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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-17 · Heft 53 (17.8.1837) · p. Seite 211

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 53 (17.8.1837)
Date
1837-08-17
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
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211 der Gefangenschaft an den Wassern Babylons Zurückkehrenden | erbaut wurde. Unter den Cicrvnen und Granaten an den Ufern des Tejo konnten sie die Cedcrn Libanons vergessen, hier fanden sie den Paradiesapfel und die Myrthe zum Bekränzen ihrer Lauben; als freie Männer schmachteten sie nach keiner Erlösung und vergaßen das Vaterland, wo doch jetzt die göttliche Bundeslade verschwunden war und die Heiligchümer fehlten. So alt ist unser Geschlecht auf dem Boden, den wir jetzt verlassen sollen. Wo iss ein Land, das uns solche Erinnerungen darböte, als das Vaterland? wo die Nation, an die sich eine tausendjährige Geschichte knüpfet, als die hispanische? Und, verzeihe mein König den Worten seines Knechte?, — wir waren nicht unwürdige Bürger dieser Königreiche; nicht vergebens war das Zusammmleben meiner Nation mit dem cdelmürhigen und tapfern Volke dieses Landes. Wenn anderswo Israel, unter der Bedrückung barbarischer Völker in dm Schlamm der Unwissenheit und des Aberglaubens versunken, sein Lebm mit niedrigen Handlungen befleckte und dm Schmutz der Sklaverei 'mit sich hcrumtrug, es war bei uns anders. Wir haben die Wissenschaften und Künste gepflegt, die'dm Geist des Menschen veredeln, mag er dm höchsten Gott in dieser oder jmer Gestalt anderen, unsere Akademieen blühtm zu Cordova, .Toledo, Barcelona, es lehrtm hier Männer, derm Namm die mtfemtestm Nachkommm mit Ehrfurcht ncnnm werden. König Alphons der Wesse verschmähte es nicht, sich mit unsem Weisen zu umgeben? die erhabenen Herrscher Castilims, Sancho Hl-, Alphons XI., Heinrich II. schützten uns gegen ungerechte Angriffe, die Almoxarifs, die sie aus unserer Mitte wähltm, büßtm ihre Treue in der Verwaltung des Staatseinkommens nicht seltm mit ihrem Leben. Ein Höfling zeigte der Gemahlin Heinrichs eine kleine Synagoge, neben einer Kirche stehmd, mit der Bemerkung: Seit langen Iahrm stößt die kleine Synagoge an unsere Kirche und jedes Volk betet hier ungestört seinm Gott an; und die Königin crwiedecte: Wohl denn, möge die Synagoge und Kirche fernerhin sich berühren, bis sie beide vor Alter zusammenstürzm! Bewunderungswürdige Worte im Munde der spanischen Königin. Der spanische Jude, mein König, verabscheut das niedere Gewerbe - des Wuchers und das eigennützige Stteben nach kleinlichem . Gewinn. Im ganzen Königreiche kann kein Grande, Hidalgo oder Bürger aufcretm, der einem Iudm verschuldet ist; Beweis gmuz für das reine Vcrhälmiß zwischen beidm Nationen und für dm Wohlstand, den meines Königs väterliche Regierung zu verbreiten wußte und an dem wir männiglich mitarbeiteten. Und diese beispiellose Aechtung von fast einer Million Menschen, wich sie. zu Spaniens Wohlfarth beittagm? Wo kann ich Worte finden, das Unglück zu schildern. welches uns beträfe? Heerd und Eigenthum zu verlassen und . in die lieblose Fremde verstoßen zu sein, die Bande der Familie, die hier den Juden mit dem Christm vereinen, zerrissm, dem Mangel und Elend preisgegebm, die Stätte zu meiden, wo unsere Väter in den Gräbern ruhen, eine Auswanderung so vieler Gedrängten, — das königliche Herz Ferdinands und Jsabellens, würde es dieses Elend erttagen? die Städte werdm leer und still werdm, wenn ihnen Tausende betticbsamrr Menschen fehlen, der Wohlstand wird sinken, da das Rad ausgebrochen wird, welches Handel und Gewerbe in Bewegung setzte, und die Religion, mein König — die Religion, für die dein Herz glühet, kann sie ihre mächtige Wurzel schlagen, wenn die Pforten des Elends ecössnet werden, wmn Habgier und Rachsucht, Treulosigkeit und Schande, wenn die Verzweiflung sich der Herzm der Niedrigen bemächtigm. Erheischt das Vaterland Opfer, — wir sind bereit, sie zu bringen, wir wollm Gut und Blut cinsetzm. Mein königlicher Herr! Ich habe im Vorsaale dm kühnen Mann gesehm, der seit Iahrm von Hof zu Hofewandert, und dm Völkem auf unbefahmm Wecrm einen Weg nach dem reichen Indien öffnm will, — was ihn die tiefste Wissenschaft lehrt, das auszuführm besitzt er dm hohen Muth, — der Spanier will dem Portugiesen, dessen Schiffe vor nie gekanntm Inseln ankem, und der der Wunder viele aus den entdecktm Ländern der erstaunten Heimath zubringt, nicht nachstehm. — Fehlt es dem königlichen Schatz an Mitteln, die der Krieg mit Granada verzehrte, — nehmet mein Geld, mein Vermögen, meine Schätze, meine Häuser, rüstet die Schiffe aus, um Spanims Ruhm und Macht zu mehren,, — was sind mir diese Opfer, wenn ich dafür den Rückgang des für uns so furchtbaren Befehls erstehe. Wie ich hier stehe, ich stehe für cinm uralten Stamm, der tief in Spanims Boden wurzelt, — reißt man ihn heraus, wahrlich! der Boden wird erbeben und das Erdreich den Schlund des Verderbens öffnen. Lasset uns dm,Boden, ich' biete im Namen meiner Nation jedes Opfer, dessen das Vaterland von Nötben, — ich biete alle unsere bewegliche Habe, — nehmt sie an, cs ist eine kleine Gabe für die Lust der Freiheit, die von Hispanims Bergen weht. Wir bedürfm keiner Schätze!« Abarbancl war bei den letzten Wortm auf die Kniee gefallen. Sie machten einm tiefen Eindruck auf die Herrscher und die Versammlung. Jsabella' war gerührt, Ferdinand hatte der Vortheil des Anerbietens umgestimmt; er reichte gnädig Abarbancl die Hand zum Aufstehm. Dessen thränenvolle Augen" blitzten vor Freude, — da trat Torquemada ergrimmt hervor, er hielt das Crucifix dem König und der Königin entgegen, und sprach mit kaltem, aber fürchterlichem Tone: »Judas hat seinm Herm zuerst für dreißig Silberlinge

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