Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-05 · Heft 64 (5.9.1837) · p. Seite 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 64 (5.9.1837)
Date
1837-09-05
Page
Seite 256 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224803--00462-3298746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

256 So hat das Wort gesieget, mehr als das Schwert vermocht. Dem ew'gen Licht der Wahrheit schuf Gutenderg den Docht; Das Licht brennt immer Heller, der Docht bleibt stark und klar. Mehr denn sonst hundert Jahre hilft jetzt ein einz'ges Jahr. Der Schatz, der mir vertraut ist, und den ich treu bewacht, Wird jetzt in allen Zungen ins fernste Meer gebracht;' Die Wildheit wird gezahmet, der Blutgier wird gewehrt. Und so wird einst zur Pflugschaar das allerletzte Schwert. s) Dies Alles dank' ich ftcudig dem gotterfüllten Mann, ' Deß Fest aus allen Ländern uns heute zog heran. Die Gabe, die ich bringe, ein Herz, das warm ihn ehrt,, Ist traun so viel als Einesin diesem Kampfe werth! ' Ent ge gnun g. In No. .23 dieses Blattes äußert sich ein Berichterstatter aus »München über das Schulwesen« folgendermaßen: »daß-aber bisher nicht alle Religionsschulen mit den Elementarschulen vereinigt wurden, da doch der Lehrer gewöhnlich beide verstehen kann, und überdicß die schönen Früchte solcher schon vereinigter Schulen bekannt find, daran ist öfters derjenige Th eil der Gemeinde hinderlich, der keine schulpflichtigen Kinder hat; wo diese Leute also blos zur Besoldung u. s. w.« - Wir können nicht umhin, zu behaupten, daß diese Angabe der Ursache nur in wenigen Fällen sich bewahrheitet. Sondern die Lauvt- und fast alleinige Ursache ist Las bestehende Gesetz, daß kein jüd. Elementarlehrer mit weniger als 300fl. besoldet werden darf. Dieses hält von der Vereinigung in den meisten Gemeinden -zurück und zwar den Theil der Gemeinde, welcher schulpflichtige Kinder hat, , nicht weniger als den, welcher keine hat, weil beiden Theilcn die Last zu schwer sein würde, eine solche Besoldung zu ertheilcn. Würde.von der Köm'gl. Staatsregierung dieses Gesetz aufgehoben, und den jüd. Lehrern gleich den christlichen ein in Rücksicht auf die Zahl und den Vermögensumstand der Gemeindeglicder verhältnismäßiger Gehalt bestimmt, oder zu geben gestattet, so würden bald wenige Schulen in Bayern sein, in welcher jene Trennung noch Statt hat, oder es müßten ganz andere Umstände es verhindern, wie z. D. die Beschwerden der christl. Gemeinde. Schreiber dieses weiß es aus Erfahrung. Einen Beweis liefert auch die Thatsache, daß da, wo cs die Kräfte der Gemeinde nicht zu sehr überstergr, 360 fl. zu geben,-jene Vereinigung bereits wirklich eiagctrcten ist. Die Israeliten in Bayern ttzun wahrlich ihre Schuldigkeit in Ansehung des Schulwesens. Das wird Jeder gestehen müssen, der hierin unpcrttheiisch urthcilt. In den meisten Landgemeinden* *) hat der nicht bemittelte Israelit, selbst wenn er keine Kinder hat und der Gehalt nicht 366 fl. bettägt, 8 —12 fl. zu zahlen. Man schließe non aus den, der Kinder hat, oder einiges Vermögen besitzt, oder wenn der volle Gehalt zu 500 fl. gegeben würde, und. frage: ob kn irgend einer christlichen Landgemeinde ein Mitglied, mit oder ohne schulpflichtige Kinder, eine solche Ausgabe zur Erhaltung des Lehrers zu bestreiten habe. Es ist gewiß eine übertriebene Anforderung, wenn'man von Gemeinden zu 15 — 30 Mitgliedern (in stärkeren ist größtenthcils eine jüd. Elementarschule) verlangt, sie sollen 300 fl. Gehalt, freie Wohnung, ftei Holz u. s. w. geben, während von der christlichen Gemeinde, welche 200—300 stark ist, dabei Stiftungen und liegende Grundstücke besitzt, und 8) Jes. Kap- 2. V. 4. *) Von den großen Städten rede» wir nickt. den Ertrag als Gemeindeschreiber in Anschlag bringt, der Lehrer — nur 250 fl., bald mehr, bald weniger als Gehalt bezieht. Um das Gesagte zu veranschaulichen, erlaube ich mir beispielsweise die hiesige Gemeinde anzuführen, welche übrigens eine Elementarschule hat, weshalb auch der Vorwurf der.Partheikichkeit oder des Eigennutzes mich nicht treffen kanü. In dieser, welche nicht viel über 40 Familien zählt und eine Elementar - und Religionsschule vereinigt unterhalten muß, beträgt es auf den Familienvater, der 1000 fl. reich ist, und keine fchulpflichtige Kinder hat, mehr als 15fl.; auf den, der vermögenlös ist und nur soviel verdient als er braucht, aber eins oder zwei schulpflichtige Kinder hat, nicht weniger. Dabei sind sie größtentheils, und sollen sie doch alle Handwerker und Landwirthc werden, wie es' ihre christlichen-Nachbaren auch sind; dabei haben sie noch außerdem Abgaben zur Cultus - und Armenkasse, dabei noch Steuern und zum großen Theile Schutzgelder zu. entrichten; dabei ein Schulhaus bauen zu lassen u. s. w. Hieraus kann man stch schon, wie ich glaube, einen hinlänglichen Begriff machen, wie es durchaus nicht Gleichgültigkeit für die Schule ist, wenn manche andere Gemeinde, besonders, wenn sie nur 10—20 Familienglieder zählt, sich weigert, einen Lehrer aufzunehmen, der mit drei H unde rt Gulden besoldet werden muß. Soviel zur Berichtigung der angeführten Aeußerung. ‘ Da ich indessen auf diesen Gegenstand einmal zu sprechen gekommen bin, so sei es mir gestattet, an meine Glaubensbrüder noch einige Worte hinzuzufiigen, um die Ausinerksamkeit der Edlen und Gutgesinnten auf einen-Punkt hknzulenken, der wohl Beachtung verdient. Aus dem Gesagten erhellt schon, wie drückend ' die Lage der meisten jüd. Gemeinden auf dem Lande sei, und wie schwer cs ihnen falle, die Ausgabe zu bestreiten, welche sie leisten müssen, bevor sie noch an ihren häuslichen Gebrauch kommen. Dieses, ist aber in der Wirklichkeit noch weit trauriger, als ich cs hier angedeutct, und wenn — was wir in Bayern übrigens vertrauensvoll noch während dieses Landtags hoffen — nicht bald eine Verbesserung unsrer Verhältnisse eintritt, so wird fie höchst beklagenswerth. Aus allen Gemeinden wandern Leute aus und machen sie noch ärmer an Mitgliedern und an Geld. Aber wenn auch, wie wir in Bayern von der Gerechtigkeit unseres Königs und der Humanität unserer Landstände zu ermatten berechtigt find, eine Verbesserung unserer Verhältnisse oder selbst eine Gleichstellung uns zu Theil wird, so wird wohl das Uebel um vieles gemindert, aber nicht ganz gehoben werden. Immer wird noch die Lage der jüd. Familien und vorzüglich auf dem Lande, mit Ausnahme einiger wenigen Reichen, eine höchst beklagenswert he sein. Wenn der jüd. Handwerker und Oekonom eine bedeutende Summe zu verausgaben hat, die seinem christlichen Nachbarmit dem er gleiche Geschäfte bettcibt, nicht'obliegt; wie soll er neben diesem nach bestehen und zurechtkommen können? Nehmen wir nun noch hinzu, daß in einigen Staaten wieder auf eine Zeit rein die Hoisnung zur Gleichstellung benommen ist, daß sic also auch ihren bürgerlichen Druck forttragcn und unhcr bürgerlichen Beschränkungen fottdulden mögen: so ist dieses Veranlassung genug, darauf zu denken, wenigstens soweit unsere Kräfte reichen, auf eignem aber gesetzlichem Wege den armen Glaubensbrüdern Erleichterung zu-verschaffen. Dieses könnte geschehenwenn ein ausgebreiteter Unterstützungs-Verein für jüdischen Cultus und jüdische Schule gegründet würde, an dessen Spitzesich natürlich die ersten Männer unter Israel stellen müßten.' Es scheint Manchem vielleicht phantastisch, aber man denke nur ruhig darüber nach, und die Möglichkeit der Ausführung, wie die Heilsamkeit seines Wirkens' wird Niemand mehr bezweifeln. Es kann hier' meine Absicht nicht sein, einen detailittcn Plan zu entwerfen oder eine förmliche Aufforderung ergehen zu lassen; ich begnüge mich für jetzt, es avgedeutet zu haben, in der Hoffnung, daß ein Mann von Ansehen und Talent die weite« Ausführung übernehmen werde. Vielleicht dürfte der geehtte Redakteur dieser Zeitung selbst sich dazu bewogen fühlen. Unsleben im Juli 1837. Dr. g. Adler. Rcdacteur': Dr. L. Philip pson« — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haaök.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.