Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 51 (12.8.1837)
- Date
- 1837-08-12
- Page
- Seite 203 (sequence 3)
- Language
- German
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203 man Euch am portugiesischen Hofe, dankte. Noch ist es Zeit, fliehet, verlaßt dieses Land, Eures edeln Lebens willen, Freund, mit offenen Armen wird man Euch überall aufnehmen.«. »Als ich vor Don Juan floh,« erwiederte Abarbanel ruhig und den Kopf auf die Brust senkend, »stellte man meiner Person und nur meiner Person.nach. Jetzt will man an mein Volk, — ich trenne mein Schicksal nicht von seinem. Ferdinand wird mich hören, hörte er mich doch, als ich ihm die Dublonen zum Kriege gegen die Maurm brachte. — Ich bekämpfte damals, als ich ihm gegen die Jslamiten Beistand leistete, mein Gefühl als Jude, um der Diener meines Königs zu sein, jetzt werde ich den Staatsmann verlaugnen, um Jude zu sein.« »Euer Entschluß ist edel und meines Freundes Abarbanel würdig. Aber Ihr habt Kinder, Euer theuerster Sohn ist fern von Euch, Ihr ziehet diese in's Verderben, wer ergreift beim allgemeinen Schiffbruch nicht gern ein Bret, um vor dem Tode in den Wellen sich und die Seinigen zu retten?« »Nicht der spanische Jude, Hidalgo, er geht mit unter.« »Ihr werdet so Alles verlieren, Freund, selbst das, wo-, durch Ihr Unzähligen der Verfolgten ein besseres Schicksal bereiten könnt.« »Alles verlieren — Alles verlieren, Hidalgo, was nennt Ihr Alles? Mein Geld meint Ihr, das ist das Alles des Juden. .Denn fteilich — (er sah durch's Fenster und blickte wehmürhig in die scheidende Sonne) — die lachende Flur ist nicht seiü, der blühende Frühling, die reine Luft ist nicht sein. Aber auch nicht Euer, Hidalgo, Ihr beflecktden Boden mit dem Blute der Menschen, Ihr verpestet, die Lust mit dem Hauche ihrer Verwünschungen, der Frühling trifft nur.Eure alten Laster, er emeuet Euern Geist, er verjüngt Euer erhärtetes Gemuth nicht. Verliere ich das, was Ihr mein Alles nennt, so-gewinne-ich vielleicht an dem, was ich mein Alles nmne. Ich werde meine Brüder in's Elend begleiten, ich werde ihnen ein Beispiel männlicher Ertragung, geben, Gott wird mich stärken, mit ihnen die Hefe des giftigen Trankes zu leeren, den Eure Monarchen und Priester uns im Kelche christlicher Liebe kredenzen.« Corduero schwieg bekümmert. »Ihr zümet,« fuhr Abarbanel fort, »ob meiner vorwurfsvollen Redm, sie können meinen Freund nicht treffen, der mir so eben den Beweis seiner Treue gegeben, — ich danke Euch für Eure Winke, ich werde sie zu benutzen wissen.« Nach mehrerer Berathung trennten sie sich bekümmert. Abarbanel verbrachte die Nacht mit Arbeiten, er schrieb nach Granada und beschied seinen Sohn eiligst nach Madrid, er warnte die bedeutendsten spanischen Gemeinden und bat sie, auf ihrer Hut zu sein und bei Zeiten ihr liegendes Eigenthmn zu Gelbe zu machen, er gab ihnen Maßregeln an, wie sie sich bei dem einzubrechenden Unglücke zu benehmen hätten. Alsdann durchsuchte er eine Menge alter Papiere, .bezüglich auf die Geschichte der spanischen Juden, mit großer Geistesruhe; als gelte es Resultate für erheiternde Studien zu sammeln, durchblätterte er Folianten, und ttat zuweilen, von der Arbeit ermüdet, an's Fenster, den balsamischen Dust einzuathmen und ein brünstiges Gebet zum Gotte seiner Väter zu richten. Als der Morgen' anbrach, fühlte ec sich neu gestärkt, eine Ruhe hatte sein Gemüth erlangt, wie er sie noch nie, seitdem er Ferdinands Hof betteten, empfunden; er hatte mit sich abgeschlossen und war auf das Furchtbarste, was ihm begegnen könnte, gefaßt. Das ist die Frucht eines von ächter Religiosität und von der Begeisterung hohwen Wissens durchwebten Lebens, — es ist der Baum an Wasserquellen, dessen Blätter nie welken, die Palme in der Wüste, unter der die Gemeinen der Erde Schatten suchen. Jetzt wurden ihm der Herzog von Sidonia und der Pater Timenes gemeldet. Er ging ihnen bis zur Schwelle seines Vorsaales entgegen, empfing sie mit aller Ehrfurcht und fühtte sie in sein Zimmer. »Ihre Majestäten, unsere gnädigsten Monarchen,« begann Timenes, »lassen Euch ihren gnädigsten Gruß entbieten, Don Isaak. Es hat ihrer Weisheit gefallen, ein Edikt in Betteff der Juden, Eurer Glaubensgenossen, ergehen zu lassen, welches wir Euch, dem vielerprobten Dien« des Königs, mittheilen sollen. Das Unglück, welches die neuen Christen durch Ketzerei bis jetzt über Spanien und die alten Juden verhängt haben, die Vttlegcnheiten, welche dem Staate durch die häufigen und fast nicht mehr zu hintertteibenden Auswanderungen der Maranno's erwachsen, hat die Könige bewogen, diesem Unheile mit einem Male ein Ende zu machen, und die Juden durch den Befehl der Auswanderung allen fernem Verfolgungen zu entziehen. Unsere gnädigsten Monarchen haben aber sämmtlichen jüdischen Unterthanm eine Frist von drei Monatcn gestattet, sich zu der Reise vorzubereiten und ihre liegmden Gründe zu veräußem. Das heute über beide Königreiche ergangene Edikt wird Euch das Nähere sagen. Don Abarbanel, der König läßt Euch durch uns seine fortwährende Gnade versichem, Ihr seid von dieser nothwendigen Auswanderung ausgenommen und genießet des königlichen Schutzes, — aber man verlangt von Euch, zum Danke solcher Gnade, nur das Eine, Euch von allen Einmischungen in diese große Angelegenheit fem zu haltm und alle Verbindungm mit den Marannen aufzugeben. Abarbanel sah beide Botschafter eine Weile mhig an. »Kann es mir vergönnt fein, meine Huldigungen vor dm