Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 59 (26.8.1837)
- Date
- 1837-08-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i. J-chrgang. lüCCgettteitte No. 59. Zeitung -es ZudcnthumS. - , ' . Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köaigl. Sächsischer aLergnädkgster §once,'sion.) - Leipzig, den 26. August 1337. SBeUtttMlif. Die Marannen. Novelle aus dem letzten Jahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts."' (Fortsetzung.) - 23. , In dem düstern Kerker, auf dem-.feuchten Strohlager, schmachtete Arama. Die ehrwürdige Gestalt des Mannes war unkenntlich gewordm, erloschen der Glanz der Augen, eingefallen das Gesicht. Nur ein dumpfes Wimmern stieß der Unglückliche von Zeit zu Zeit aus, es waren Angst- und Bußpsalmen, die er heiser abfang, aber bald versagte die Schwäche der Stimme oder des GedächMisses das Ende des Liedes. Er erwartete den Tod, die zitternde' Rechte griff nach der Linken, als wollte sie mit kundigem Takte die schwindenden Pulse der eigenen Maschine erlauschen. Er fühlte, der alte Arzt, immer schwacher werdend, das Zittern seines Her; zens, er schauderte vor dem Todesfchweiß an seiner Stim, die Zunge lechzte nach einem Labetrunk, aber wo war ihm der Tröster, der er Andern so oft gewesen? Dann sank er betäubt zurück, Bewußtlosigkeit umnebelte die Sinne, oder selige Träume umgaukelten dm tiefm Schlaf. . Träume 1 dmn bald war es ihm, als stände er auf den dm Trümmern des Tempels zu Jerusalem und hörte das Weinm der Gottheit: Wehe, wehe! daß ich mein Haus zerstöret und meine Kinder vertrieben habe. Oder er betete am Grabe.der Könige, und eine Engelsgestalt nähere sich ihm: - Du sollst auf diesm Trümmern nicht beten, Israelit, du sollst nur weinm! Traume! und er stand an der Wüste, sein Auge suchte nach einem, grünm Platze, sein.Ohr horchte auf das Murmeln eines Quells, aber vergebms, — da erscheint ein Mann mir strahlmdem Antlitz, und schlägt mit dem Stabe in der Hand'auf einen hohm Felsen, es quillt Wasser von reinem Krpsiall, der Lechzmde wankt hin, — da sieht der Mönch hinter ihm mit verzogenem Gesichte, und halt ihn zurück und zerschellt sein, .graues Haupt am Felsen, aber' die Donner rollm upd der Mann mit dem Stabe trägt ihn auf zu den Wolkm, die sich lichten. Er erwacht und der Mönch steht wieder da, in seiner Hand die Kerze, und rüttelt und ruft den Allen, daß er ihm folge. Vergebens reckt er die zerschlagmen Glieder, aber die Gewalt erhebt ihn und man fühtt Ärama vor seine Richter. Sie stehen wieder da im alten Gemäuer und aufgerichtet ist wieder das Kreuz des Glaubens auf dem Tische. Aber auch Alonzo ist da, von Männem umgeben. Als er den herbeigefuhrten Greis erblickt, erfüllt sein Schreckenslaut die weite Halle, der Greis blinzt ihn an, und fährt mit der Hand über dir Stim, als wollte er ein Bild der Erinnerung aus dem alten Gehim hervorlocken. »Arama,« spricht der Inquisitor, »hier sieht dein Ankläger, Don Ferdinands Alonzo. Wagst du noch in seinem Angesicht, deine Verbrechen zu-läugnen?« Bei dieftn Worten bricht Alonzo in Wuth aus: »Henkersbrut! ich durchschaue mch, ich bin kein Ankläger, wer hat diesen Elendenherbeigesührt? Arama, sch dein Ankläger?! glaub's den Vrrworfenm nicht!« »Schweig', Ketzer!« rief ihm der Inquisitor zu, »oder .' dein Schicksal wird das des Juden sein.« »Sei mein Schicksal tausendmal härter, Mönche, ihr könnt mich tödren, aber mein Leben nicht mit Vrrrath beflecken!« Der Inquisitor erhob feine donnernde Stimme: »Wirst du deine Aussage,'Christ, nach der Buhlschaft einer elenden Jüdingestrebt zu haben, zurückruftn, oder wirst du, Jude, deine Schandthaten läugnen, so soll dem Hauptmann die Reue im tiefsten Kerker eingeflößt werdm, der Jude besteigt mir seiner Tochter den Scheiterhaufen!« ' Diese Worte verfehlten ' ihren Eindruck nicht. Alonzo schwieg; der Mönch hatte den rechten Fleck seines Herzens getroffen; er schauderte zurück. Arama sah auf mit scheuem Blicke. »Ehrwürdige Patres, ich bin zum Tode bereit. Ach, es ist wahr, was ihr saget, ich habe mein.ganzes Leben euch gehaßt, cs ist wahr, ich habe euch geflucht, ich habe euch noch im Kerker geflucht. Es ist wahr« eure Gottheit ist nicht die, die ich verehre, sie ist nicht die Liebe, sie ist nicht die Barmherzigkeit, denn —