Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 53 (17.8.1837)
- Date
- 1837-08-17
- Page
- Seite 210 (sequence 2)
- Language
- German
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£10 sein und dieser Wille steigt, desto unlaugbarer ist die Geistesweihe, welche dir Masse ergriffen hat. Von jeher nun., war | die, Kraft der Juden ein Erstaunm-der West, imit der ste! ihre Religion eben so sehr gegen die ungestümste Drohung, i als gegen die lockendsten Reizmittel festhielten, ja festhiclten gegen den Willen einer gauzm Welt. In der Zeit der Rohj heit mußte diese Ausdauer nur Wuth erwecken, der Halbgebildete nennt sie Hartnäckigkeit und Eigmstnn, dem. Gebildeten gewinnt sie Bewunderung ab. Jetzt aber, wo sich diese Kraft, die Religion der Väter festzuhaltcn,'mit dem unbezwingbaren Streben nach echter Cultur, nach geistiger und gemüthlicher Bildung, vereint, — wie anders kann man sie stempeln, als mit dem Gruße der Befteiung und der Verbrüderung, nicht allein Befteiung von politischen Fesseln, sondern von den Skkavmbandm des Hasses und der Vernichtung? So kommt denn die Zeit immer näher, wo der Haß gegm den Juden, als solchen, schimpflich auf dm Hasser selbst zurückfallm wird, wo ftei und unumwunden der Andersgläubige sagm wird : Eben weil ich Christ bin, kann ich dich, Jude, ebm so lieben! '- (Fortsetzung folgt.) Belletristik. Die Äiarannen. Novelle aus dem letzten Jahrzeheud des ftrnftehnteu Jahrhunderts.* (Fortsetzung.) 22. Nach der Sieste beschied der Herzog den Geheimrath zum Könige. Ferdinand und Jsabella waren von dm Grandm des Königreichs umgebm; Alle warm auf Abarbanels Benehmen gespannt. Mit lauemdm Augm umstandm die Geistllchm in verschiedmm Ordmskleidem die gekrönten Häupter. Abarbanel trat ein. Unter der spanischen Mantilla sah eine glanzende, fast ritterliche Kleidung, mit schwerm goldenen Kettm -zusammenhängend, hervor, sein Schritt war männlich und fest, er beugte ein Knie vor dem König und der Königin, die ihm auftustehen winktm und zu sprechm erlaubtm. Abarbanel näherte sich um etwas dm Monarchen ^und begann seine Rede: *) »Gnade und Verzeihung, mächtiger König, erhabme Königinl Es mtbrenne Euer Zom nicht über Euem Dimer, wmn er vor dm Ohren seiner Könige ein Wort spncht. Ew. Königliche Majestätm haben mir durch den edeln Hnzog und dm ehrwürdigm Pater das Edikt einhandigm lassen, *) Geschichtlich. welches sie über meine Glaubensgenossen zu ergehm für gut hielte»; sie. haben mir das Anerbieten der fottbouentfem königlichm Gnade^gcmacht/ wenn ich mein Schicksal woÄ dmen trenne, die durch diesen Befehl betroffen worden sind: -^Jch habe zu viele Beweise königlicher Huld erlebt, um nicht Vergebung von dm großen Herzm der Monarchen zu erwarten, wenn ich vor dm Füßen derselben und vor dieser erlauchtm Versammlung um die Throne Aragonims und Castilims ein Wort für die Unglücklichen spreche, denen ich durch Geburt und Glaubm angehöre, wenn ich,- das Glück des spanischen Staates und den Vortheil des königlichm Hauses seit einer Reihe von Jahren immer als die.heiligste Angelegenheit meines Lebens und Wirkens betrachtend, ohne Zagen meines Herzms Meinung hier offmbare. Doch ich will nicht sprechm von dem Zutrauen, das Ew. Majestätm mir immer gnädigst zukommm ließen, ich will nicht erinnern, wie ich wegen des Verdachtes einer Verbindung mit dem Hause Braganza und der casiilischen Krone aus dem Lande meiner Jugmd vertrieben, meiner Habe beraubt hier ankam. In die Erforschung des lebmdigm Wortes Gottes vertieft, verließ ich auf Befehl meines Königs mein Erbtheil —das Haus Juda und Israel*), um meine Kräfte dem Dimste Spanims und seiner erhabmm Herrscher zu weihm. An alles dies erinnere ich nicht, wmn ich um Gnade für meine unglücklichen Brüder flehe. Ich habe meinm Lohn erhaltm, das Verttaum meines Königs, Ehre und Reichthum, die sich der Mmsch zum Leben erwirbt. Mein königlicher Herr! Wir sind nicht Fremdlinge in einem uns ftemden Lande, wir sind Söhne Spanims. Noch vor der Zeit, wo Euere tapfem Vorfahren, vom hohen Nordm kommmd, dies herrliche Land betraten, noch vor der Zeit, wo die Söhne der Wüste, die jetzt, durch spanische Tapferkeit bezwungen sind, hier eindrangen, warm wir seßhaft auf diesem Bodm. Einer der erstm Könige Spaniens, ein griechischer Fürst, führte — so lautet die Chronik — bei der Zerstörung des ersten Tempels von Jerusalem eine Mmge aus' dm Stämmm Juda und Benjamin, auch Priester und Levitm, hierher, — sie folgten ihm fteiwillig, halfen die Städte erbaum und benannten sie mit dm Namm der Städte ihres Vaterlandes, Städte, die noch heute die schönsten Edelstein« in der spanischen Krone sind. Das alte Toledo, Makeda, Ascalona, Lucana vcrdankm ihnen ihrm Ursprung, sie alle tragm die Bmmnung der geweiheten Orte eines Landes, das uns allm heilig ist. Und so schön fanden sie das nme Vaterland, so befteundet wurden sie mit seinm Bcwohnem, daß sie die Rückkehr nicht verlangtm, als auf das Wort des Perserkönigs ein zweiter Tempel in Jerusalem von dm aus *) Hat Bezug auf Abarbanels Commentirung des Buchs der Könige.