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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-29 · Heft 60 (29.8.1837) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 60 (29.8.1837)
Date
1837-08-29
Page
Seite 239 (sequence 3)
Language
German
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ihm nach und geben Andern ein Beispiel! Vielleicht gelingt es, diese Wohlthat nach und nach allgemein zu machen. Cs gilt hier nicht, etwas Neues zu erfinden, sondern nur etwas schon Erftmdenes einzuführen und zu verbessern. Vollkommenheit ist nicht in dieser Welt der Unvollkommenheit. *) — Man schicke einen sachverständigen Mann nach Weimar, um sich von der innern Einrichmng des dortigen Leichenhauses gmau zu unterrichten. Könnte man sich aus der bloßen Beschreibung hinlänglich belehren, so wäre das nicht einmal nöthig. Der Stifter des Leichensauses jener Stadt ist zwar todt; allein es giebt noch Aerzte in Berlin, die sich für diese Angelegenheit interessiren, und gern mit ihrem Rache zur Hand gehen würden. So viel über einen Gegenstand, den ich von Neuem wieder in Anregung zu bringen für meine Pflicht hielt. O b und wann einst die Erfüllung folgt, wird die Zeit lehren. Bedeutsame Aussprüche der zweiten sächsischen Knnrurer, ausgezogen aus den »Mittheiümgen über die Verhandlungen des Landtags.« (Fortsetzung.) Abg. Hartenstein: Wie bekannt haben sich, aus Spanien vertrieben, im 16. Jahrhunderte viele jüdische Familien in der Türkei, angesiedelt? große Kapitalien dorthin gebracht, ihr Fortkommen daselbst gefunden, und sprechen die spanische Sprache noch heute als ihre Muttersprache. - Die Toleranz hat aber so wohlthatig auf sie eingewirkt, daß dieser Stamm sich immer durch Fleiß und Thätigkeit, durch Treue, Redlichkeit und Solidität im Handel und Wandel ausgezeichnet hat, was,ich durch meine frühem commerziellen Erfahrungen bestätigen kann. — Stellvertr. Secr. Cuno: Gewiß, meine Herren, läßt sich die Anforderung nicht länger zurückdrängen, welche von unveräußerlichen Menschenrechten abgeleitet, unfern jüdischen Landsleuten zur Seite steht, die Anforderung, nicht an unser Mitleid, nicht an unsere Großmuth, sondern an unsere Gerechtigkeit. Während die Verfassung die Scheidewand zwischen den Standen niederzureißen, die Last der Pflichten mit dem Gewinn entsprechender Rechte auszugleichen verheißt, können wir nicht wollen, daß lediglich Zufall der Geburt den — *). Vorstehender Aussatz ist dem 3ten Th eile meines Werkes: »yceugton und ^udenthum« entnommen, der wie auch der zweite bis letzt noch ungedruckt ist. - Möchte ich doch bald in den Stand gesetzt fern, das Werk vollständig herauszugeben! Wegzur Ausbildung und Benutzung eigmthümlicher Fähig, keiten und Anlagen unwiderruflich versperre. — Abg. Wieland: Ich mache darauf aufmerksam, daß, nach dem Zeugniß der Geschichte, die Juden gewisse Eigenschaften des Geistes und Hebens auszeichnen, die sie noch ganz besonders zum Staatsbürgetthum zu befähigm scheinen. Rühmt man nicht am Judm seine Thätigkeit, seine Betriebsamkeit? rühmt man nicht auch gewisse moralische Seiten, nicht seine Mäßigkeit und Nüchternheit im häuslichen Leben? rühmt man nicht die Innigkeit seiner Familienbande, nicht die eheliche Treue, mit welcher ein Gatte dem andern zugethan ist? Wenn es nun. wahr ist, daß wesentlich auf guten Ehen und der moralischen Innigkeit der Familienbande die moralische Stärke des Staats beruht, so wird im Allgemeinen der Jude und auch die sächsische Judenschast zur Erhebung dieser moralischen Stärke beizuttagen im Stande sein. Etwas ist mir aber am Juden besonders achtungswetth; das ist sein tteues Festhalten am religiösen Glauben seiner Väter, an jenem Glauben, der ihn in dm christlichm Ländem von jeher so vielm Bedrückungm ausgesetzt hat. Wmn der Christ nicht aus innerer Uebe^eugung und nach dm Mahnungm seines Gewissens, sondem aus Eigennutz, oft um schnödes Geld, ^seinen kirchlichm Glauben verläßt, um einer andem Kirchmparthei sich zuzuwmdm, so sagt man, er begehe eine verächtliche Handlung. Erscheinungm dieser Art aber sind nicht so sehr seltM in dem Gebiete der christlichm Kirchmpartheim. In dieser.Beziehung aber-ist es, daß dm stolzey Christen der Jude, der verachtete Jude, so oft beschämt, der mit Hintansetzung aller politischm Vorcheile seinem religiösm Glaubm ttm bleibt, um sich dm Friedm seines Gewissms zu bewahren. — Abg. Junghanns: Seit einer langm Reihe von Ja hrm habm Verhältnisse mich Judm nahe gebracht. , Es handelte sich dabei um Mein und Dein, wo der Mmsch am besten kennen zu lernen ist, und ich muß gestehen, daß ich keine schlimmere Erfahrung bei ihnm gemacht habe, als bei Christen. Mehrere habm mir das Gestandniß gemacht, daß sie mich besser behandelten als Andere, weil sie von mir besser behandelt würdm als von Andem. Ich habe femer die Juden in dm Landern beobachtet, wo sie theils auf der tiefsrm Stufe der Emiedrigung gehalten werden, theils wo sie im Uebergange zur Freiheit-begriffen sind, theils wo sie volle Freiheit genießen, und ich habe gefunden, daß sie gmau so sind, wie sie behandelt werdm. — ‘ Vicepräs. Dr. Haase: ^enn die Judm sich überall im Lande niederlassm dürfen, wmn sie sich so vereinzelt im Lande verbreitm, so wird Niemandem im Lande ein fühlbar drückmder Nachtheil zugefügt,, und auch für die Judm wird daraus

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