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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-02 · Heft 63 (2.9.1837) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 63 (2.9.1837)
Date
1837-09-02
Page
Seite 250 (sequence 2)
Language
German
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250 herab, die Greise saßen weinend auf dem Estrich des Tempels, ihre Thränen flössen auf die Mollen, die die alterthümlichen Gesänge der verlorenen Freiheit enthielten, vom ersten Wchgeschcei des trauernden Jeremias auf dem Steinhaufen Jerusalems bis zu der Zeit, wo Europa's Krieger von Neuem nach den Trümmern im kleinen Palästina strömten, und die Kreuzzüge nach dem heiligen Grabe mit der Niedermetzelung der Nachkommen des Volkes eröffneten, nach dessen Lande die Andacht sie fortriß. Stille folgte auf Wehklagen, man horchte auf, am Fuße der heiligen Lade begann ein Greis das Lied Jehudah Hallevi's, das er gesungen unter den Mauem der heiligen Stadt, sein letztes Lied, bevor er unter den Hufen des Pferdes eines Arabers seinen Geist aushauchte. Der Gesang hörte auf, aus der Lade hob man die Gesetzesrollm, und verlas das lebendige Wort des Herrn, das die Augen erleuchtet und. die Gedanken erhebet. Jeder horchte auf die Geschichten der alten Tage, wo Israel vertrieben ward vom Grabe seiner Väter, nachdem der Tempel in Flammen aufgegangcn und Zions Burg zerstört war. Fünfzehn Jahrhunderte warm indeß in das große Meer der Zeit gesunken, und noch fanden die brennmden Füße der Vertriebmm keine Ruhestatt in des Feindes Landm, und die Gefangmschaft hörte nicht auf. Siehe, da dringt eine Jungstau durch die Versammlung^ eine Tochter Israels, und ihre Schönheit wird angestaunt von den versammelten Fraum und Männern, — es ist Dinah, Nissa's Tochter. Sie küßt die Rollm des Gesetzes in dm Händen des greism Lehrers, sie besteigt die Stufen am Altäre, sie erhebt ihre Stimme: . »Männer Israels! ihr staunet ob der Kühnheir eines Weibes, welches waget, die heilige Stätte zu betreten, aber keiner Entweihung des Heiligthums zeihet ihr mich an dem heutigen Tage, wo wir weinen und, klagen, dasselbe verlassen zu müssen. An solchem Tage gewinnt die schwache Jungstau Kraft zu redm vor ihrem Volke, und die Worte des Propheten gehen in Erfüllung: Deine Jünglinge werdm Prophetm und deine Töchter Weissagmde werden. Noch einmal umfangen uns diese Mauem, schon ist die heilige Lade leer, und das Kleinod, das wir seit des Herm Erscheinung auf Sinai bewahrt, ist ihr mmommen und in unsere Mitte gestellt; o daß es da lebe -in unserem.Herzm, und die Leuchte werde auf der finstem Bahn, die wir zu wandeln habm, daß es werde der Trost unftrs Unglücks und die Hoffnung unsers Lebens. Des höchsten Gottes Gewitter umlagem unsere Häupter, da stehen wir verbannt und verstoßm vom Vaterlande, und wissen nicht, wohin den Fuß wmdm, wie das verscheuchte Reh. Es geht der Priester mit dem Volke, der Herr mit dem Knecht, die Frau mit der Magd, der Reiche mit dem Armen. Der. Schrecknisse viele sind seit langer Zeit über uns ergangen, aber der Herr sprach immer: Geh' hin, mein Volk, in deine Kammer, und schließe die Thür nach dir zu; verbirg dich einen kleinen Augenblick,''bis der Zom vorübergehe. Jetzt ist's anders. Was uns jetzt bettoffen, es gilt nicht einen einzelnen Mann, nicht eine einzelne Familie, die einzelne Gemeinde, — es trifft das gesammte Israel in Spanien. Aber so spricht der Hnr Herr, der Heilige in Israel: Wenn ihr stille seid, so wird euch geholfen, durch Dulden und Hoffen werdet ihr stark sein. Auf, laßt uns das Geheiß erfüllen, laßt uns'Hanen! .Wahrlich, ich sage euch, die Hülst wird nahe sein, cs wird kommen der Bote des Herm, er wird euch in Trübsal Brot und in Aengsten Wasser geben. Und eure Ohren werden hören die Worte hinter euch sagm: Dies ist der Weg, denselbigen gehet, sonst weder zur Rechten, noch zur Linken. Der Weg aber ist der Weg der Demuth vor dem Herrn, der uns über die Wasser führen wird, wie er es durch die Wüste gethan. Lasser robm die Völker und der Erde Könige wider uns aufstehen, wir wollen ruhig Abschied nehmen von diesen Hallen, kein Blut beflecke die Pforten des Tempels, mögen, sie hinnehmen unsere Hauser, wir lagern unter des Himmels ewigen Zelten, bis daß er Kunde schicker, wohin wir uns wmdm, und die Brüder sich gesammelt. Keine Empörung, meine Brüder, Gottes Strafgericht wird sie tteffen; tt wird seine Meßschnur über dieses Land ziehen, daß es wüste werde, und ein Richtblei, daß es öde wttde, daß ihre Herren heißen müssen Herren ohne Land, und alle ihre Fürsten ein Ende haben; und werden Domen wachsen in ihren Palästen, Nesseln und Disteln in ihren Schlösscm. Aber unsere müden Hände wird er stärken, und stützen das strauchelnde Knie, und unsere Wüste und Einöde wird lustig sein, und das Gefilde wird fröhlich stehen und blühen, wie die Lilien.« Jetzt durchbebte eine wehmüthig? Freude die Gemeinde. Israel ist noch nicht verloren, so lange es Jungfrauen wie diese und Jünglinge wie Jehudah Abarbanel hat. Aber die heiligen Kleinodien werden herausgettagen aus des Tempels Pforten, und weinend und wehklagend stürzt die Menge uach. Mit bloßen Schwertem gehen den Gesetzesrollen Jünglinge zur Seite, doch selbst die niedere Volksklasse weichet scheu und' ehrfurchtsvoll zurück, denn Jeder fühlet ttotz des Judenhasses, »daß die Lehre von Zion ausging, und das SBort des Herm von Jerusalem.« 26. Am Morgen des fünften Mai 1492 läutetm die Sturmglockm von der hohm Kathedrale in Granada. Schergm der Inquisition mit dem niedem Pöbel im Bunde durchzogen

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