Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 59 (26.8.1837)
- Date
- 1837-08-26
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
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234 hier lächelte er wild — sie hat nur Gefallen an dem Tode des Sünders. Ich bi» ein alter, grautt Jude, ich habe schon gesündigt im Mutterleibe, chrwürdige Patres, ich habe mein Leben lang gesündigt, denn — mit aller Kraft schrie er hier auf — ich habe gebetet, daß euer Haupt alle Verwünschun- - gen treffe. Straft mich, ehrwürdige Patres, ich verdime es, aber euer Zorn treffe nicht das Mädchen, es ist ein theures, mir anvertrautes Gut, auch nicht den Jüngling dott, dmn er ist ein rechtgläubiger Christ. Nun, macht's kurz, denn sonst kommt der Tod von selbst. Ich bin ein alter Arzt, ich kmne ihn, ich habe ihm oft genug scharf in's Auge gesehen.« Die Kräfte versagten ihm, er fiel zurück, und suchte vergebens sich aufzurichten, er stützte die «ine Hand auf den kalten Erdboden und zeigte mit der andern um sich herum. Phantasieen des-Sterbenden erfaßten seine Sinne. »Seht da den Glanz,« sprach er hastig, »Himmel Elias! Elias, nimm mich in deinen Mantel, in deinen Sternenmantel, Prophet! Elohe Ldi, meine Seele schmachtet nach dir, — Elias, dort steht das Krmz der Ungläubigen, schmettere es nieder! Er naht, er naht, der Bote des Herm, gesegnet dein Eingang! Nissa, Niffa, dort ist deine Tochter, reiße sie weg vom Kreuze, die schwarzen Mönche wollen die Tochter Israels schänden! — Ich bin ein alter, grauer Jude, ehrwürdige Pattes! — Tisbite, der Tag des Herrn ist nicht mehr fern, Hosiannah, Hosiannah, jetzt sind sie fott, dir Mönche. Israel, dein Gott ist ein einzig«, einziger!« Alonzo trat hinzu, er erhob den sterbenden Greis von der Erde und hieltihn in seinen Armen, seine Thränm sielen auf daserloschene Auge. Die Mönche standen stumm. »Gieb mir meine. Enkel wieder,« stammelte der Greis, »führe sie her, Christ, daß ich meine Hände auf sie lege und sie segne. Was wollt Ihr hier, Don Alonzo, hier ist des Todes Gruft, es ist kalt und schauerlich, im - Kerker.« »Eurm Segm, Arama,« stammelte Alonzo, »ich bin unschuldig an Eurem Unglück.« Der Alte streckte die Hand -aus, aber sie fiel ermattet auf Alonzo's Schulter: »Esau, ich habe für dich keinen Segen mehr, du hast die Erstgebutt des Herrn verscherzt.« Jetzt zeigte des Gesichtes Zucken den letzten Todeskampf, aber noch einmal verklärte sich der Blick des Sterbenden, und in den letzten Augenblicken kchtte das reine Bewußtsein zurück. Seine letzten Wotte begleiteten dm Geist nach Himmclshöhen. »Mein König und Vater, im Himmel und auf Erdm gebenedeiet fei dein Name und die Herrlichkeit deines Reiches auf ewige Zeitm, — deine Gnade komme zu uns und segne meinm Ausgang, mache rein meine. Seele durch's Verzeihen meiner Sündm, deine Gerechtigkeit walte über Israel, Amen. Arama war verschieden. Larenbrüder trugen die Leiche und verscharrtm sie im nahen Gebüsche, kein Stein bezeichnet die Grabstätte des Arztes Arama;. doch er ruhet nicht mircker sanft von seiner langm Pilgerung aus. Als wäre nichts vorgefallm, richtete jetzt der Inquisitor seinen Blick auf Alonzo, er fordette ihn auf zur reuigm Be» kennmiß seiner Sünden, er.hielt ihm dm Verdacht des heimlichen Judmchums vor, von dem er sich zu reinigm hätte, wenn er nicht die Sttafe des Gerichtes auf sich ziehm wolltt. 'Alonzo sah ihn bitter an. - »Pater Inquisitor, es ist jetzt schlimm, Jude zu sein, aber wahrlich noch schlimmer fast Christ. Ich kmne das Verbrechm nicht, das mich hierher geführt. Ist es nur dir Liebe zu der reinen Jungftau, die ich anbete, und die in dem Greife hier ihren Beschützer verlor^ so bin ich mit meinem Sündenbekenntziß zu Ende und Ihr kmnt es schon.« Alonzo wurde noch einmal befragt, in wie weit Dinah seine Liebe erwiedett hatte, ob er Versuche gemacht, sie zum Christmthum überzuführen, nach seinem Vcrhaltniß zu Abarbanel, und dann trotz seinem dringendem Verlangen nach Freiheit von Neuem in's Gefängniß geführt. 24. Wer beschreibt dm Schreckenals die Mischen Bewohner Spaniens die Wotte des sürchterlichm Decrets vernahmen, wer das Unglück, welches hereivbrach in die geängstigtm Familim! Ab« auch unter dm christlichen Bürgem erzmgtt der Befehl eine Gährung der Gemüther. Man war nicht blind genug, um zu verkennm, daß diese. Maßregel des Mönchchums der Ausgelassenheit des Pöbels Thor und Thür öffnen werde, und wer vermag dm überschwemmmdm Strom der Volkswuth und des Fanatismus in sein Bett zurückzuführen? Da der Jude, wie Abarbanel richtig bemerkte, keine Schuldforderuugen an dm Bürger hatte, die anderswo die Entfernung des verhaßten Mahners als eine Befreiung vom bürgerlichm Drucke willkommm hieß, da er vielmehr die Herbeischaffüng der Bedürftnsse für Edelmann und Bürger besorgte, und der Theit, welcher nicht mit den Wissmschaftm beschäftigt war, größtmtheils dem Handwecksstande zugehörte, so drohete eine völlige Auflösung aller bürgerlichm Verhältnisse. Man erkannte die politische Gewalt, welche die Geistlichkeit über Spanien gewonnm hatte, -man merkte, daß man ihr zu fteies Spiel gelassm, und daß die Bigotterie der Herrscher die 'Nahrungsquelle ihrer Schandchatm und des Derderbms.des Landes wäre. Besonders warm die Größen aufgeregt, denn in den vergangenen Jahrm hatten sie ihre Unabhängigkeit, und Viele, die sich dem Joche nicht unterwerfen wolltm, ihre Güter eingebüßt > liebtm sie auch die Judm