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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-17 · Heft 53 (17.8.1837) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 53 (17.8.1837)
Date
1837-08-17
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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212 verkauft/ Eure Hoheiten wollen ihn jetzt abermals für dreißigrausend Goldstücke verkaufen. Da ist er; nehmt ihn hin und verkauft ihn eilends!« Ein starrer Schrecken malte sich auf allen Gesichtern. Ferdinand und Zsabella küßten das ihnen dargebotene Kreuz. Sie verließen den Saal, hinter ihnen das Gefolge. Abarbanel stand im glanzmden Königssaal allein. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Posen). Die vollste Dankbarkeit und Anerkennung verdient der lieberale Sinn, die Sorgfalt und Hochherzigkeit, mit welcher unsere Provinzial-Regierung für die Organisation des ftüher so verworrenen, Mißbräuchen aller Art Preis gegebenen Gemeindewesens wirkt. Ganz entfernt von dem Prinzhe, sich in die inneren Gemeinde-Angelegenheiten nicht mischen zu'wollen, wodurch nur der Eigensucht, dem Ersterben alles edela Gemeinsinns Vorschub geschieht, und die völlige Zerrüttung der Synagoge herdeigeführt wird, gestattet sich hier das Gemeindewesen unter dem höhern, entschieden ausgesprochenen und kräftig bethätigten Einfluß der Regierung zu einem erfteulichen Ganzen, das die Keime zu künftiger, weiterer Entwickelung in seinem Schvoße birgt. Insbesondere ist die wahrhaft väterliche Sorgfalt für das Gedeihen der jüdischen Elementarschule in der Provinz nicht genug hervorzuheben. Ocstere Schulrevisionea durch den als Mensch wie als Schulmann gleich hochstehenden Konsistorial - und Regierungsrath Jakob sind ganz dazu geeignet, die Lässigkeit zu schrecken, den Schlendrian zu scheuchen, den Eifer zu spornen, da es keine leeren Förmlichkeiten, sondern tief eingehende Bedürfnisse, Wünsche, Mängel, Boyüge, prüfende und abwägende Acte sind. Daß die erkannte Tüchtigkeit in den Leistungen auch thätlich anerkannt wird, hat die Regierung dadurch bewiesen, daß sie neulich dem Herrn Morrtz Neustadt, Lehrer an.der jüdischen Elementarschule zu Fraustadt, in Rücksicht seiner «ackern Amtsführung, in gleicher Weise wie den sieben andern christlichen Elementarlehrern, aus den dazu ausgesctzten Fonds 10 Thaler als Grarification bewilligt hat. (Briefe aus demBade R.z. Erster Brief. Mitte July). Hier bin ich wieder mit der wunden Brust, in der nur lebendig der Trost quillt, die Panacec des Ortes werde mir mit ihrem bittern Balsam zu süßer Genesung verhelfen, — Himmel und Menschen aber werden mich nicht stören, und das reizbare, so gern an sich und seinem Geschicke nagende Gemüth schlafen lassen. Aber dazu ist wenig Hoffnung. Wenn die Wunde in der Brust sich schließen und vernarben will, dann reiben die rauhen Worte und Hände der Menschen sie wieder auf, und stören das wohlthättge Werk der Natur. — Die Berge rings umher, nach denen ich schon so oft sehnsüchtig geschaut, sind so von Nebel verhüllt, daß sie zu den tiefziehendcn Wolken zu gehören und die rechten Dachtraufen des grauen Himmels zu sein scheinen. ' Der Regen ergießt sich ohne Aufhören. Die Sonne hat heute noch nicht gelächelt, und die ganze Landschaft sieht so düster und trübe aus, als ob sie schon'Trauer angelegt, um die, welche von hier nicht wieder nach der Heimath zurückkehren werden. — Ein regnichrer Tag in einem Bade — es ist, als ob das Bad selbst krank geworden, und sich vom Himmel an den Puls fühlen lasse. Dennoch entschloß ich mich gegen Abend, zum Brunnen zu gehen, hielt es jedoch in der gedrängt vollen Kolonnade, zwischen den vielen hinfälligen, schwankenden Gestatten nicht lange aus, und setzte mich in der Seirenhalle auf eine Bank, um den ftischen. Lebensmuth athmcnden Wiener Tänzen, die vom Musikchore vorgetragen wurden, und ordentlich wie mit Hohn und Ironie in die Masse der bleichen Gesichter und schleichenden Figuren hineinfielen, zu horchen. "Rach einer Weile setzte sich ein junger, blasser Mann, den die bunte gestickte Mütze auf dem Kopfe und die Brille auf der Rase, als Studenten verriethen, zu mir, sah lächelnd in das Gewühl der Auf- und Abwandelnden, und warf zuweilen eine spöttische Bemerkung hin, die-mich unangenehm berührte. Plötzlich rief er aus l »Das ist doch zu toll! Sehen Sie nur, fast die Hälfte der Gäste hier sind gewiß Juden. Dieses zudringliche Volk, selbst im Bade kann man ihres Anblicks sich nicht erwehren'. Sehen sie diese herrliche Garderobe, dieses Vornehmthun, und vollends da der jüdische Doktor mit dem lächelnden Munde, wie er mit dem Grafen geht, als ob er seines Gleichen wäre!« — Mein Herz schlug. Voller Ingrimm, aber scheinbar kalt, antwortete ich: »Sehr verehrungswürdiger, der aufhellenden Wissenschaft Beflissener, wahrscheinlich auch hochwohlgcborner Herr! Wollen sich doch nicht so gemein machen, dero hochweise gnädigste Bemerkungen über Juden - Volk, in das Ohr eines zu dieser verachteten Kaste gehörigen Subjekts niederzulegen; wollen ferner meiner ganz gehorsamsten Bitte und dem Befehle dero gnädigster Frau Mama willfahren, und sich aus der Atmosphäre eines eben bezeichneten Juden wegzupacken geruhen, oder« — — hier hatte ich mich rasch und mit drohender Geberde erhoben, und mein Rachbar stotterte bleich und verlegen einige Entschuldigungen, wie er das nicht geahnt, daß ich ein Jude sei, und ja diese Ratton außerordentlich hochschätze, und durch das Mißverhältniß in der Zahl der hier Anwesenden zu dev kleinen, unschuldigen Bemerkung veranlaßt worden. — Durch diese Entschuldigung noch aufgebrachter, fuhr ich fort: »Haben Wohlgeboren nicht auch den Plan, wenn dieselben einst hochgebietender Mann im Staate geworden, wozu freilich noch lange hin ist, den Vorschlag zu machen, die Juden von der Brunnen- und Bade-Kur zurückzuhatten, oder wenigstens nur den ättesten Sohn einer Familie zuzulassen, um die Vermehrung der Juden im Badeorte zu Hintertreiben?. Also auch Kränklichkeit und Leiden reizen Deinen Neid und Deine Verfolguogssucht, zarter Zögling der Musen, und den Blick des Mitleids vergällt Dir der alte Hohn? — Befremdet es Sie, daß fast die Hälfte der Kurgäste Juden sind; mich beftemdet es, daß ihrer nicht über die Hälfte sind, daß nicht alle Juden brustwund und Kurgäste sind. Welchen Grund haben Sie denn, brustkrank zu sein? An Ihrer Wiege lachte die Freiheit und ^die Ehre, wozu Sie Beruf und Lust und Kraft fühlen in der vollen Brust, können Sie werden, kttae Entbehrungen werden Ihnen auferlegt, kein Hohn nagt an Ihrem Herzen, was kann Sie also herführen? Höchstens ein zu viel, zu schnell genossenes Leben'. Dagegen wir, die wir von frühester Jugend in den Mühen und Plagen des Lebens stehen, in steter Spannung, und doch scheinbar kalt, ängstlich berechnend harren müssen, um eine Stellungen» Leben zu erhaschen; was Wunder, daß das so lange zurückgepreßte Blut sich eines Morgens Bahn bricht und gewaltsam hervorquillt? Wir sollten Brustkranke von. Gottes — nein, verzeih', Vater dort oben — von der Menschen Ungnade genannt werden, die uns noch dazu das irdische Heilmittel für unsere Wunden neidisch versagen, oder wenigstens versauern wollen — —« Ich war weich geworden, fast bis zu Thränen, und ging schnell fort, in das Menschengewühl hinein, das noch immerhin - und herwogte. Da tritt, von Regen tttesend, ein junger polnischer! Jude in die Halle, sieht sich scheu um, und drückt das Wasser j aus den, am das blasse, feine Gesicht hangenden, schwarzen Locken. »Sehen Sie, der hat sich selbst emancipirt!« ruft ein hohläugiger Pastor seinem Nachbar zu — und der Witz wird sehr belacht. Binnen Jahresfttst werdet ihr Beide, wohl an der Pfotte stehen, wo.der Herr und der Sklave beisammen eingehcn, und über Emancipätton nicht einmal gesprochen wird. Das war mein erster Tag im Bade R.z. Leben Sie wohl. E. J. E. Redakteur: J>r. L. Phllrppson. — Verlag von BarnugärtnerS Bachhmrdümg. — Druck von W. Hamk.

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