Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 55 (19.8.1837)
- Date
- 1837-08-19
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
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220 Brüderlich fassen die Hand wir, die unsere Feinde besiegt hat. Und sie kommt uns entgegen mit freundlichem ZZrucke, Näher mit jedem Jahre, , - Naher mit -jedem Tage: Hier nun stehen vereint auf dem Grabe dcS blutigen Römers Seine Besieger im Westen, Seine Besiegten aus Osten, Der Deutsche mit dem Ebräer: Brust an Brust in der Schlachr, Arm in Arm im Frieden; Trümmer Judäa's im deutschen Land. Heilig darum die Feier des Tags, wo Jerusalem hinsank. Die an verlorenes Gut, ach! an vergeudetes mahnt: Aber nicht minder des Heils, das Deutschlands Völker beseligt. Unsres wachsenden Glücks Ursprung strahlend uns zeigt! B. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Statistik der Juden in Sachsen). Aus einer der zweiten sächsischen Ständekammer überreichten Supplik der Jsraeliren - Gemeinde zu Dresden ergeben sich interessante statistische Data über Zahl und Beschäftigung der sächsischen Juden. Bekanntlich find die Letzteren auf die beiden Städte Dresden und Leipzig beschränkt. Die israelitische Gemeinde zu Leipzig besteht gegenwärtig aus etwa 7 Familien bei einer Einwohnerzahl von mehr als 43,000 Seelen. Die Gemeinde zu Dresden vermindert sich alljährlich in einem weit stärkeren Verhältnisse, als die christliche Bevölkerung steigt. Sie besteht gegenwärtig bei einer. Einwohnerzahl von 65,000 Seelen (mit Ausschluß des Militairs) aus nicht mehr als 64l Mitgliedern, und zwar aus 89 Ehepaaren, 27 Wittwern, 56 Wirtwcn, 116 ledigen Mannspersonen über 13 Jahren, 117 ledigen Frauenspersonen über 13 Jahren, und 76 Knaben und 71 Mädo?en unter 13 Jahren. Demnach leben in ganz Sachsen, das auf 271 >1 Meilen 1,600,000 Einwohner zählt, kaum 700 Juden, d. i. unter 2285 Sachsen befindet sich Einer mosaischen Glaubens (durchschnittlich noch nicht 3 unter 5904 auf der Q.uadratnreile), während z. B. Würtemberg, wo die Juden, wie in Preußen, das volle Bürgerrecht genießen, bei einer der sächsischen ganz gleichen Einwohnerzahl (1,600,000) 10,200 Juden, also 1 unter 157, und Hessen-Kassel, wo die Juden bürgerlich und politisch cmancipirt sind, unter 650,000 Einwohnern 9000 Juden, also 1 unter 72 zählt. — Von den oben angegebenen 64l.Juden in Dresden leben der gewerblichen Beschränkungen wegen nicht weniger als 180 Personen, also fast ein D ritt heil, von Almosen, welches die übrigen Gemeindemitglieder aufbringcn müssen. Die selbstständigen Mttglieder der Gemeinde sind ihrer Beschäftigung und ihrem Erwerbszweige nach: l Oberrabbincr, 2 Schullehrer, l Sprachlehrer, 1 Sprachlehrerin, 1 Privarlehrer, 1 Hauslehrer, l praktischer Arzt, 2 Wundärzte, 1 Hebamme, 2 Literaten, 1 Musikus, 1 Gemeindeschreiber, l Porrrairmaler, 7 Banquiers, 2 Juwclenhändler, 2 Aatikenhändler, 2 Bücherantiquare, 1 Graveur, 4 Handlungs-Commis, 1 Lotterie- Haupt-Collecteur, 16 Stkb-Collectcure, 3 Speisewirthe, 1 Fleischer, 1 Lohnkellner, 5 Handarbeiter und 76 Handelsleute, worunter 59 hauptsächlich mit alten Kleidern handeln, 8 Personen leben als Privaten ohne bestimmten Erwerbszweig. Größtentheils im Auslande befinden sich als Handwerksgesellen und Lehrlinge 41 Personen, 12 studiren oder besuchen andere öffentliche Lehranstalten; unter den Frauenspersonen befinden sich 13 handelnde Wittwen, 24 die sich mit weiblichen Handarbeiten beschäftigen und 9 Dienstboten. Sehr richtig beißt es gegen das Ende der erwähnten Supplik: »Vergeblich wird man sich fragen, was denn die Mehrzahl der sächsischen Juden nach den von der ersten Kammer gcttoffenen Bestimmungen anfangen soll? Trödelhandel sollen sie nicht treiben, Kleinhandel und Ausschnitthandel auch nicht, Grundstücke dürfen sie nicht erwerben, der Staatsdienst, die Advokatur, eine große Anzahl anderer Gewerbe sind ihnen verschlossen, eben so die Landwirthschaft, die Forstwissenschaft, das Berg - und Hüttenwesen und alle Fabrik-Etablissements, die Concessionen zum Wechselodcr Großhandel muß ihnen versagt werden, weil sie nicht die nöthigcn Mittel dazu haben, von allen bürgerlichen Rechten sind sie ausgcschlonen — aber sie zahlen dieselben Steuern, wie die Christen, sie' und milktairpflichtig und müssen für ihre Armen selbst sorgen, nebenbei aber auch zu der christlichen Armenversorgung beittagen.« (SÄles. Zeit.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen £ Gr. Gebübren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift öder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Snbscriptions-Einladung auf die Fortsetzung des Werkes Ehs-dath m-cs oder die in allen ihren Thcilen umfassende Lehre der mosaifchrabbinischen Theologie, in einem noch nicht erschienenen Lichte dargestellt und nach deren vorzüglichsten Schriftstellern voriger Jahrhunderte bearbeitet, und für die im Geiste der neuern Zeit herangebildeten Israeliten als deutsche Staatsbürger unentbehrlich, sowie auch für Gelehrte, welche eine gründliche KermMiß darin auf eine faßliche Weise sich ancignen wollen, von bedeutendem Nutzen sein wird; nebst einem Bildniß vom Gesetzgeber Moses; herausgegeben von Isaak Simonson, Privatgelehrten. Die Lieferungen (wovon schon die zwei ersten erschienen) werden von Monat Mai-183? an, von 6 zu 6 Wochen, im Subscriptionspreis ä 4 Gr: erfolgen, und zwar werden die von 2. bis mit 10. oder 12. Lieferung immer aus vier Druckbogen bestehen; jedoch wird mit dem Erscheinen der 6 ersten Lieferungen die Subscription geschlossen und tritt von da an der erhöhet« Ladenpreis von 6 Groschen unwiderruflich ein. Alle Buchhandlungen Deutschlands nehmen hieraus Subscription an. Leipzig im August 1837. Robert Friese. - Sq eben ist erschienen und in der Unterzeichneten Buchhandlung zu haben: Betrachtungen über den Entwurf, die bürgerl. Verhältnisse der Juden in Sachsen betteffend, und die in der Isten Kammer der sächs. Ständevttsammlung im April d. I. deshalb siattgehabten Verhandlungen, von vr. B. Beer. -— Der 2ten Kammer überreiche von der Veyvaltuug des Mendelssohnvereines zu Dresden. Preis 8 Gr. (Der Ettrag ist zum Besten des Mmdelssohnvereines.) Frredr. Volckmar. Redakteur: vr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.