Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 56 (22.8.1837)
- Date
- 1837-08-22
- Page
- Seite 223 (sequence 3)
- Language
- German
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Genreinden ihren Beamten nicht und dies ist auch nicht nochwendig, ich kenne sehr viele ehrenwerlhe christliche Prediger, die im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot essen, und die es aus einigen Hufen von der Gemeinde ertheilten Ackers erst herauspflügen und herausackern müssen), so werden sich auch Männer finden, die sich gehörig zu jüdischen Geistlichen bildm und den gesteigerten Anforderungen genügen wollen, und umgekchrl, finden sich erst Männer von wahrhafter Bildung und tüchtigem Streben, so werden auch Gemeinden bereitwillig sein, sie anzustellen, und warum nicht lieber als — ungebildete Landstreicher. Ihr aber, meine israelitischen Glaubens bcüder, die der Herr mit Reichthum gesegnet hat, sehet, hier könnet ihr eurer Nation die größte, unverganglicheWohlthat thun, gebetEureSöhne, deren Lage gesichert ist, bildetsie zu Volkslehrern Eurer Nation, und ihr werdet diesen Stand znEhren bringen und ihm einen Aufschwung verleihen, den keine Worte zu b ewirken vermö gen, Ihr seid so oft u'nt die Wahl eines Standes für eure Söhne verlegen, ihr führet sie so oft zu solchen, wo sie ihr Vermögen verlieren, vergeuden, erziehet sie zum bescheidenen Loose eines Volkslehrers, zu segensreichenArbeiten im Weinberge des Herrn. Oder wollet ihr das nicht, suchet die besten armen Köpfe aus und lasset sie zu Rab binen und Lehrern bilden, es haben sich so vieleVereine zur Bildung von Handwerkern insrituirt, warum nirgends ein Verein zur Bildung von Lehrern? Könnte sich nicht für Provinzen, Staaten, aus den Gemeinden ein solcher Verein mit kleinen Beitragen der Mitglieder bilden, der seinen Schatz zur Stiftung von Seminarien, zur Unterstützung der Zöglinge, zu Stipendien für Smdirende verwendete. Wahrlich alies Predigen und alle verfeinerte Liturgie helfen zu nichts, ohne Jugend bildung, und hierzu gehören Jugend- und Volkslehrer. Könnte diese Zeitung nicht das Organ zur Bildung eines solchen Vereins werden? *) Dies führt uns II. Zu den Bildungsanstalten für jüdische Geistliche, und so wie wir sie in R a b b i n e n und Lehrer (Canloren) theilren, so müssen auch die Bildungsstätten für beide verschieden sein. Zuerst ein Umriß für die Bildung der Lehrer. 1) Sie müßten in den gewöhnlichen christlichen Gymna sien (denn die Gymnasialbildung ist und bleibt die gediegenste) bis zur zweiten*) Klasse gekommen sein, zugleich aber privatim oder in jüd. Religionsschulen, Unterricht in der Religion, in hebr. Sprache und der heiligen Schrift erhalten haben. 2) Nach dieser Schulbildung waren sie für die Reife zu den Seminarien zu prüfen und in dieselbe aufzunehmen, wenn sie durch Zeugniß beweisen, daß sie wenigstens I^Jahr in Sec und a geweftn, und durch Prüfung, daß sie Pentateuch, Psalmm, Sprüche Salomonis übersetzen und die Elemente der hebr, Grammatik, so wie die wichtigsten Grnndlehren der Religion inne haben. (Fortsetzung folgt.) *) Lausende sind ehedem zu Legaten für die Leck haraedrasch wcggeictzt worden. In unserer aufgeklärten Zeit fällt es «.einem ein, ein Gleiches für Seminare, die demselben Zweck, nach neuern Grundlätzen modificirt, entsprechen, zu thun! Miszelle. Im Canton Graubündtcn werden von vielen Eerichtm noch die Bücher Mosis als Strafgesetzbuch angewendet. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Baiern. Erster Artikel.) Da ich bisher über' die Verhältnisse unsrer Glaubensgenossen in Baiern noch nichts Umfassendes in Ihrem vielgelesenen Blatte erwähnt gefunden habe, so bin ich so ftei. Ihnen hiermit einige Notizen sowohl über unsre kirchliche als politische Lage zu übermachen. Ich schicke ersrere deßhalb voraus, weil aus dem Geiste, der sich im kirchlichen Leben unsers Volkes offenbart, sich mit Rcchr auf die Folgen, die in den politischen Verhältnisicn dcyelbcn an den Tag treten werden, schließen läßt. Und mag der Blick des Volkes auch durch außer ihm liegende Veranlassungen auf seine bürgerliche Lage gerichtet werden, so lebt in ihm doch kein Verlangen auf, aus den Kreisen, in die es durch die Macht der weulichcn Staaten gebannt wurde, 'herauszutreten, und Höheres anzustreben, als ihm zugestanden ist, so lange im religiösen Leben'ein Geist der Ruhe, des Stillstandes, des Bcwcgcns in einem alren, festgezogeaen Kreise herrsch:. Und dieses ift der Charakter der Juden von der Reformation an bis zum Erscheinen Mendelssohn s. Wir sehen kein Auftreten, kein Ringen nach Vergeistigung, weder der kirchlichen, noch der politischen Formen, wenn man Emancipation so nennen darf. Seitdem aber durch das Wirken Mendelssohn's und -ferner weitverbreiteten Schule der erwachende Geist in den alten Formen sich nicht mehr zu bequemen anfing, und diesem sanften, Mendelssohn's Charakter entsprechenden Rütteln an der Gestalt sich jener mächtige Sturz der alten Welt durch den Zeitgeist an die Seite stellte, ist in der kirchlichen, wie in der politischen Welt d.r Juden ein neues Leben eingetretev. Es ist eine gegenseitige Durchdringung, die sich uns zeigt; es soll durch die Verklärung der dogmatischen Wahrheiten der jüdischen Religion in ihren Formen die Würdigkeit und Fähigkeit Israels zur Emancipation dargcrhan werden, und hinwiederum durch eine'erlangte Emanciparion oder *) Ein wenig zu viel'. d. Red.