Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 65 (7.9.1837)
- Date
- 1837-09-07
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
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358 Ne Form der allgemein«, Literatur annehme, daßsie sich fortan größten Theils in den europäischen Sprachen bewegm mußte, so in der deutschen, ftanzöfischen, englischen. Allerdings stand hier Manches im Wege. Theils in stofflicher Hinsicht konnte man so schnell dem allgemeinen Standpunkte nicht Nachkommen, und die jüdische Theologie hat daher noch langst nicht den hohem wissenschaftlichen und philosophischen Standpunkt erreicht —.fte ist wesentlich noch populär, und erst die drei letzten Jahre haben darin bedeutmde Fortschrittegemacht. Diese populäre Theologie mußte aber desto vielfältiger angebaut werden, je mehr sie in die Hände Vieler gegeben war. In sprachlicher Hinsicht mußte erst eine Generation gekommen sein, die rein aus dem Standpunkte der Gegenwart ausgewachsen, auch jenen orientalischen Typus in Schwulst und Bilderüppigkeit verloren hatte, welche der altem jüdischen Literatur eigen war. Daß die Gegenwart zu diesem Triumphe gekommen, und cs Juden genug giebt, die zur Meisterschaft im Ausdrucke gelangt sind, ist hinlänglich bekannt. Da hat sich denn abermals' ein großes Feld eröffnet, in welches'wir .'mit frischen Kräften einrücken, so daß eine Entfaltung des Geistes erwächst, die zu dm schönstm Blüthm und Früchten sich eignet. (Fortsetzung folgt.) Th e o l o g i e. Legenden. Nach dem Talmud. M. Veit.*) »Kmntniß ist Macht,« so lautet ein berühmtes englisches Kernwort. Kenntniß ist Liebe, möchte ich hinzufügm. Was mir fcmsteht, ohne mich zu berühren, ist mir gleichgültig, was jedoch, obgleich cs mir fernsteht, meine Bahnen kreuzt, ist mir unbequem und gespenstisch; ich muß es hassen, wmn ich mich nicht mtschließen kann, es in der Fülle seiner Eigmthümlichkeit zu erkcnnm, und diese Erkmntniß ist. der Beginn der Liebe. Aber was dem Einzelnen ein rascher Entschluß, die Frucht eines redlichm und muthigen Willens ist, das bedarf in'dem Bildungsgang des Geschlechts einer unmdlichm Reihe von Anstrmgungen und Opftrn: der fiebemde Pulsschlag des Mmschm, was vermag er gegm dm jahr- *) Wir haben in No. 23 unserer Zeitung auf die Talmudischen Legenden im 2. Thule der Dioskuren von Mündt aufmerksam gemacht, und darauf zurückzukommen versprochen. Um so angenehmer ist es uns, die Erlaubniß des Herrn Derf. zu haben, und theilen demnächst den größten Th eil des Aufsatzes und einige der Legenden mit. d. Redact. Hundertweisen Herzschlag der Weltgeschichte? Die Völker haben sich daher nicht so schnell und muthig mtschlossm, zu erkennen und zu lieben, als dies einzelnm, hochbegabtm Menschen zu allen 'Zeiten gelungm ist. Am schwersten aber hat jene Trägheit gegenseitigen Erkcnnens auf dm Judm, als einem ftemdartigm Elemente der Europäischm Gesellschaft, gelastet, das, durch kein natürliches Band der Verwandtschaft, der Sprache, der Sitte an die Nationen geknüpft, nur durch die Vermittlung geistiger Erkmntniß sich mit der umgebmden Welt assimiliren konnte. Und man sagt gewiß nicht zu viel, wmn man behauptet. Laß keine Leidmschast, die jemals gegm Juden in die Schranken ttat, weder Fanatismus, noch Habsucht und Neid, selbstständig gmug war, um nicht aus dieser stets offnen Rüstkammer alles Hasses, aus der gänzlich m Unwissenheit über die Zustände und Meinungen der Juden, die kränkmdstm Beweisgründe, ja, eine Art von Berechtigung zu schöpfen, die der Uebermacht niemals mtstehm wird. »So dürfte gerade hier,« wie ein eben so gelehrter als scharfblickender Schriftsteller neuerlich ausgesprochen hat, »das Heilungsgeschäft in Verschmchung der Finsterniß bestchm, die Humanität unmittelbar in der Wissenschaft.«. Es ist mit einem Worte nicht blos die Gegenwatt und die Zukunft der Juden, die der Staatsmann, es ist ihre Vergangenheit, die der Gelehtte zu emancipicen bcrufm ist. Man hat sich lang gmug damit begnügt, einzelne-Einwürfe und Anklagen zu widerlegm, die beschränkte Köpfe aus dem Aktenwusi der rabbinischm Literatur zu untcrstützm und als Brandmark >der Gesammthcit des religiösen und bürgerlichm Lebms der Juden auftudrückcn beflissm waren: endlich ist? man gewahr wordm, daß solches Stteitm nicht eine Handbreit feindlichen Terrains crsiegt, ja, daß cs recht eigentlich dazu gemacht ist, auch den Bertheidiger von jedem' allgemeinen Standpunkte abzulockcn, und seinen Geist, eben so wie des Gegners, in der Enge unftuchtbarer Betrachtungen verkümmem zu lassm. Da war cs hohe Zeit, daß die Gelehrsamkeit diesm nutzlosm Gucrillaskrieg aufgab und mit gedrängten, mauerfesim Colonnen historischer Darstellung cinm Massrnkrieg begann,' vor dem die feige Schaar kleinlicher Vocurtheile zerstieben mußte.' Ueber ganze Seiten des jüdischen Alterthums verbreittte sich nun jmcs Helle und wohlrhätige Licht der Geschichte, in welchem ein Factum, eine Erscheinung, nicht blos als starres, .ftcmdcs Gespenst, fonbcm als eine flüssige, lebmvolle Gestalt sich darstellt, die ihre Wurzeln und ihre Verzweigungen in dem gemeinsamen Leben des Volkes, die ihrm eigenen Bildungsgang, und ebm darum eine Zukunft hat; nun erst wagte man es, zur Ergründung des innem gefchichttichm Zusammmhanges vorzuschreiten und so- , rpit an die edelste Tugend des Zeitalters, dm Glauben an