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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-02 · Heft 62 (2.9.1837) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 62 (2.9.1837)
Date
1837-09-02
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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247 zur Sprache geführt werden, sondern, er soll sie praktisch erlernen. Au'dem Ende genügt das fiatarische Lesen mit-grammatischer Analyse nicht, sondern alle Theile der heiligen Schrift müssen mit dem Zögling cursorisch gelesen und wieder gelesen werden, er muß ganze Kapitel der Psalmen, - der Sprüche, des Jesakas auswendig lernen und sie bald mit deutscher Ueberfetzung, bald ohne dieselbe deklamiren. Insbesondere muß der Scharfsinn geweckt und das Gedächmiß geübt werden, so daß beim statarischen Lesen Parallelstellen ausgesucht werden müssen, um die vollständigste, aber zugleich auch einsichtsvollste Bibelkenntniß in der Ursprache zu erlangen. Man verzeihe den Vergleich, er scheint uns aber passend: Wer ein Instrument spielen lernt, den wird der vernünftige Lehrer nicht gleich mit der vollständigen Theorie , der Tonkunst, mit allen Regeln des Generalbasses bekannt machen, sondern er wird darauf sehen, daß er die gehörige mechanische Fingerfertigkeit und Notenkenntniß bekommt, um Herr über das Materielle zu werden; er wird ihm keine Vorlesungen über Akustik haltm, aber er wird sein Ohr gewöhnen, 'Vas Harmonische vom Unharmonischen zu unterscheiden. Ueberall muß das Materielle, das Mechanische den Grund bilden, auf welchem das Höhere, das Ideelle Blüthen treibt. Der künftige jüdische Theologe habe daher im Augenmerk, daß er die Sprache in die Gewalt bekomme. Die passendsten Lehrbücher sind daher die von tüchtigen jüd. Sprachkennern verfaßten und wir haben dabei ungefähr folgende Stuftnfolge vor Augen: 1) das vortreffliche Elementarbuch von Salomon und Wolf, Dessau 1818. 8. (Hier ist zugleich eine erste Anleitung zum Lesen des Rabbinischen vorhanden). 2) das Elementarwerk: Moda libneh bi nah von M. Philippsohn in der 2. Auflage. Leipzig 1823. 3) Zur cursorischen Lektüre a) Pentateuch — Proverbia b) Josua, Richter — Psalmen, c) Könige — Jesaia u. s. f. 4) Zur statar. Lektüre: Gesenius hebr. Lesebuch neben seiner Grammatik. . 5) Lesen der Rabbinischen Abschnitte aus den Commen- -taren von Eben Esra, Raschi — Abschnitte aus Schulchan Aruch, Mischnajoth (des. Aboth) vgl. Methode im Prchigt- und Schulmagazin 7 Band S. 49. ff. Zu gleicher Zeit Studium des chaldäische« Idioms nach 1) Grammatik des biblischen und targumischen Chaldaismus von Win er. Leipzig 1824, und dessen Chaldaisches Lesebuch, Leipzig 1825. Zu spaterem, tieferem Studium: 2) Lehrgebäude der aramäischen Idiome, von I>r. Julius Fürst. Leipzig 1835, und dessm Perlenschnüre, Leipzig 1836. Eigentlich theologische Wissenschaften und ihre Hülfs wissen schäften. 1) Exegese. Alles, was zum richtigen Verstehen der heil. Schrift nothwendig ist, ber"hk auf linguistischen, historischen und allgemein-philosophischen Kenntnissen. Wenn wir daher die Exegese ganz auf ihrem eigenthümlichen Gebiete betrachten, so geht sie gewissermaßen der Inhalt der Schrift, ihr dogmatischerund moralischer Werth gar nichts an. Der Exeget ftagt zunächst nicht, was sie für einen Werth habe, er will zuvörderst erst verstehen. Er kann und muß daher die Bibel nach denselben Regeln und und Gesetzen wie jede andere Schrift behandeln, denn die Exegese ist blos der Inbegriff der Kenntnisse, woraus der wahre Sinn dieser Schriften hervorgeht. Dennoch ist es unter gewissen Bedingungen vom vortheilhaftesten Einfluß auf das Studium der Bibel, ryenn auch der Exeget mit gewissen vorausgefaßten Gedanken und Gefühlen, die ihm die Historie der Schrift giebt, an'sWerk geht. Bringt man doch etwas ’ Aehnliches zu den Werken des griechischen und römischen Alterthums mit, ehe man sie kennen lernt.' Diese classischm Werke ziehen als Erzeugnisse hoher Bildung und Kunst und durch ihre größere Mannichfaltigkeit mehr an, als das scheinbar hinter ihnen zurückstehende Bibelbuch. Aber bei diesem treten andere Rücksichten ein, die uns in der Stimmung aufrichten können. Die Bibel ist 1) durch ihr Aller merkwürdigem gewissen Theilen alle andere Werke des Alterthums' darin übertreffend. Aber noch wichtiger wird sie 2) durch den großen Einfluß, den sie durch alle Jahrhunderte auf den menschlichen Geist gehabt hat; 3) ist sie merkwürdig und ehrwürdig durch das Interesse, welches sie feit so langer Zeit in unzählbaren hochgebildeten Geistern erweckt hat, welche sich . auf die verschiedenste Art und in verschiedenen Beziehungen, aber doch sämmtlich mit großem Interesse damit beschäftigten, der Eine als Historiker, der Andere als Geograph, der Dritte als Sprachkenner und Forscher oder als Antiquar oder als Sitten- und Religionslehrer. 4) Ist ein großer Theil der Bibel wirklich im grandiösesten poetischen Style abgefaßt, der die erhabensten inneren Anschauungen darbietet. 5) aber muß sie insbesondere dem theologischen Denker sehr wichtig erscheinen, da sie in seiner Hand das Werkzeug werden soll, wodurch er in seinem Beruf wirken soll und dessen er für seine Zuhörer jedenfalls bedarf.' 6) Der jüd. Theologe insbesondere sieht in der Bibel das Eigenthum seiner Nation, wodurch sie sich als solche erhalten, welches sie empfangen, bewahret und den Nationen mitgej theilt, da von Zion die Lehre und das Wort des Herrn von j Jerusalem ausging.! (Fortsetzung folgt.)

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