Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 58 (26.8.1837)
- Date
- 1837-08-26
- Page
- Seite 232 (sequence 4)
- Language
- German
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St. Simonistische Grundsätze auch schon auf deutschem Boden Wurzel gefaßt habm? Wo bliebe denn das Gesetz der freien Willensäußerung, wo. die Lehre von der Perfectibilität des.Mmschen, wen» die Juden nicht eher emcmcipirt werden sollten, bis sie Vollkommenheit erlangt? Warum sollten Juden 'allein vollkommen sein, und um die Vollkommenheit der christlichen Unterthanen bekümmert sich Niemand? Ist es nicht sogar ein ungeheurer Frevel, sich über einen Theil der Menschheit eine Obergewalt und Vorrechte auzumaßm, wahrend dem göttlichen Willen gemäß, alle Menschen an ursprünglichen Rechten gleich stehen? Sollen Vorurtheil und Eigennutz noch immer ihr mächtiges Haupt erheben, Stolz und Religionseifer noch immer Schande und Elend verbreiten? Werden Sclavenhandel und Leibeigenschaft, Kopfsteuern und Frohndimste'nie von der Erde weichen? Und der größte Widersacher der letzteren konnte' ein Vertheidiger werden der erstem? Ein Rotteck will freie Institution für Alle, und - nur die Juden will er davon ausgeschlossen wissen? Ihm steht der Glaube über der Humanität, der Glaubensbruder, gilt ihm-mehr als der Menschenbruder?-« Berlin. Correspondenzen- Auszüge, Repliken. Aus Sagau.) Wenn auch aus einer Leinen, aus wenigen Familien bestehenden Gemeinde, wird dennoch wohl die Nachricht, daß auch hier die religiöse Entwickelung ihren Anfang genommen, angenehm sein;. um so mehr, da es. oft nur eines Beispieles in einer ganzen Landschaft bedarf, um zur Nacheiferung anzureizen. Das große Bedürsniß, der hiesigen Orts Heranwachsenden Jugend einen dem jetzigen Zeitgeiste angemessenen Religionsunterricht zu Theil werden zu lassen, wurde längst herzlich gefühlt. Jndemuns die Wahrheit, daß ' ein geregelter Schulunterricht das Wohl künftiger Generationen begründe, lebhaft vorschwebte, hatten wir auch die Befriedigung, in der Person des seit Mitte Octb. vor. I. hier fungirenden Lehrers, Namens Kuttner aus Meseritz, einen Mann gefunden za haben, der unfern Erwartungen völlig entspricht. H. Kuttner, ein nicht nur wohldenkender, pädagogisch gebildeter, sondern auch mit regem Eifer für sein Hach erfüllter junger Mann, hat bei der am 29ten März. a. c. in Gegenwatt des gewiß stimmfähigen K. Superintendenten und Schulinspektors des Saganer Kreises, Herrn Rehmiz, und eines zahlreichen Auditoriums, bestehend aus den achtbarsten Familien unsrer Stadt, abgehaltenen öffentlichen Prüfung seiner Schüler hinlänglich erwiesen, daß er sowohl in scientifischer als methodischer Beziehung wohl befähigt sei, eine Schule mit segensreichem Erfolge zu leiten, und die Forderungen, welche der israelitische Glaube an einen Lehrer stellt, mit der Anwendung der jetzigen Pädagogik in zweckmäßige Verbindung zu bringen. Daß der wackere Kuttner seine Stelle im wahren Sinne des Wortes ausfüllt, daß sein Bestreben stets dahin gerichtet ist, ein tteuer Winzer im Weinberg des Herrn zu sein, hat derselbe bei der am 19. d. M. statt gestrudenen Konfirmation eines Knaben, Sohns des Herrn Banquier Wiesenthal, wiederum bewiesen. Leber Josua 24,14—24. hielt H. K. eine Rede, die, wenn auch nur den Confirmanden für alles Gute, Erhabene zu beleben, einen Schatz von ächter Moralität in sein junges Herz zu pflanzen berechnet war, doch auch bei allen Anwesenden einen so tiefen Eindruck tzmterueß , daß allgemein der Wunsch nusgesprochen wurde, wie zweckmäßig es wäre, öfters erbauende deutsche Botträge zu hören. Dem 2ten Theile der Rede schloß sich eine Prüfung über die Q.uintesftnz der mosaischen Glaubenswahrheiten an, und nachdem der Confirmand ein aus der Fülle des Herzens kommendes Glaubensbekennttnß in hebräischer und deutscher Sprache abgelegt, begann die eigentliche Confirmation als dritter Theil. Gestärkt durch die Weihe dieses Tages, der zu den glücklichsten meines Lebens gehött, rufe rch dem anspruchslosen Jugendbildner die erquickenden Bibelwotte, Daniel 12, 3. fteudig zu. B. Reich. Lese aramäischer Gnomen, vr. I. FÄrft's »Perlenschnuren,«: übersetzt von vr. Krafft in Ansbach. (Eingesandt von I. F.) Kap. 1. 1. Sanftes Wott vor dem Gehäge, aber in der Hürde Schläge. 2. Wer hoch steigt, fällt gar leicht. 3. Lausend Freunde tteten . zu den Bazarläden; zu den Bettlerhütten kommt kein Freund geschrttten. ' 4. Kehrt erst das Glück im Hause ei», so wird die Welt ein Himmel sein. 5. Wenn unsre Borfahren Königskinder waren, so sind wir Menschenkinder; wenn unsre Vorfahren Menschenkinder waren, so sind wir Eselskinder. 6. Was die Att der Palme, sind-die Datteln v o r der Frühkost dir; aber nach der Frühkost, sind sie was der Riegel star die Thür. 7. ' Ei, wie der Plappett in der Flasche klappert 1 8. Er hätts mit Pfirschen, und sie mit Kirschen. 9. Giebst du dich Einem zu eigen, mußt du seine Wolle streichen. 10. Die Pirqa verlangt Enge, die Kalla Gedränge, das Trauerhaus Schweigen, das Fasten Lieb - Erzeigen, die Leichenfeier Klage, die Hochzeit heitere Sprache. 11. Wenn sich die Mytt unter Dornen verirrte, sie bleibt doch immer eine Myrte. 12. Ist dein Weib Reiner als du, so bück dich und flüstr' ihr zu! 13. Wer verkauft, denkt: nur das Ackerstück geb' ich weg, der Schatz bleibt mir zurück. 14. Haltet eure Weiber wetth, dann wird euch Glück bescheert. lTortsetzung folgt.) Redacteur: vr, L. Philippsou. — Verlag von BanmgartuerS Buchhandlung. — Druck von W. Haack.