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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-15 · Heft 52 (15.8.1837) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 52 (15.8.1837)
Date
1837-08-15
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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207 Juden des Landes auf einmal zum Christenthume übergingen? würden wir da nicht dieselbe Masse Staatsbürger mehr haben, und dasselbe befürchten müssen, was so sehr gegen jene Klasse von Staatsbürgern, herausgehoben worden? — Und so möchte ich denn wünschen, daß wie damals der Präsident der zweiten Kammer der bairischen Ständeversammlung sprach, auch heute gesprochen werden könne: Eine große Sache ist heute auf der Tagesordnung, eine Sache der Glaubmsfreiheit, und siehe, von allen Seiten hat sie nur Vertreter, nicht einen einzigen Gegner gefunden. Die Menschheit wird heute, ich bin dessen überzeugt, einen schönen Triumph feiern, und der heutige Tag wird durch den Beschluß, den wir zu fassen im Begriffe sind, ein Ehrentag der baierschcn Standeversammlung werden. Abg. Sachße: Man denke sich Personen, die mit uns gleiche Lust athmen, die mit uns' seit Jahrhunderten ein gleiches Vaterland haben', und dennoch wohl -po9<y der Gelegenheiten zu Erwerb beraubt sind. Was kann da ansprechmder sein, als die Forderung, den traurigen Zustand derselbm zu verbessern und sie in den Stand zu fetzen, dem Vorwurfe, den man ihnen hinsichtlich ihrer Industrie und Moralität macht, zu begegnen, und die Hindernisse zu beseitigen. Ich gebe aber nicht zu, daß dieser Vorwurf der Jmmoralitat, welcher eine so große. Furcht einflößt, und die Besorgniß, welche sich deshalb verbreitet,«weil andere Gewerbtreibende durch sie unterdrückt werden würden, gegründet sei. In den statistischen Bemerkungen über die Zahlenverhältnisse in Ansehung der Berbrechm, der Ehescheidungen und der unehelichen Geburten bei den inländischen Juden zeigt sich keinesweges ein tieferer moralischer Zustand derselben in Vergleich mit den Christen; ja, ich möchte fast das Gegentheil beweisen. Die Ehescheidungen sind bei ihnen sehr selten, und uneheliche Geburten kommen seltener bei ihnen vor, als bei andern Glaubensgenossen, und wmn, wie.in einer Schrift behauptet wird, seit 20 Jahrm nur ein Jude Zuchthausstrafe erlitt, so ist das ein schlagender Beweis dafür, daß ein unterdrücktes Volk sich eine Moralität bewahrt habe, welche der der Christen gar wohl die Wage halten könne. — Jeder, auch der Jude, liebt sein Vaterland, und wenn er darin sein Fortkommen findet, so zieht er es allen vor. — (Fortsetzung folgt.) Correfpondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Nord-Amerika.) Eine der eigensten Erscheinungen der neuern Zeit ist auch, daß ein gewisser I. Samuel Frey, von Geburt ein deutscher Israelit, aber in England zum Christenthume übergetretcn, gegenwärtig in New-York eine Monatsschrift für . die Luden herausgiebt, unter dem Lite!: „Thejewish intelligencer. A monthly publication.“ Als wenigstens höchst interessant ist ein Aussatz hervorzuheben, worin, er sich bemüht, darzuthun, daß die Nord-Amerikanischen Indianer die Abkömmlinge der zehn Stämme Israels seien, und wollen wir die bedeutsamsten Data hervorheben. Die Ansicht des Frey ist nicht ganz neu. Schon William Penn erzählt von den Eingebornen Pensylvaniens, ehe noch die Sitten derselben durch den Berkehr mir den Europäern verdorben waren, er habe an ihren Gesichtern und Geberden sehr Vieles gefunden, was an die Hebräer erinnere, und besonders zeigen ihre Kinder eine so außerordentliche Aehnlichkeit mit den jüdischen, daß man sich bei ihrem Anblick nach Dukss-place oder Bury-street in London versetzt glauben möchte. James A d a i r, der als Handelsmann unter den Indianern 40 Jahre verbracht, und eine Geschichte derselben schrieb, behauptete in dieser fest, daß jene Amerikaner van den Israeliten abstammen. Der Missionär Dr. Jonathan Edwards schrieb im Jahre 1824 in einem Briefe: »Nach dem, was ich von dem Pater Hoyt über die Traditionen und die Gebräuche und Ceremonien der Indianer in dieser Gegend erfahren, scheint mir viel Grund vorhanden, sie für die Nachkommen Abrahams zu halten. Auch sie hatten, wie die alten Israeliten, Asylstädte, Erstlingsfeste und Opfer von den Erstlingen ihrer Heerden, die so rein und vollkommen sein mußten, daß man nicht den geringsten Makel oder Schaden, nicht ein zerbrochenes Knöchelchen an ihnen bemerken durste. Noch nie hat man gehört, daß sie Bilder verehren, oder einem von Menschenhand verfertigten Götzen Opfer bringen; sie haben alle eine Ueberliefcrung von dem Einen »Großen Geiste«. Ihre Feste, ihre heiligen Tage waren alle in der Zeit nach der Zahl Sieben geordnet, so nach 7 Nächten, 7 Monden, 7 Jahren u. s. w. Sie hatten auch eine Art Lade, deren Inhalt für hochheilig gehalten, und als ein tiefterhülltes Geheimniß vor dem gemeinen Volke aufbewahtt wurde. Diese Lade wurde von einer auserwählten Schaar von Männern gettagen, die für rein oder heilig galten; wenn ich nichr irre, hatten die Cherokees eine solche Lade. So oft sie mit einem andern Stamme in Krieg geriethen, nahmen sie diese Lade mir, und die Heiligkeit derselben war in ihren Augen so groß, daß es sich durch nichts entschuldigen ließ, sie auf die bloße Erde zu stellen; nur ein ganz glatter Fels oder ein hölzernes Gerüst war rein genug, um dieser heiligen Lade zum Ruheplatz zu dienen. Auch hatten sämmtliche Stämme einen solchen Respekt davor, daß, sc- . bald die Pattei, unter deren Obhut die Lade staub, geschlagen und gezwungen war, sie auf dem Schlachtfelde zurückzulaffen, die Sieger sie auf keine Weise zu berühren wagten. Herr Smith bemerkt, daß diese Rachttcht merkwürdig übereinstimme mit manchen andern aus verschiedenen Gebieten der Indianer; unbegreiflich aber bleibt sie, so lange man nicht annimmt, daß die Indianer die Abkömmlinge der Israeliten sind«. Als Las bedeutendste Moment würde die Sprache und ihre Analogie hervorzuheben sein, und wirklich hat nicht allein Frey, sondern schon Mehrere vor ihm, die sich mit den Dialekten der Nord-Amettkanischen Indianer und dem diesen zu Grunde liegenden Idiome beschäftigten, behauptet, daß sie durchaus mit dem Hebräischen verwandt wären. Frey fühtt hierüber besonders Folgendes an: »Was ihre Sprache betrifft, so stimmen Dr. Edwards, Dr. Boudinot, Adair und Andere vollkommen überein, daß sie von dem Hebräischen herzustammen scheint. Dr. Edwards bemerkt, daß man in beiden Sprachen, der Hebräischen und Indianischen, keine Präpositionen findet, dafür aber einen Reichthum von Präfiren und Suffixen, eine Eigenrhümlichkeit, die fast in keiner andern Sprache weiter bekannt ist. Auch zeigt - er, daß nicht nur die Watte, sondern auch der Satzbau in beiden Sprachen ähnlich ist, und daß besonders die Nomina und Pronomina der Indianer ganz deuüich aus dem Hebräischen stammen. Auch Herr Adair spricht mit großer Zuversicht und Ucbcrzeugung von der Verwandtschaft beider Sprüchen; er macht besonders auf die kräftigen, lakonischen Redewendungen und Figuren auftnerksam, die beiden gemein seien, und er erzählt, er habe nach einem 40jähttgen Aufenthalte unter

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