Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 59 (26.8.1837)
- Date
- 1837-08-26
- Page
- Seite 235 (sequence 3)
- Language
- German
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235 nicht, so befreundet doch gleiches Schicksal selbst auseinanderstchende Partheim, und sie verloren an ihnen eine um so mächtigere Stütze, da jene-Gewandtheit genug besaßen, sich in der Verwaltung der Güter, durch Rath in dringmden Lagm, durch devotes Bmehmm, das dmnoch weit von niederer Kriecherei mtfernt war, sich unentbehrlich zu machm. ' Unter dm Judm selbst gab es eine Menge, die sich kräftig gmug dünktm, im Bunde mit den" neuem Christen, mit dm Mauren und einigm Großen, mit gewaffneter Hand dem Verbaunungsbefthl sich zu widersetzm und mit ihrem Lebm ihr Eigenthum zu erkämpfen, ein anderer Theil hoffte auf Zurücknahme des Decrets, oder tröstete sich mit besonderem Schutze des Himmels oder der Erwartung von Wundem; Andere aber fingm an, sich in die Nothwmdigkeit zu fügm, und für ein Geringes Habe und Gut hinzugebm. Schon sah man lange Züge dieser von den klemm Gemeindm, wo sie sich nicht sicher glaubtm, nach den größeren Städten wandern. Dm Mönchm und Machthabem konnte die allgemeine Aufregung nicht mtgehm, sie warm auch nicht ohne Furcht vor der Verzweiflung der Vertriebenen. Darum ^wurden die angesehmstm Rabbinm aus dm Städten mtfemt und nach gewissm Ortm hingewieftn, um ihnen die Gelegmheit zur Aufteizung der Volksmassen zu nehmm; darum '«ging Torquemada's schrecklicher Befehl, daß keinem Christm bei Todesstrafe erlaubt sei, einm jüdischm Flüchtling in sein Haus ' aufzunehmm, oder auch nur Brot und Wasser zu verabreichen. Auch in Granada wurden die königlichen Befehle verlesm. Jehudah hatte nach jener Audimz Abarbanels dm Befehl feines Vaters erhallen, alldort zu bleiben, sich mit aller Kraft des Schicksals der südlichm-Gemeindm anzunehmm; er fordette ihn dringmd auf, dm Leichtsinn der Jugend abzulegm, und durch große Entschlüsse und feste Führung seines Volkes dessm rettmder Engel zu werden; er selbst wollte bei den' »ördlichm Gemeinden bleiben und zur Zeit ihm die femerm Entschlüsse mittheilen. Es bedurfte dieser Auffordemng nicht. Der Jüngling war zum Manne gereist, die wmigen letztm Monde hattm der Welt dm farbigm Rosmschimmer genommm, die grelle Wirklichkeit stand vor ihm mll ihrm colossalm, erdrückmdm Felsstückm; sein Herz war verwundet von hoffnungsloser'Liebe zu dem Mädchen, das'er bis jetzt mit dm Augm des Bruders angesehm, und dessm Neigung zu dem im Kerker schmachtenden Freunde in ihm erst die Gefühle erwecktm, die in dem kindlichm Gemüthe noch kein 'deutliches Gepräge angenommen hattm; sein Herz war verwundet von gekränktem Stolze, er sah die Größe seines Vaters schwinde«, die ihn bis dahin unangreifbar und ei» von sich selbst ergebender Vorzug gefchimm hatte, — er sah dm! Zwiespalt, dm die Leidenschaft unter dm Menschen anrichtcte, die er bis dahin als die freundlichen Genossen zur Verschönerung und Erheiterung des Lebens angesprochm hatte, — mit einem Worte, er fühlte die kalte Hand des Schicksals, -welches ihm früher vom Mmschm selbst abhängig gebäucht hatte. Es war ein fürchterliches Erwachen aus dem Morgmttaume der Jugend, und die Sonne traf heiß die glatte Stim. Im erstm Taumel dieses Ecwachms, wo er die Eigmschaftm des erfahrmm und geprüften Mannes an 'dm Tag legen und im Gewühle umher mit ordnendem Geiste eingreifm sollte, sollte er zugleich sein eignes Selbst aufgebm und für Andere in die große Wage des Geschickes legen zu einer Zeit, wo dieses Selbst am stärkstm angegriffen und erschüttett war. Und dennoch war es vielleicht diese Last der Außenwelt, die hier für ihn ein rettmdes Heilmittel wurde, — im großm Interesse verliett sich das kleine uns betteffenve, 'und wäre es auch' noch so edel, der innere Sturm in des Menschen Brust wird durch den äußeren noch wilderen übettäubt, der die Flamme im Herzm verweht, während 'äußere Stille sie verzehrmd und aufteibmd waltm lassm würde. Aber auch mit Dinah war eine Veränderung vorgegangm, und diese wirkte mächtig auf Jehudah Abarbanel. Die erste Zeit, nachdem sie dm väterlichen Fcmnd und dm Geliebtm verlorm, ging in einem stumpfm Trübsinn dahin, nichts fesselte ihre Auftnerksamkeit, sie bemerkte des Jünglings Kampfs nicht, nicht die unbeschreibliche Zärtlichkeitmit der seine Augm auf ihr ruhtm, nicht feine stillen Thränen, nicht die Gluth feiner Hände bei der Berührung der ihrigen, nicht sein scheues Zurückweichm und das Aufhörm der sich hingebmdm und dreisterm Liebe' des Bruders. Alonzo und Arama warm ihre einzigm Gedanken, tausend Pläne ihrer Rettung befchäftigrm sie Tag und Nacht, in der nur wüste Träume ihr Angstgefühl vermehrtm, in dmm sie bald dm einm oder andern vom hohm Felsen in dm Abgrund stürzm, bald, in schwerm Fesseln schmachten, bald auf weitm Meeren verschlagm und von dm Wellen fottgerissm sah. Dieser Zustand schim ein Erlöschm des Lichtes ihres klarm Geistes zu dwhm, nur die Kinder, die ihre Zärtlichkeit jetzt gegm sie verdoppelten, rissm sie aus demselben. Dann schauete das Bild des Vaters drohend auf sie herab, und die Erinnerung seiner letztm Worte, obgleich ein Hauch aus der Geisterwelt, wies sie zurück auf das Lebm, und fachte das Bewußtsein ihrer Pflichtm lebhafter in ihr an. Und als sie nun das drohmde Unglück ihrer gesammtm Nation vernahm, als ein Brief von mönchischer Hand ihr das Schicksal Arama's schildette, und dm Verdacht schwarzen Verraths auf Alonzo warf, — da riß sie mit Gewalt das Bild des Geliebtm aus ihrer Brust, — und obgleich sie die Schuld deffelbm zu bezweifeln anfing,