Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 63 (2.9.1837)
- Date
- 1837-09-02
- Page
- Seite 251 (sequence 3)
- Language
- German
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251 die Straßen und riefen: »Verbannung und Tod den Marannen!« Immer wüthender und tobender wurde der Lärm auf den Plätzen und an den Thorm; in seinem Hause zitterte der Jude und befahl seine Seele seinem Schöpfer. Bedächtigere verbargen in ihre Kleider ihre Kostbarkeiten, Muthigere verrammelten die Thurm und bewaffneten sich. Auf sechzehnhundert Häuser stürmte jetzt der Pöbel, Tod und Plünderung war sein Begehrm. Schon warm sie in mehrere Häuser eingedrungm, und nicht das Kind an der Mutter Brust, nicht das Weib Ha Arme des Gatten, nicht der Greis auf dem Siechlager wurde geschont, Blut färbte das weiße Estrich, und mit Hohngelächter standen die Wütheriche vor dm seufzenden Sterbmdm und weidetm sich an dm Zuckungen ihrer Schlachtopfer und an dem Angftgeschrei der Verzweiselndm. Aber jetzt hörte man des Alkadm Herolde auf der Straße, dem Volke wurde des Königs Befehl bekannt gemacht, daß bei Todesstrafe Niemand das Besitzthum der Zudm angreifen solle, das dem Staate gehöre. Sie sollten aus ihren Häusem mtfemt und auf dm Platz vor der Alhambra geführt werden. Die Dimer der Inquisition wurden einberufm, die Häuser von Soldatm besetzt und ihre Bewohner abgeführt. Als sie unter dem Schutze -der Behörde versammelt warm, waten die Rabbinm zur Behörde, und wugm ihr einziges Vcrlangm vor, noch r'mmal mit der Gemeinde dm großm Begräbnißplatz b-fuchm zu dürfm, ehe sie die Stadt mieden. Dies wu'cde gewährt, denn man konnte sie dort am bestm vor der Wuth des Pöbels schützm. Jehudah und Dinah ryarm in dieser schrecklichen Stunde beisammen; er umfaßte d^Z Mädchm seines Herzms, sie wolltm vereint dm Todesstsß auffangen. Die Thränm Dinah's stoffen nur auf die s^utzlosm Enkel Arama's. Da Wat der Prior des Klosters Jmit Gonzago ein, und hinter ihnm brach eine Mmge durchs die sich nur mit Mühe von den heiligm Männem und ih^m Begleitem zurückweism ließ. Der Prior zog ein Schreib^ der Inquisition hervor, daß die Jungstäu mit dm Kindes, die sich, nach dem Ausspruch des sterbmdm Arama, nach -der Seligkeit der Kirche sehnten, dem Schutze des Klosters /übergebm sei. Gonzago sah hohnlachend auf Jehudah. Dieser warf sich mit gezücktem Degm zwischen die Jungstabr und die Priester, nur über feinm Leichnam gche der W^g zu ihr. Dinah drückte jetzt heimlich feine Hand: »Ihr entfernt Euch, Don Jehudah, ich folge dieftn Männem, Jhr«crlaubet nur, Herr Prior, mir ein thmres.Kleinod mitzunehrMn, das ich unmöglich hier zurücklassen kann.« Mit diefeMWorten eilte sie in eine anstoßmde Kammer, ungeduldig Wrctm die Mönche. Da erscholl plötzlich.der Ruf: »Rettet c^vch, rettet euch, das Haus steht in Flammen'.« und ein dicker Qualm und Schwefeldunst zog aus allen Ecken zum Zimmer ein. Mit einem Schrei des Entsetzens stürzte Jehudah in's Gemach, wo Dinah verschwundm war, aber der rachgierige Haufe riß ihn und die Kinder mit sich sott. Krachmd stürzte schon Balkm auf Balken, prasselnd ereilte die Flamme das Schieferdach, auf dessen glühenden Stemm man jetzt die Jungstau bemerkte; sie irne umher und schauere nach dm Gärtm der Moriskos, laut empfahl sie ihre Seele dem Schöpfer, und war im Begriff, sich in dm brmnmdm Pfuhl zu stürzm, als eine gräßliche Menschmgestalt auf dem Dache erschim,' im Nu das Mädchm erfaßte, sie .in dm zerlumpten purpurrothm Mantel hüllte, und eben so schnell dm mtsetzlichm Sprung nach dm Gärten wagte. Beide sieht man nicht mehr, und das zufammcnfallendc Gebäude stürzt ihnm nach, und scheint der große Grabhügel der Unglücklichen zu werdm. (Fortsetzung folgt.) Zwei Sinngedichte, aus dem Hebräischen des Eben Esra und Simon Bloch, M. E. Stern in Wien. 1. Strömte hin mein Thränenfluß Ganz nach meinen Nöthen: Würde nie ein Menschenfuß Trocknes je,betreten; Doch nicht mit der .Sündfluth blos Ward ein Bund vollzogen. Za, auch meinem Lhränenloos Schien — ein Regenbogen. 2. Warum die Lahmen und die Blinden Bei Jedermann doch Mitleid finden. Doch bei der Weisen Mißgeschick Sich trübet keines Menschen Blicks Weil Jeder sich bewußt auf Erden, Daß niemals ihm wird Weisheit werden: Doch Niemand ist assecurirt. Ob er nicht blind und lahm einst wird. Miszelle. Die Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Ehristenthums unter dm Juden hatte im vorigm Jahre ein Ein-