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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-26 · Heft 58 (26.8.1837) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 58 (26.8.1837)
Date
1837-08-26
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
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281 es sich nicht ganz allein zuzuschreiben, wenn seine vielfachen Gegner hieraus die geeigneten Schlüsse ziehen^ um ihn bei Freund und Feind zu verdächtigen und die Aufrichtigkeit seiner Grundsätze, die Festigkeit seines Charakters in Zweifel zu ziehen? Ist es wirklich möglich, daß ein Rotteck behaupten konnte, die Zritumstände eigneten sich, nicht zu irgend einer Art von Neuerung? Ist nicht das meiste Gute, was jetzr'dre Völker gmießen, eine Neuerung? Ist es nicht Badens Verfassung? Nicht der Einfluß des Herm v.' Rotteck selbst, fein Sitz und'seine Stimme in der Kammer? Ist es nicht die Zehntenablösung, um die er so lange kämpfen mußte? Kann das Gute und Ersprießliche je zu früh kommen, und eine als gerecht und zweckmäßig anerkannte Neuerung nachtheilige Folgen haben? Dmnoch sollte den Juden an einer 'früheren oder spateren Emancipation nichts gelegen sein? — — Er nennt es ferner kein Glück, Abgeordneter zu sein. Aber hier handelt es sich nicht um die Sache, sondern uni, das Prinzip, nicht um die Realität, sondern um die Concession, nicht um die Wahl, sondern die Wählbarkeit, nicht um die Macht, sondern um das Recht! H. v. R. hat durch diese Illusion unmöglich uns blenden können; sich selber nur hat er getäuscht, sich selber widersprochen, feine bisherigen Gesinnungen vergessen, vergessen, was Freiheit des Denkens und Handelns erheischt. Sie selber, würdiger Biedermann, erinnerten ihn vergebens an feine Worte:'»Alles was gerecht ist, ist nothwendig, also möglich.«. Herr Duttlinger führte umsonst ihm Cannings Beispiel irffs Gedächtniß zurück, und H. Gerbel konnte nicht-umhin, mit'H. Trefurt? ihm Intoleranz und eine falsche Popularität Schuld zu geben. Wie bitterwahr ist nicht die Ironie des H. Gerbel: vielmchr die Christen zu emanckpiren, da sie bei Juden, die sie zu einem Staatsdienste für tauglich hielten, kein Wahlrecht hätten, worüber auch i ch mich hinlänglich in meiner Schrift *) ausgesprochen habe. Eben so sehr stimme ich ihm' darin bei, daß die Beruftmg einer Versammlung von Israeliten überflüssig sei. Ja wohl! aber nur eine Versammlung dummer> beschränkter, vorurtheilsvoller Israeliten, nicht eine solche, wie der Pariser Sanhedrin, der aus Männern bestand, wie auch ich sie**) vorgeschlagen. Wenn das Badische Consistorium aber sich auf widersinnige und einfältige Weise benahm ***), so *) Die Juden und die öffentliche Meinung im Preuß. Staate. Mit besonderer Rücksicht auf die Preußischen Provinzialstände und deren Bedeutung. (Altona 1833. 8.) S. 5. 123. 198. —199. **) a. a. O. S. 4a. ***) Sn'ber auf obiges Schreiben mir gewordenen Antwort . befindet sich unter andern folgende Stelle, die für den Standpunkt lenes Badischen Consistoriums ein sehr niederschlagendcs Zeugniß abgrebt. Sie lautet nämlich: » UebrigenS wünschte ich für alles andere-Gute unb Rechte des nahen Siegs so gewiß sein zu können, als rch es in Beziehung auf diese Sache bin. Nicht zu läugnen j konnte es unmöglich aus den Männern erwählt sein, die meiner Meinung nach einzig und allein ein Consistorium der Juden zu bilden fähig sind. Darum durste Herr Rettig auch behaupten, es sei den Wenigsten an einer Emancipation gelegen. Ja fteilich! Aber so ist cs auch bei den Christen. Die Einsichtsvollen bilden immer die Minorität; dieser allein ist an Volksverttetung, an Gesetzen und Verfassung gelegen; sie allein hat aber auch nur der Staat um Rath zu ftagcn, allein nach ihrer Autorität, nicht nach der Majorität der willen- und einsichtslosen Masse sich zu richten in seinen Anordnungen und Beschlüssen.-Ueberhaupt sind die Juden in einer argen Verlegenheit, wenn sie sich nach dem Willen der einzelnen Abgeordneten richten sollten. Allenthalben Unbestimmtheit, Haschen nach Ausflüchten, Widersprüche. H. Fech t will die Juden zu Christen-machen; alles athmet in ihm Proselytensucht und Geist der Propaganda Herr Sander wiederum-verlangt, die Juden sollten zwar nicht Christen werden, sie sollten nur aufhören, Juden zu sein. Also nicht Christen, nicht Juden; was wollt ihr denn? Würde euch doch ebensowenig ein sanctionirter Deismus im Staate gefallen! Oder sind euch Heiden lieber als Juden? Warum wieder so erpicht auf die Bekehrung der Hindus, der amerikanischen und afrikanischen Wilden? Odet ist cs auch nur um Entschuldigungsgründe zu thun, euren Judenhaß zu bemänteln und eure ungerechten, lieblosen Gesinnungen mit dem Scheine der Aufklärung und des Rechts zu verdecken?- --Mit Recht widersetzte sich H. Abg. Merk der Ansicht, die Gleichstellung hinauszuschieben, bis-alle Juden vollkommen ausgebildet seien. Jene soll vielmehr erst Ursache ihrer Vervollkommnung werden. Ueberhaupt welchen Grad der-Vollkommenheit will man dmn abwatten? Hat man denn bei den übrigen Völkem gewartet, bis sie einen gewissen Grad von Ausbildung erlclngt hatten, oder haben sie sich nicht vielmehr ihre bürgerlichen Verfassungen selbst geschaffen? So in Amerika, so in Frankreich, ttotz dem, daß in beiden Ländern der so schlecht bestellte Volksunrerricht hinlänglich für die mangelhafte und unvollkommene geistige und sittliche Ausbildung beider Nationen zeugte. Wo ist denn auch da eine Grenze^ festzusetzen? Sollen alle Israeliten gleichmäßig ausgebilder, unbekümmert um den Grad dieser Ausbildung, oder sollen sie alle bis zu einem gewissen Ziele in ihrer Volksbildung gelangt sein? Wer will da ein entscheidendes Urtheil wagen? Wer, den Markstein festzusetzen sich erkühnen? Oder sollten ist übrigens, daß die Emancipation der Israeliten — wenigstens was unser Land betrifft—dic^ größten cntscheidensten Gegner unter den eigenen Glaubensgeno;ien selbst hat, was man kaum glauben könnte, wenn die Beweise nicht zu vollständig wären, Auch! da wird hoffentlich fortschreitende Cultur und Veredlung Vorurj theil und Eigennutz bald besiegen.«

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