn Benöthigung einttitt, in Betteff seiner Kinder den Vorrang in den zu ertheilendcn Unterstützungen. §. 12. Es wäre zu wünschen, daß die Gemeinden aus. ihrem Etat einige Nummern des Vtteins durch Beittäge bestellten, weil den eigentlichen Statuten noch die Frage bleibt, ob nicht nach Verhältniß ihrer Beittagenden die einzelnen Städte in dtt Ertheilung der Untttstützungen zu berücksichtigen wären. Belletristik. Die Marannen. Novelle aus dem letzten Zahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts.* (Fortsetzung.) 27. Amphitheatralisch erhebt sich der jüdische Begräbnißplatz vor den Thoren Granada's. Zahlreich zerstreuet findest du dott die Monumente des Lebens für den Tod, die weißen Leichensteine, Myrthen beschatten die Gräbn, ihre Ruhe ist einladend für den Unglücklichen. Wie still ist das Grab, wie schön ist der Tod! An jenem Ende erblickst du eine offene Tcmpelhalle von weißem Sandstein, eingegraben in ihr auf Marmor, »daß der Felsenschutz ohne Fehl, gerecht und redlich sein Thun, unabänderlich sein Rathschluß.« Zu diesen. Marmortafeln mit -den goldnen Wotten drängte die Masse, Einzelne verlorm sich unter den Gräbern, umfingen noch einmal die Denkmäler ihrer Lieben, und ihre Thränen vermischten sich mit den Thauperlen an den dustmden Blüthm des wilden Thymus. Als aber nun ein hundertjähriger Greis die Stufen dtt Tempelhalle bestieg, als er die heiligen Töne der Aboda und Versöhnung begann zur Feier des Einig- Einzigen, und beim weitschallenden Gesang vor dem allmächtigen König der Könige die ganze Gemeinde auf die Kniee sank, — siehe! —-*) Da samrqelten sich düstere Wolken am Horizont, in dichtem Gewebe umhüllten sie die Blaue des Himmels; immer weittt und weittt sich verbreitend, immer *) Geschichtlich. starker und stärker werdend, schienen sie ein Gebirge bilden zu wollen, das sich zwischen Himmel und Erde aufthürmte. Jetzt verdunkelt sich auch die Sonne, ihr Trabant verhüllt ihren Schein, wie das Niedere das Höhere überall im Erden» leben. Eine Finsierniß hat sich auf dem ganzen Lande, gelagert. Horch.! da dröhnt es dumpf in der Ferne, die Donner Jehovah's. rollen, erst in leisem Geräusche, dann immer lauter und lauter mit Krachenden sterblichen Menschen betäubend. Es erhebm sich des Meeres Fluthen, Woge stürzet auf Woge, die Gewässer thürmen sich auf, und schicke» zischend ihre Sttöme nach oben. Feuersäulen fallen vom Himmel herab und zerschmettern ihre Massen; heulend wühlt der Sturm in dm Wasserttümmem, bis sich dtt unterirdisch» Kampf der Elemente erneuert. Auf allen Gesichtem malt sich dtt Schreckm,. bestürzt sehm die Spanitt auf Israels Söhne, des Greises hohe Gestalt steht unerschüttert da, und die Blitze des Höchsten belmchten sein Antlitz. »Dtt Httr hat geantwortet, meine Brüdtt, hört die gewaltige Tochterstimme *) aus dem Allerheiligsten fei«« Wohnung beim Klange dtt Aboda.« Also mfet dtt Greis, und weithin erschallet noch einmal ihr Heilig! und Amm! Jetzt aber wanket und bebtt die Erde, als rissen unterirdische Mächte an ihren Vesten, als zerspränge ihr'Herz; es reißet der Bttge Geklüft auseinander, von dm Alpuxares strömet Feuer gm Himmel und erhellt schauerlich die unverhoffte Nacht. So begegnen sich die untem und obem Feuer, als loderten die Decken der Ausdehnung und der Erde, als begegnen sich Hölle und Himmel. Femhin sieht man Gräbtt sich öffnen, abtt weite und riefe Gräber, und diese umfassm ganze Dörfer und verschütten ganze Städte, Urwälder sinkm in die Tiefe, und reißen was da lebet in dm Abgrund. Selbst unter Granada wanket der Bodm, die Spitzm seintt Cathedralm schmettem Hemieder, stolze Paläste sinkm zusan» men und begraben ihre Bewohner. Da schweigt dtt blinde Judenhaß. Ach, in dtt Stunde dtt Noch und des Todes ist Alles vttgcssm; da ist das Gcmüth der Probirstein deS Edlm und Guten. Wahrlich, was du da nicht willst, solltest du immer nicht wollen! Alles flieht aus dm Häusem, die keine Sichtthcit mehr darbieten. Alles eilet jetzt dahin, wo Israels Gemeinde auf den Kniem liegt und die Äboda feiert. Alles hält sich an den kaltm Leichmsteknm fest, AlleS glaubt in dm ftemden Tönen die Zusicherung göttlichtt Gnade und Verzeihung zu -finden. »Gott hat geantwortet,« begann dtt Greis noch einmal, ' »Berge wanken, abtt seine Treue nicht. Uebtt die zitternd» Erde lasset uns dm Fuß setzen und uns nach dem Meer» *) Balh - Kol.