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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-17 · Heft 53 (17.8.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 53 (17.8.1837)
Date
1837-08-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i. 3-h-g-ng. SÜHfge «teilte No. SS. Zeitung des Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. . (Mit König!. Sächsischer «ülergnädigster Coneession.) Leipzig, den 17. August 1837. Ueber die Grundsätze der Redaction. (Fortsetzung.) Daß der moralische Inhalt des Judmthums dem jeder andern Religion sich gleich stellen kann, und die Höhe jeder rationellen Moralität erreicht, ist eine genugsam erkannte und anerkannte Thatsache. Trotz aller Bemühungen der Feinde des Judenthums, ihm aus Eisenmenger den Charakter der Gehässigkeit, der Einseitigkeit, der Menschenfeindlichkeit auszuheften, glaubt Niemand mehr daran, sondern Jedermann weiß, daß die Moralität des Judcnthums ebenfalls die der Liebe ist, als höchsten Grundsatz den Ausspruch der heiligen Schrift: »Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst!« und »Du sollst Dich nicht rächen!« u. s. w. anerkennt, und daß, wenn das Judenthum noch in Bezug seiner Institutionen in der mittelalterlichen Vergangenheit wurzelt, dies allein im Gebiete des Cultus stattfindet, so daß, wmn die früheren Zeiten der Verfolgung und Unterdrückung einige Schlacken' dem Judenchume beigemischt hatten, diese längst aus dem reinen, Hellen Silber herausgeschmolzen sind. Längst sind die alten Vorurtheile von der Unglaubwürdigkeit des Judeneides, von der erlaubten Treulosigkeit gegen andere Religionspattheien u. s. w. zu Nichte geworden, und wer daran glauben will, dem kann dies fteilich so wmig verboten werden, als .der Glaube an Hexen und Gespenster. Neben dieser Anerkennmiß der reinen Ethik des.Judenthums an sich ist fteilich stets auf die Hebung des moralischen Geistes unter den jüdischen Glaubensgenossen hinzuarbeiten. Nie und nimmer wird das unsere Absicht sein, die ganze Masse rein zu waschen vor den Augen der Welt, und das vollständige Quorum der Juden als tadellos hinstellen zu wollen. Nichts desto weniger werden wir uns mit allen Kräften dagegm auslehncn, wenn man im Gegentheil in den. Juden eine moralische Verdorbenheit auszufinden und auszuschreien sich bemüht, die nur stets den besten Vorwand für politisch« Benachtheiligung abgeben soll. Hier gilt allgemeine Voruttheilslosigkeit, mit dem bloßen Auge des Menschen den Juden wie dm Christen zu bettachtm. Es ist eine Entwürdigung, Entheiligung der Menschheit, zu sagm: | Du bist verworfen, weil Du diesem und diesem Stamme, dieser und dieser Nation angehörst! In dem Judm und Christen steigtt im Einzelnm die Wage der Moralität sttts auf und nieder, und nur der allgemein herrschende Geist kann dm Maßstab des Tadels oder Lobes hergebm. Freilich wird es noch lange, lange Zeit die immer frisch erhaltme Wunde des Judmthums sein, daß jedes Verbrechen eines Einzelnm seiner Anhänger, dem Ganzen oder Allen aufgebürdtt und angerechntt wird. Ueberhaupt - sei man nur einm Augmblick voruttheilslos genug, um zu bedenkm, wie unmdlich schwierig es ist, sich unter dm mißttauischm Augm des Argwohns und ane^ogner*) Gehässigkeit rein zu machm, und da tadellos zu stehm, wo jeder Fleckm unter tauftndfach vergrößerndem Glase bettachttt wird. Daß aber der allgemeine moralische Geist in dm jüdischm Welt sich unermeßlich gehobm hat, — das kann sehen, wer nur offme Augm hat. Jede unrechtliche That wird auch in der jüdischm Welt gebrandmarkt, jede Trmlosigkeit und Verrätherei verabschmt. Dagegm thut sich überall der Wunsch nach rechter religiöser und moralischer Belehrung kund; gepredigt und gelehrt wird schon aller Orten, oft mit Begeisterung, mit prophetischer Kraft und Weihe; überall erheb« sich Anstalten, Vereine, wohlthätig auf den Gang der Glaubensgenossm zu wirkm, das Bürgerthum in ihnm zu weckm und zu starken, sie strebsam und eifrig zu machen. Der Same der Intelligenz ist gestrmt, schon geht ec vollsaftig auf, durch dm hatten Bodm drängm sich kühn die zattm Pflanzm. Seid unbesorgt, — die rauhen Stürme, das Aprilmäßig wechselnde Frühlingswetter, das noch über sie hinweggeht, wird sie nicht zersiörm, sondern erkräftigen, bis der Himmel wolkenfrei gewordm!- Die moralische Kraft und Thätigkeit einer Masse kann nur in dem Bewußtsein seines Zustandes und in dem Will«, ihn zu verbessem, geftmdm werden. Je höher dieses Bewußt- *) Wie traurig, wie niederschlagend ist es, daß selbst Jugendlehrer, ja in öffentlichen Schulm, sich nicht entblöden, den Judm als das Lastthier der Sünde und des Unsinns darzustellen. Oft sitzen Judenknaben dabei, und — müssen schweigen!

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