Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 64 (5.9.1837)
- Date
- 1837-09-05
- Page
- Seite 255 (sequence 3)
- Language
- German
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355 Belletristik. Der Jude auf dem Feste Gutenbergs.(I) Dem Tag, den segnend feiert die ganze Menschenwelt, Dem Mann, der alle Pfade des Lebens hat erhellt. Der Kunst, die allem Wolke der Kenntniß Früchte beut, Bringt auch der Enkel Zakobs ein Lied des Lobes heut. »Wie! beugt der starre Jude vor Bildern jetzt sein Knie? Bekennt er, daß von Fremden er seine Weisheit lieh? Hebt flehend er vom Boden die kraftentleerte Hand? Entsagt im Reich des Denkens er auch dem Widerstand?« Nicht beuget jenem Steinbild sich mein ergrautes Haupt, Dem Menschen nicht der Nacken deß, der dem Gott nur glaubt. Ich habe ftoh durchschritten die Thore dieses'Orts, Den Sieg hier mitzufeiern. Gottlob, den Sieg des Worts! Ich bin die Welt durchzogen wohl eine lange Zeit, Hab' rüstig durchgekämpfet manch' blutgenähtten Streit. Im Kampf mit Stahl-und Eisen, da hatt ich wenig Glück; Doch wich im Kampf des Wortes vor Niemand ich zurück. Das ahnete mein Water schon bei dem Segen dort: . »35te Hand, die Hand ist Esau's; doch Jakobs ist das Wort! ‘) Als Gott mich auserwählte, Lichtträger ihm zu sein. Gab er mir keine Waffe, als nur das Wort allein. Schwer haben mich gefesselt so Babylon als Rom, Als nieder in die Tiefe mich zog ihr mächtger Sttom; Doch über alle Fluthen hielt mir das Haupt empor Das Wort, die Himmelsgabe, die niemals ich verlor. Das.W ort war stets mein Harnisch, das Wort war mein Panier, Hoch über Bergesspitzen ein Leuchthurrnfeuer mir. Es ward in Roth mein Labsal, in Dürftigkeit mein Gut, Eia Balsam der Belebung entströmte meinem Blot. Ich ward verfolgt, verfluchet, gemartert auf den Tod, Mein Name schmachbeladen, mein Leben mordbedroht; Der Geist war haßumlagert, der Leib in Banden lag, — — Ich schweige von den Qualen, sonst trüb' ich diesen Tag-. Doch als mein letztes Erbtheil schon traf des Feindes Gier, Schuf ich ein Heer von Zeichen lebend'ger Thateu mir. Ja tausend und in tausend Symbole eiugepreßt. Hielt jede der Gestalten das Ewig — Eine fest. - Das warm starke Typen, geschnitzt aus Flammengrund! Hieroglyphenreihen, mir tief im Herzen kund. Das waren dunkle Schriften, drin Gott verborgen lag; Ja ihrem Dunkel strahlte für mich ein . Frühlingstag. Bald wühlten nun die Feinde in der Gestalten Heer, Die Klugen warfen Netze in meiner Zeichen Meer, Derläumder schossen Pfeile voll Giftes mir ins Herz, Mit meinen Heiligthümern trieb jeder Spötter Scherz. cs) Ans dem Phönix N. IM. 12. August, y Genes, Kap. 27. D. 22. Schier drohte da zu schwinden die überspannte Kraft, Israels Geist ward müde, zum Sterben fast erschlafft. Ein Funke nach dem andern erlosch im wüsten Sturm, Und Finsterniß besiegte die Leuchten auf dem Thurm. Zwar nicht verschloß den Schriftschatz ich im geheimen Schacht, Zwar nicht verbot das Lesen mir trübe Priestermacht; Das Forschen war geboten; doch nur von Mund zu Mund Ward in des Volkes Kreisen die theure Lehre kund. Da ward mir in der Stunde der tödtlichsten Gefahr Vom Himmel reiche Hilfe, glanzvoll und wunderbar. Durch Gutenberg vollzog sich, der Spruch, von Gott gesandt: »Wie Wasserfluth den Meersgrund füllt Kenntniß einst das Land.« ') Schnell griffen Jakobs Söhne zur neuen Geisterkunst, Aeronauten flogen durch Nebel und durch Dunst, Was ein Gemüth empfunden, was ein Verstand erdacht, Ward schnell zu allen Brüdern in jedem Land gebracht. »Vernimm, versteh', belehre und schreibe!« 5) also sprach Zu mir die Stimme Gottes, der kam ich spärlich nach; Doch durch der Presse Allmacht erfüll' ich ganz die Pflicht, Belehre, schreibe, drucke — so fehlt der Segen nicht. Bis in die kleinste Hütte drang Weisheit hell und ftei, Werständniß lehtte sichten den Warzen von der Spreu. Sich Wissenschaft zu sammeln ward jedes Menschen Ruhm, Nicht mehr allein der Reichen und Lehrer Eigenthum. So lange Licht nur brannte in wen'ger Menschen Haus, Losch bald ein Sturm, ein'Regen die kargen Lichter aus; Doch nun in jeder Wohnung ist helle Gluth zu sehn. Da kann kein Regen löschen, da kann kein Sturm verwehr». Zum Ringen um die Wahrheit zog rastlos mich mein Sinn Wierhundett Jahr' aufs Neue im steten Kampfe hin. Fest meinen Sinn verschanzend in meines Glaubens'Burg, Forscht ich mit Hellem Brande die finstern Räume durch. Ich hab's allein-begonnen, vollbracht Hab' ich's allein! Ich Hab' allein gekeltett der Wahrheit edlen Wein! Kein Mensch hat mir geholfen, *) ich schulde keinen Dank; Ich trug allein die Fahne, die nie zu Boden sank. Seht hier mich unbezwungen, seht hier mich unverletzt! Der alten Zeichen Menge entsag' ich willig jetzt; Durch's Wort Hab' ich gestritten, durch's Wort Hab'ich gesiegt, Dies Zauberschwert genügt mir, wo mich ein Feind bekriegt. Doch mehr noch, als ich hoffte, erwarb mir dieser Gang, Mitkämpfer für das.Gute aus jedem Volk und Rang; Sie reinigten die Waage des Rechts von Rost und Wahn, Und sah'n, daß ihre Väter nicht gut an mir gtthan. Da reichten sie die Hand mir und lieh'n mir Schwing' und Stad, Und lösten meinen Armen die alten Fesseln ab. Wir sah'n uns an und staunten, das Herz von Scham durchwühlt, Daß uns gettennt und feindlich ein Nichts so lange hielt. 2) Zes. Kap. 11. V. 9. 3) Deut. Kap. 6. V.» 8.16. Kap. 11. 23.20. 4) 3eC Kap. es. V. s.