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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-03 · Heft 45 (3.8.1837) · p. Seite 178

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 45 (3.8.1837)
Date
1837-08-03
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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178 los behandelte er die Armen, für deren Verpflegung er sorgen sollte; gxgen jene war er zu stolz, um die allerdings demüthigmde Stellung seines Amtes zu bewahren, gegen diese erschien er mit dem kränkenden Uebermuth' des' früher vornehmen Mannes. Aus beiderlei Gründen mußte ihm sein Betragen Feinde zuziehen, und es fehlte nicht an Klagen und Verweisen, die die Bitterkeit Campantons noch mehr reizten, und deren Verdrüßlichkeiten er seinem tugendhaften Weibe entgelten ließ. Wehe dem Menschen, der nicht geistige Bildung und Seelengröße in's Unglück hinübertragt, Armuth wird dann die Mutter eines großem Uebels, der Schlechtigkeit des Gemüthes. Diese Verhältnisse hatten- Einfluß auf die Erziehung Gonzago's, des einzigen Sohnes. Der Stolz des Vaters hielt ihn von der Gemeinschaft mit seinen jungem Glaubensgenossen zurück, mit den. Gemeinem verbot ihm der Vater den Umgang, mit den Vomehmem war er dem Knabm versagt. So wuchs er heran ohne Gespielm und ohne Freuden der Kindheit, die das Element dieses Lebensalters sind? und mit ihrem Blüthmdüst noch den Mann und Greis erquicken. Im Hause überhauste ihn der Vater mit Vorwürftn, weil er nicht beharrlich gmug in den Studien war, denn Campanton hätte seine Hoffnung auf diesen Sohn gesetzt. Da er ihm keine Glücksgüter mitgebm konnte, so wollte er ihn zum Ungeheuer der Gelehrsamkeit machm, und in dm Sttahlm des einstigm Ruhmes seines einzigm Sohnes sein eigmes Alter sonnen. Seine Phantasie malte sich mit glühmdm Farben dm Mommt aus, wo er dem Mammon der Reicheren dm Ruhm seines von Christm, Iudm und Maurm geachtttm Sohnes entgegenhaltm konnte. Auch versprachm die Geistesgabm dieses Sohnes die tüchtigstm Leistungen, nur daß sie von dm Stacheln des väterlichm Ehrgeizes gereizt, zu früh über das rechte Ziel hinauseittm, und so. geschah es, daß die erworbme Wiffmschaft mehr die trockme Nahmng der Leidmschaft wurde, als die erwärmmde Flamme des jugendlichen Gemüches, genährt von dem heiligm Oele der Weisheit. Gonzago lemte viel; in seinem vierzehntm Jahre verstand er nicht allein, sondem wußte auswmdig die heilige Schrift und sämmtliche talmudische Schristm, aber ihre Lehrm lagm in dem Bodm seines Gedächtnisses, und drangm nicht in die Kammem des Herzms ein; er war bewandert im mathematischm und astronomischm Wissen, zu-jmer Zeit mit desto größerem Eifer betriebm, je mehr sich dm kühnm . . Seefahrem der Portugiesen und Spanier 'neue Weltm eröffnet«:; aber der Glanz der Steme ttaf nur das Auge und drang nicht in die Seele, um die Funken eines über die Erde und ihre Gebrechm erhabmm Gefühles zu erzmgm; er kannte mdlich die Sprachen der Griechm, Römer und Araber, aber die Größe der alten Welt, und die. Ruhe und Abgeschlossenheit, die in den Werkm der Vorzeit liegt, hatten keinen Einfluß auf Gonzago's Charakterbildung, und reinigtm ihn nicht vom Staube, dm die kleinlichm Bestrebungen seiner Umgebung und sein geistiges Wesen aufgeworfen hattm. Was Wunder, daß ihn die Wissmschaft mdlich anekelte, und daß, als in der Blüthezeit des Lebms die Leidmschaftm mit ihren Stürmm auf ihn einbrachm, er ihnm keine erprobten Waffm mtgegmzuhaltm vermochte. Er hatte das achtzehnte Lebensjahr zurückgelegt,- als er von Cordova, wo er sich zum Gelchttm ausgebildet hatte, zurückkehrte; er sah die Tochter eines reichm Iudm, Estrella Bmbmäste, und liebte sie mit allem Feuer seines leidmschaftlichm Herzms. Mit Ungeduld crwattete er noch die Zeit, wo ihm die höchftm rabbimschm Würdm zu Theil werdm solltm, um das Gewicht dcrselbm in die Goldwage des Bmbmäste zu werfm, und von ihm die Hand seiner Tochter zu-erlangen. Der Augmblick kam, von mehrern bedeutmdm Schulm erhielt Gonzago zugleich Titel und Würdm, Campanton sah triumphirmd auf die Reichm der Gemeinde, derm Söhne im Strudel der Welt Glück und Ehre verlorm; sein Hochmuth ward noch größer und unerttäglicher, da der Glanz seines Sohnes nicht die Dunkelheit seines Standes auslöschte.? Estrella's Besitz wurde Gonzago verweigert, nicht wegen seiner Armuth- — denn diese würde der reiche Bmbmäste übersehm habm, da die Ehre eines Rabbinm in zu hoher Achtung stand, als daß nicht der reichste Jude eine Verbindung seiner Tochter mit ihm als ein großes Glück für die ganze Familie angesehm. hatte, — aber Bmbmäste fürchtete die Verschwägerung mit dem ränkevollm Campanton, und Gonzago selbst besaß, ttotz seiner Gelehrsamkeit, kein Zuttaum, weil ihm die sanstm Eigmschastm des Herzens fehltm, wodurch allein die Mmge gefesselt werdm kann. Jetzt lodette die Flamme der Begier wild in seiner Brust auf, er fluchte feiner Geburt, er haßte sein Volk, er fchmähete seinm Vater, und würde schon jetzt ihn verlassm habm, wenn ihn nicht die Mutter noch zurückhielt, die allein noch etwas über das verwilderte Gemüth des Vielwissers vermochte. Aber die beständigm Zerwürfnisse seines Vaters mit der Gemeinde zwangm diesm mdlich, seine Stelle niedKHulegen; er versuchte es wieder mit dem Kleinhandel und Wucher, aber das Alter hatte ihm die Rüstigkeit ge» nvmmm, um es dm Jüngeren zuvorzuthmr, und die schrecklichste Armuch drückte die Familie zu Bodm. Da hötte .Gonzago, daß ein naher Verwandter der Mutter, VamenS Gaon, groß und reich gewordm wäre; er wohnte in Vittoria, hatte die Einkünfte der Krone gepachtet und betrieb die Einnahme^ des peäiäo. *) Zu ihm reiste Gonzago, von ihm *) Abgabe.

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