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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-07 · Heft 65 (7.9.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 65 (7.9.1837)
Date
1837-09-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i. Z-hrg-ng. AttgeMei«e No. «s. Zeitung des Zudenthums. Ein nnpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köuigt. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 7.September 1837. Ueber die Grundsätze der Redaction. (Fortsetzung.) Alles das, was in der Masse, bewußt und unbewußt, wie in dem Schooße eines metallreichen Gebirges, an edlem Gute verborgen lieget, erwächst und sich häuft, es wird zu .Lage gefördert durch die Schachte und Stollen der Literatur. Die großen Geister einer Nation schweben über derselben, wie der Geist Gottes über dem Abgrund, in welchem jedoch Alles, nur chaotisch, vorhanden war. Sie schaffen es heraus, und geben Gestalt und Organisation, aber der Stoff war in der Nation. Zm Dünkel vergangener ßetf glaubten die Autoren, Selbstschöpfer und geistige Selbstherren der Völker zu sein, von denen sie.doch erst erhielten, was sie nur bildeten und in die Erscheinung riefen. Darum , ist auch ein jeder Schriftsteller, so großen und umfassenden Geistes er auch ist, an die Verhältnisse seiner Nation, an die Bedingungen seiner Zeit gebunden. Sie sind nur geistige Geburtshelfer, aber die Nation gebärt, und die Produkte sind Kinder der Letzteren,^ und seien sie selbst oft Mißgebutten. Darum sind allerdings die Schriftsteller die Repräsentanten ihrer Nation, wenn sie nur nicht einzeln, sondem in ihrem Zusammenhänge mit derselben gefaßt werden, und die Verdienste der Literatur sind die Verdienste des Volkes. Die jüdische Literatur hat so wenig je aufgehött, als das Zudenthum selbst. Ja, die Literatur des jüdischen Volkes begann mit der Existenz des Volkes selbst (Bibel), und das ist ein eigenes Geschick, in welchem keine andere Nation ihr gleichkommt. Zwar schweigen die.Jahrhunderte nach der Erbauung des zweiten Tempels bis zu den Makkabäem, — aber es ist neuerdings nachgewiesen, daß eine ziemlich bedeutsame jüdisch-griechische Literatur sich in jener Zeit schon vorbereitete, wmigstens seit Alexander, und bis Joseph und Philo hinaufteicht; und diese ist eben so wenig als «nvolkschümlich zurückzuweiftn, wie die spätere jüdischarabische Literatur, die allerdings das Glück hatte,, größtentheils später ins Hebräische übertragen zu werden, um gleichem Fremdwerden, als die erstere, zu entgehen. Die europäischm Völker hatten das Glück, zu jeder Zeit eine allgemeine Sprache zu besitzen, deren sie sich zu europäischen Veröffentlichungen bedienen konntm, so die lateinische, dann die ftanzösische Sprache. Gegenwärtig ist der Zusummenhang zwischen den Nationen so bedeutend, daß durch Uebertragung von einer Sprache in die andere schleunigst für jedes Bedürfniß gesorgt wird. Die jüdische Literatur hatte dieses Glück nicht, in einer allgemein verständlichen Sprache zu reden, und jene Versuche, am allgemeinen geistigen Leben durch das Griechische und Arabische Theil zu nehmen, wurden allzubald dadurch,, daß diese Sprachen vom allgemeinen Schauplatze abttaten, zurückgewiesen. So war denn die jüdische Literatur gleich ihrem Volke isolitt, durch Sprache und Stoff vereinsamt, da Letzterer bald allein Religion und Geschichte der Nation umfaßten. Was man nicht kennt, verachtet man'bald; und mit der Nichtachtung des Volkes ging die Nichtachtung der jüd. Literatur Hand in Hand; Beider Schicksale waren unauflösbar aneinandergeknüpst — ganz verschieden z. B. von dem Geschicke der Griechen. — Als darauf die Juden zu europäischem'Bewußffein erwüchten, als sie begannen, von einem Extteme zum andern überzugehen, und an die Stelle der Alleinwerthschätzung dessen, was jüdisch war, die Hochhaltung des Europäischen ttat: drohte der jüdischen Literatur eine neue Gefahr. So wie sie früher in Vergessenheit bei den Nichtisraeliten versunken war, so sollte sie nun auch von der eigenen Nation vergessen und verachtet werden. Jndeß bewährte sich auch hier die alte Erfahrung, daß im Bereiche der Menschheit Nichts verloren geht, was irgend eine bedeutsame Tendenz verfolgt, irgend einen bedeutsamen Charakter an sich trägt. So gelingt es der neuesten Zeit, die jüdische Literatur wieder zu Ehren zu bringen, und ihre großartigen Momente an den Tag zu fördern. Vttgessen wird nur das werden, was des Aufbcwahrens nicht würdig ist. Je größer die Hindernisse sind, die sich dem Sudium der jüdischen Literatur gegenwärtig cntgegenstellen, desto lohnender wird der Eifer sein, der darin walten muß. Es war aber natürlich, daß im Ganzen mit der Annäherung an die europäische Bildung die jüdische Literatur auch

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