Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-19 · Heft 55 (19.8.1837) · p. Seite 219

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 55 (19.8.1837)
Date
1837-08-19
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224794--00416-3298685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

219 Belletristik. Am 9. Ab, in Deutschland.* Ode. Unsere Väter hatten vernommen: Fern, wo die Sonne hinabsteigt. Lebe ein tapferes Volk, Getheilt in Stämme, wie sie. Die Frauen achtend, wie sie. Das Alter ehrend, wie sie. Treu seinen Eiden, wie sie. Und gleich ihnen, unwillig ttagend Des Römers eisernes Joch. Und ferner kam die Künde: Aufgestanden sei jenes Volk, Habe der Fesseln Wucht Don einander gesprengt. Und verjagt die Schergen, Und zertreten die Legionen, Daß Cäsar selbst im bebenden Rom, Im gottmen' Palaste des Stolzes, Wuthergriffen, ohnmächtige. Und ahnungsvolle Verzweiflung. Hoch bei der freudigen Botschaft Flammten auf die Herzen Mer Männer in Israel: Denn auf dem Wipfel der Palme Hauste der Geier, Auf der göttlichen Veste Zions Florus, der bleiche Tyrannenknecht, Schleudernd vergiftete Pfeile Schmutziger Geldgier, ftecher Wollust Und feigheitverbergenden Uebermuths Auf das knirschende Volk Der Ebräer. Kühn gegen sie das Schwert, das gerechte. Gegen die Schaaren der Welterobrer, Auf der Germanen strahlendes Beispiel blickend voll Kampflust, Muthig für Freiheit und für der Gottheit heiligen Tempel, Zogen das Schwett sie der Makkabäer, Das, von wenig Händen geschwungen, Einst die Schaaren bezwang Des Gottverhöhners Antiochus. Mer ach, die teuflische Zwsettacht Trennte die Helden Judäa's, Die wunderbar Tapfern, Wie ftühcr einst die Deinen, Germanien!- Das Schwett, das heute . Römerblut trank. Würgte morgen die eignen Brüder, Die Hand, die beim Frühroth Bespasians Katapulten verbrannte. Schleuderte Mends Feuer in die Gezelre Der Kampfgenossen! Ach, und da war kein Herrmann, Um die Stämme zu einen. Und sie alle zugleich Entgegen zu führen dem einzigen Feind, D^m stahlgepanzetten Römer. Wehe, wehe, sie sanken! Der goldene Tempel zerfloß, Zions Thürme zerstoben. Im Feuer verschwand Jerusalem. Ihre Bürger wurden geschlachtet, Ihre Frauen entehtt, Ihre Kinder verbrannt, Knaben und Mägdlein verkauft als Sklaven: Eigenrhum sterblicher Menschen- Von Titus, Den sie nennen den Gütigen, Auch von Trajan, Den sie nennen den Edeln: — Israel aber wurde genannt Starrsinnig und boshaft, Riedetträchtig und feige. Meineidig und falsch! — Und wir stoben umher, Funken des unermeßlichen Brandes: Und uns führte der Ostwind, Der Odem Gottes, Rach Germanien, zu dem Volke, Dessen Beispiel einst entflamm« Unsre unglückseligen Väter. H>eute stehn wir versammelt Weinenden Augs, Eine fteudenlose Schaar; Denn wir lesen die alten Geschichten Grauenvoll und blutig Von dem Falle Jerusalems -- Mer in des Kummers Langsam ttocknende Zähre Mischt sich balsamischer Trost,! Mischt die Thräne der Freude sich, j Denn der Vorzeit schreckendes Bild r Schwindet hinweg wie ein Traum von gestern, \ Und uns umfängt in der Gegenwatt Fesselnd mit tausend zättlichen Banden Ein andres geliebtes Heiliges Vaterland ' In Gcrmanicns blühenden Gauen, Unter einem tapfern, Edlen, glücklichen Volk, Das noch heute zehttt Von den Früchten jener Siege, Wie wir heute noch trinken ' Jenes vergifttten Kelches | Letzte schwache Heft. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.