Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 56 (22.8.1837)
- Date
- 1837-08-22
- Page
- Seite 222 (sequence 2)
- Language
- German
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Theologie. j Ädern zu, einer Encyclopädke und Methodologie jüdischen Theologie Dr. Uri. (Fortsetzung.)' Da Methodologie überhaupt die Lehre von der Methode (fts&oöog, via, ratio) oder den Grundsätzen ist, wonach man etwas thun soll, daher die Anleitung zum planmäßigen Studium ist, so haben wir auch hier, bei der Methodologie des jüdisch - theologischen Studiums zu betrachten: 1) in Bezug auf das Subject, wer sich dem Studium derselben widmen soll; 2) in Bezug auf die Mittel, wo und wodurch Gelegenheit zum Studium gegeben wird, und endlich 3) in Bezug aus das Object, wie das Studium zu betreiben sei. I. Wer soll sich dem jüdisch-theologischen Studium widmen? Leider steht hier schon ein großes Alpenkreuz. Die christliche Theologie ist in Betreff der Universität Facultätswissenschaft, in Betreff des bürgerlichen Lebms Brotwissenschaft. Die jüdische Theologie hat keine Facultät und — kein Brot. Der Stand des jüdischen Theologen ist größtentheils vom Staate noch nicht bestimmt, von der Gemeinde nicht geordnet. Als gewissen Anhaltpunkr können wir nur den. alten Rabbinensiand anerkennen. Dies ist auch ziemlich allgemein, viele Gemeinden habm jetzt sogenannte studirte Rabbinern Ob diese überall ihrm richtigen Standpunkt eingenommen haben, ob sie überall ihrem Fache gewachsen sind, von ihren Amtspflichten durchdrungen, wahrhaft wissenschaftlich gebildet, nicht mit dem Doctortitel, sondern auch mir Doctorwürde und Doctorgelehrsamkeit, nicht blos mit UniversitätsZeugnissen,'sondern auH mit Universitätsg ei sie ausgerüstet sind, das zu untersuchen ist hier der Ort nicht, homines sumus und leider l nihil humani a nobis alienum! Wo in einzelnen Gemeinden Prediger angestellt sind, vertreten diese'die Stelle der früheren Rabbinen, wenn sie auch sonstige geistliche. Funktionen verrichten, oder sie wirken als Volksredner, während Rabbinen aus der alten Schule ihre frühere Sphäre gelassen worden ist. Namen Lhun nichts zur Sache. Rabbinen sollen Lehrer des Volkes sein, und es ist gleich, ob sie mit alten oder neuen Namen austreten, oder den Namm Chacham (freilich im Widerspruch mit den griechischen Weisen, die sich nur Philosophen d. h. »Freunde der Weisheit« nannten) beilegen. Aber nicht alle Gemeinden können Rabbinen und Prediger' haben, daher müssen für kleinere Gemeinden andere Subjecte vorhandm sein, am besten solche, welche als Volks- und Schullehrer zu gleicher Zeit ftrngiren können, Männer, die zwar weniger Gelchrsamkeit, aber eben so viel praktisches Geschick als die Rabbinen besitzen müssen. Solche könnten zugleich die Stelle der Cantoren vertreten, ohne daß ihre Würde im mindesten darunter litte. Sie können am meisten auf dm Geist des Volkes in kleinecm Ortschastm wirkm, und würdm sich um die Beförderung der bürgerlichen Bildung unter ihren Glaubensgenossm die erheblichstm Verdienste erwerbm. Gänzlich aber von dem Amte eines solchm Lehrers und Cantors müßte das Amt eines Schocher gettennt sein. Was hat dieses Amt mit Volks- und Jugmdbildung zu schaffen? Es steht vermöge seiner Berührungspunkte so gänzlich fern davon, es läßt sich so wmig ästhetisch und sittlich mit einer höher« Tmdmz vereinigm, daß nm die unglücklichsten Conjuncturen in diesem Betteff Alles zusammmwarfm. Es verwundet das Herz des Mmschmfteundes, in kleineren Gemeindm solche Subjecte (gewöhnlich verwildett, oft lasterhaft, unwissmd, faul und ttäge) *) mit dem Schlachtmesser in die Kinderstube ttetm zu sehm, und ihrm erbärmlichm Unterricht anzuhören. Leicht ist es möglich, für mehrere bmachbatte Gemeindm einen Schochet zu haltm, der in Hinsicht seiner Verrichtungen geprüft ist, aber nun und nimmermehr müßte derselbe zum Jugmd- und Volksunterricht zugelassm werdm. So viel ist gewiß, daß wmn daß Bedürftriß nach gebildetm Rabbinm und Lehrem erst vielseitiger ist, wmn die Gemeindm erst höhere Ansprüche machm, wmn durch ökonomische und weise Verwmdung der Gemeindegelder für die Erhaltung der Aemter gesorgt ist (bereichern könnm jede *) Um unsere Glaubensgenossen über diesen traurigen Umstand doch auch zu trösten, der zum großen Theil ohne unsereSchuld aus frühem Verhältnissen ausging, erinnern wir, daß auch in der christlichen Welt das Schulfach erst spät der Beachtung werth gefunden wurde. Die sogenannten Loraten oder Schulgeselle n im Mittelalter waren Handwerksburschen, die auf das Schulfach reiseten, und unsere (meist polnische) Schochtim erinnern ganz an diese Lokalen, die erst durch Luther verwiesen wurden, so daß nur die vereinte Bemühung jenes großen Reformators der christl. Kirche mit der edelgesinnter deutscher Fürsten, an die Stelle des Lokatenwesms eine bessere Institution bewirken konnte. Uebrigens noch jetzt ist das Schulwesen aus dem Lande selbst hochstehender deutscher Staaten noch in so erbärmlichem Zustande, die Schulstellen werden von so unwissenden, tölpelhaften, zum Theil dem Trunk ergebenm «Meistern« verwaltet, daß ein erbärmlicher jüdischer Dorflehrer und Bacher oft gegen seinen christl. Collcgcn ein Monstrum von Gelehrsamkeit ist. Außerdem können wir auch sagen, daß viele jüdische Lehrer mit Unwillen auf ihr Schlächterämt Hinsehen, daß ste die Niedrigkeit, in welcher ihr Stand gehalten wird, mit blutigen Thränen beweinen, und daß sie in der verzweifeltesten Lage dennoch nach höherer Bildung seufzen und ringen.