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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-15 · Heft 52 (15.8.1837) · p. Seite 206

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 52 (15.8.1837)
Date
1837-08-15
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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206 Bedeutsame Aussprüche der j zweiten sächsischen Knnrnrer, j ausgezogen aus,den > »Miltheilungen über die Verhandlungen des Landtags.« j (Fortsetzung.) Abg. v. Leyßer: Meine militairischen Verhältnisse haben mich einmal in die Nöthwendigkrit versetzt, fast 6 Wochen hindurch in Russisch Polen mit einer Judenfamilie, nur durch einen Derschlag getrennt, zusammen zu wohnen, wo ich denn deren Treiben und Lebensweise genau , kennen zu lcrnm hinlänglich Zeit und Gelegenheit hatte. Nun beschuldigt man diese Menschen fast allgemein der Faulheit in Allem, was nicht den Schacher betrifft; ich aber versichere, daß ich nie eine fleißigere Familie, die aus Handwerkern bestand, gefunden habe, die von früher Zeit an bis zum späten Abend . thätiger gewesen wäre. Man beschuldigt sie ftmer der Zaghaftigkeit, und sagt, der Jude habe nie Muth'; auch hier habe ich den Beweis vom Gegentheile gesunden, und eine» französischen Wachtmeister, der mit einem Detaschement unter mein Commando gegeben wurde und jüdischer Religion war, als einen sehr tüchtigen Mann vor dem Feinde kennen lernen. — Es schlummern unter den Juden eben so die. geistigen Kräfte, wie sie sich uüter den Christen darthun, nur sind sie bei Wenigen geweckt und erhöht worden, und dennoch ungeachtet aller Hemmungen finden wir sehr ausgezeichnete Köpfe in ihrer Mitte. Sie haben also auch dieselben Ansprüche, sich durch Geschick, Fleiß, Talent und Wissen diejenigen Vorcheile zu verschaffen, die andern Menschen dadurch zu Theil werden. — Abg. Eisen'stuck: Ich muß in Wahrheit das Bekenntniß ablegen, daß feit 20 Jahren die hiesige Judenschaft in der Thar in der Bildung fortschreitet. Ich habe mich davon überzeugt in unfern Gymnasien, wo ich sehr viele jüdische Theilnehmer gesehen habe, die immer die bestm Zeugnisse sowohl über ihren Fleiß als über ihr Betragen erhalten haben. Abg. Todt: Mir ist der Grundsatz heilig: »politische und religiöse Freiheit-für Jedermann,« und so kann man kaum etwas Anderes erwatten, als daß ich mich für die Emancipation der Juden bestimmen werde, und zwar so, daß ich, wenn meine Stimme allein dm Ausschlag gäbe, mich in der That nicht bedenken würde, die völlige Emancipation auszusprechen. Allein, man findet es nicht praktisch, eine völlige Emancipation einttetm zu lassen. Nun gut, ft will auch ich nicht mit der Thür in's Haus fallen, auch meinerseits Beschränkungm gelten lassen. — Wenn ich die Rechte überschaue, die dm Juden fetzt gewährt werden sollm, so ist das, was sie wirklich erlangen, wie jeder Judmhaffer zugeben wird, nach dem Gesetzmtwurf kaum von dem, was sie erlangen sollten. Die 1. Kammer hat nun dieses £ auf reducirt, und unser Deputations bericht gesteht selbst, daß er noch mehr Beschränkungm hinzufüge, ft daß nunmehr das Ganze sich auf abmindert. Für Bestimmungen, die so beschränkt sind, möchte ich mich allerdings nicht erklären., — Was die Entgegnungen anlangt, so will ich mir nur einiges Wmige zu bemerken erlaubm, und zwar hauptsächlich in Bezug auf dm Einwand, »es seinoch nicht an der Zeit, eine völlige Gleichstellung zwischm Juden und Christen einttetm zu lassen.« Es .ist dies ein Einwand, dm man bei allen Verbesserungen hört, die im Staatslcben gemacht werden sollen. Man will auf die Sache nicht eingehm, und begegnet ihr daher allemal mit dem Einwande: »es ist noch nicht an der Zeit!« — Abg. v. Dieskau: Meine Herren! die Frage, welche der vorliegende Gesetzmtwurf anregt, ist Sache der gesammten Menschheit. Der Mensch ist Mensch, er ist ftei, und sei er in Kettm geboren. Und sind nicht die Juden Mmschm; sind sie nicht unsere Nebmmmschm, unsere Mitbürger, unsere Mitbrüder? — Warum wollen wir uns noch länger sträuben, dm Judm das Stäatsbürgetthum zu ettheilm, da das vorgerückte Zeitalter und die Mmschlichkeit ihre Gleichstellung gebieterisch verlangm, und nicht sowohl Großmuth als vielmehr Gerechtigkeit dringmd mahnm, das Unrecht auszugleichen, was ihnen seit länger als 1000 Jahren wiederfahrm ist? Meine Herren, Sie kmnm meine Grundsätze, es sind die des Liberalismus, der Humanität, und daher die unbedingte Zustimmung zur völligen staatsbürgerlichen Gleichstellung dtt Juden. Das Motto, welches an der Spitze einer Petition stcht, welche die einzige ist, die sich für Emancipation der Judm ausspricht, und derm Ueberweisung mir zur beftndem Frmde gereicht hat: »bürgerliche und. religiöse Freiheit für die ganze Welt,« verbunden mit dm Grundsätzm, welche ich so ebm ausgesprochm habe, und im Vereine mit unserer Christusreligion, sowie mit der Ueberzeugung, daß die Nationalehre Sachsens, des konstitutionellen Sachftns, es erfordert/ langer nicht hinter, andern Staatm, und vorzüglich abfolutm Staaten, zurückzubleibm, bedingt die Nothwendigkeit. jener Gleichstellung. — Sind nicht die Judm, wie es auch in dm Motivm zu dem Gesetzentwürfe beißt, militairpflichtig? müssm sie nicht Steuern bezahlen? und sind sie nicht verbundm, übtthaupt die Staatslasten mit zu ttagm? Recht und Verbindlichkeit sind Correlate. Sind sie aber zu jmm Lastm verbundm, so sind sie auch berechtigt zu verlangm, daß ihnm Rechte zugestanden' werdm, die ihren Leistungen entsprechen. — Wie wäre cs, wenn die sämmtlichm

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